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Sportfans haben jetzt Zeit für diese 12 Filme

Kein Live-Sport in den Stadien und kein Live-Sport im TV. Besten Dank, Corona. Wir schaffen Abhilfe.

Zu Hause bleiben hat auch Vorteile: Am TV holt man sich keine blutige Nase. Im Bild: Die Hanson-Brüder aus dem Kultstreifen «Slap Shot». (Foto: Screenshot)
Zu Hause bleiben hat auch Vorteile: Am TV holt man sich keine blutige Nase. Im Bild: Die Hanson-Brüder aus dem Kultstreifen «Slap Shot». (Foto: Screenshot)

Die Schönheit des nackten Wahnsinns

«The Four Year Plan»

Wäre dies ein Spielfilm, man müsste ihn als komplett überdreht und unrealistisch abtun. Aber – und das ist die absolute Schönheit seiner 96 Minuten – «The Four Year Plan» ist ein Dokumentarfilm. Im Jahr 2007 stehen die Queens Park Rangers vor dem Konkurs, ehe sie von einer Gruppe Milliardäre gekauft werden; unter ihnen die Formel-1-Promis Bernie Ecclestone und Flavio Briatore. Es ist der Anfang des nackten Wahnsinns.

Briatore und der neue Präsident Gianni Paladini hofieren Supermodels, sie schimpfen ihre stets wechselnden Trainer «Idioten», «Deppen» oder «Scheisskerle». Kurz ist auch der spätere Basel-Coach Paulo Sousa da. Aber er ist schnell wieder weg, als ihm Briatore in der Pause eines Spiels einen Wechsel befiehlt.

Der Club hatte keine Mitsprache beim Schnitt. Zum Glück. (fra)

The Four Year Plan. 2011. Dokumentation. Amazone Prime Video

Als das Böse sich selbst besiegte

I, Tonya

Der Amerikaner ist einfach. Er liebt das Duell zwischen Gut und Böse. Ob es im Weltall oder unter Wasser ausgetragen wird. Oder wie hier auf dem Eis. Da ist Nancy Kerrigan, Liebling der Nation, aus einer Arbeiterfamilie und wahnsinnig gut im Eiskunstlauf. Und da ist Tonya Harding, auch nicht schlecht in ihrem Sport, schwere Kindheit. Ihre Mutter ist Alkoholikerin und wirft ihr einmal mit beeindruckender Genauigkeit ein Messer in den Arm.

Harding, die Böse, will sein, was Kerrigan ist: die Beste, ein zweiter Platz interessiert keinen. Harding gerät in falsche Kreise, es kommt zum berühmten Eisenstangen-Anschlag auf Kerrigan vor Olympia 1994. Die Geschichte ist nicht erfunden, und Margot Robbie spielt Harding herausragend. Mit der Performance hat sie weit mehr Erfolg als die Pöblerin, die sie darstellt. (mro)

I, Tonya. 2017. DVD/Download

In die Freiheit geboxt

«The Hurricane»

«Wir suchen zwei Schwarze», sagte der Polizist. Und Rubin Carter: «Egal, welche zwei?»

Carter, genannt «Hurricane», war ein mehr oder weniger erfolgreicher Boxer, der oft nach Punkten verlor. Doch mit der Begegnung mit jenem Polizisten am 17. Juni 1966 änderte sich sein Leben dramatisch: Hurricane wurde beschuldigt, in einer Bar mehrere Weisse erschossen zu haben. In einem höchst fragwürdigen Prozess wurde er ohne jedes Indiz zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

Nachdem Carter unzählige Briefe an Prominente und im Gefängnis seine Biografie verfasst hatte und so um seine Freilassung kämpfte, widmet ihm Bob Dylan zwei Benefizkonzerte und den Welthit «Hurricane». In den Jahren danach kommt ein zähes Berufungsverfahren in Gang, an dessen Ende Carter freigelassen wird. Carter, herausragend von Denzel Washington gespielt, erfährt weltweit Unterstützung: «Hass brachte mich ins Gefängnis. Liebe holt mich hier raus.» (wie)

The Hurricane. 1999. Download/DVD.

Träume wahr werden lassen

«Kilian Jornet: Path To Everest»

Als der Ultramarathonläufer Kilian Jornet 24 Jahre alt war, hatte er all seine Ziele erreicht, seine Kindheitsträume erfüllt. Er gewann die wichtigsten Langdistanzrennen in Rekordzeit, wurde Weltmeister, war unbesiegbar. In der schweren Depression des ultimativen Erfolgs kreierte er das Projekt «Summits of My Life», ein lebenslanges Abenteuer, das ihn auf die schönsten Berge der Erde führen soll.

Jornet rannte in nicht einmal zwei Stunden auf das Matterhorn. Er erklomm den Montblanc schneller als je jemand zuvor. Die grösste Leistung zeigte Jornet am grössten Berg des Planeten, dem Everest. 26 Stunden nachdem er vom Basislager losstapfte, war er auf dem Dach der Welt angekommen. Jornet sagt: «Gewinnen heisst nicht, Erster zu werden, andere zu schlagen. Es bedeutet, sich selber zu übertreffen und seine Träume wahr werden zu lassen.» (tmü)

Path To Everest – Summits of My Life. 2018. Dokumentation. Download/Amazon Prime Video.

Heisses Duell auf der Rennstrecke

«Rush»

Zwei völlig unterschiedliche Charaktere treffen auf der Rennstrecke aufeinander. Hier der verbissene, technikversierte Perfektionist Niki Lauda. Da der unbedachte, hochtalentierte Playboy James Hunt. In den 1970er-Jahren lieferten sich der Österreicher (der insgesamt drei WM-Titel holte) und der Brite (der einen WM-Titel gewann und danach in Saus und Braus lebte) eines der spektakulärsten Duelle, welche die Formel 1 je gesehen hat.

«Rush» fängt diese Rivalität geschickt auf der Leinwand ein. Die Reibereien der beiden gegensätzlichen Charaktere und die Boliden, die über die damals noch hochgefährlichen Circuits auf der ganzen Welt brettern, vermögen zu fesseln. Auch der Unfall von Lauda, der vor knapp einem Jahr verstorben ist, ist ein grosses Thema. Die historischen Grundzüge des Spielfilms stimmen, jedoch hat der Regisseur die Handlung gezielt dramatisiert – und holt damit sowohl Motorsport-Fans als auch Laien ab. (lai)

Rush (Rush – Alles für den Sieg). 2013. DVD/Download.

Schneller Aufstieg, schneller Fall

«Hugo Koblet – Pédaleur de Charme»

Er war der James Dean des Schweizer Radsports: Hugo Koblet gewinnt 1950 völlig unerwartet den Giro d’Italia, als erster Nicht-Italiener überhaupt. Auf einen Schlag wird der Bäckerssohn aus dem Zürcher Kreis Cheib weltberühmt. Die Radsportwelt bewundert ihn für seinen eleganten Fahrstil, die Frauen liegen dem Sunnyboy zu Füssen.

Doch so steil der Aufstieg des ewigen Rivalen von Ferdy Kübler ist, so schnell nimmt sein Höhenflug ein Ende. Nach dem Sieg der Tour de France 1951 ruiniert er seine Gesundheit ohne sein Wissen mit Amphetaminen. Noch kann er einige Jahre vom Glanz seiner besten Tage zerren, ehe es mit ihm gesellschaftlich wie finanziell bergab geht. Sein Leben endet jäh, er rast mit seinem Alfa in einen Baum.

Der Dokumentarfilm über Hugo Koblet, der von Manuel Löwensberg hervorragend gespielt wird, hat Tiefe, Spannung, Witz und Tragik zugleich. (rom)

Hugo Koblet – Pédaleur du Charme. 2014. DVD/Download.

Unter der Gürtellinie

«Slap Shot»

Nein, das ist keine ernsthafte Eishockey-Doku. George Roy Hill, sonst für Klassiker wie «Der Clou» berühmt, erzählt die Story der unterklassigen und erfolglosen Charlestown Chiefs: Um Fans anzulocken, setzen sie nur noch auf Provokation und Unfairness. Wegen der Sprüche, der (guten und schlechten) Gags und der überzeichneten Figuren wurde «Slap Shot» trotz aller Kritik zum Kultfilm.

Auch 43 Jahre später ist er präsent; kürzlich bewarben die Binghamton Devils ihre Retro-Woche mit einer von ihrem Schweizer Goalie Gilles Senn nachgespielten Szene (sehen Sie das Video hier). Natürlich ist der Film aus heutiger Sicht politisch vollkommen unkorrekt, man kann sich im Minutentakt empören. Wer dies in der deutschen Synchronisation tun will, darf sogar zwischen zwei Versionen wählen: Einer vulgären – und einer noch vulgäreren. (kk)

Slap Shot (Schlappschuss). 1977. DVD/Download

Arrogant, zynisch und manchmal auch erfolgreich

«The Damned United»

Der zweifache Gewinn des Meistercups mit dem kleinen Nottingham Forest 1979 war seine Krönung – aber nicht sein grösster Triumph. Brian Clough hatte sieben Jahre zuvor das Kunststück geschafft, aus dem Aufsteiger Derby County einen englischen Meister zu formen. «The Damned United» erzählt die Geschichte des arroganten und oftmals ironischen, ja zynischen Fussballtrainers. Zum Beispiel, wie er sich mit einem Kündigungsschreiben bei Derby übel verpokert und trotz Erfolg gefeuert wird.

Im Zentrum (und deshalb Namensgeber des Streifens) ist sein nur 44 Tage dauerndes Intermezzo bei der damaligen Star-Truppe Leeds United, wo er und sein genialer Co-Trainer Peter Taylor krachend scheitern – selbstverständlich zu seiner eigenen Verblüffung. Wie er die Stars von Leeds in den Senkel stellt, als wären sie Schulbuben: Grandios! (fas)

The Damned United (Der ewige Gegner). 2009. DVD/Download

Gnadenloser Einblick

«Any Given Sunday»

Muskelpakete, die aufeinander losgehen. Ein Quarterback, dessen Ego so gross ist, dass es nicht ins Team passt. Und eine Clubbesitzerin, die ihre Macht ohne Rücksicht auf Verluste ausübt – das ist die Ausgangslage bei «Any Given Sunday», einem der besten Filme über American Football überhaupt.

Der Film gibt einen schonungslosen Einblick in die Sportart, Regisseur Oliver Stone legt den Fokus auf die Schattenseiten. Doping, Verletzungsgefahr, Gebrauch von Schusswaffen – kein Wunder, versagte die NFL dem Film jegliche Unterstützung. Als abgehalfterter Trainer glänzt Al Pacino, der seinen vorerst uneinsichtigen und selbstverliebten Quarterback, verkörpert von Jamie Foxx, auf die richtige Strasse bringt und sich gegen die herrschsüchtige Besitzerin durchzusetzen versucht, die von Cameron Diaz gespielt wird. (hua)

Any Given Sunday (An jedem verdammten Sonntag). 1999. DVD/Download.

Von Typen und Unsympathen

«Drive To Survive»

Der CO2-Ausstoss ist beträchtlich. Gewinnen tun auch immer die Gleichen. Auflagen gibt es immer mehr. Viele Argumente gibt es nicht, aus Formel-1-Skeptikern Fans zu machen. Ausser: «Drive To Survive». Die Netflix-Serie macht aus der langweilig wirkenden Saison 2018 ein Spektakel. Aufregende Rennbilder, Teamstreits, ein Ton, der einen bei Crashes nahezu jedes einzelne Teilchen auseinanderbrechen hören lässt, und Einblicke, die einem die Fahrer näherbringen.

Einzelne Piloten werden (noch) unsympathischer (dieser cheibe Verstappen), und andere wachsen einem ans Herz. Auch wenn der Ausgang längst bekannt ist: Verdammt, man hofft inständig, dass jetzt Daniel Ricciardos «f**** time» kommt, wie es der witzige Australier ankündigt. Teil 2 ist auch bereits verfügbar. (fas)

Drive To Survive. 2019. Dokuserie. Netflix.

Mandela und die Kraft des Erfolgs

«Invictus»

Der Film erzählt die geradezu märchenhafte Geschichte nach, wie Südafrika 1995 Rugby-Weltmeister wurde – und lebt von zwei Darstellern. Der eine ist Morgan Freeman, der den gewählten Präsidenten Nelson Mandela gibt. Der andere ist – nun eben nicht Matt Damon als Captain der Rugby-Nationalmannschaft, sondern das Rugby selbst. Denn selten ist dieser Sport mit einer solchen Präzision eingefangen worden.

Und ja, «Invictus» ist ein Sportfilm, aber ein politischer. Rugby ist von allen weissen Sportarten die weisseste. Und weniges war den schwarzen Südafrikanern nach Ende der Apartheid so verhasst wie ihre Rugby-Nationalmannschaft, die für sie stets die Gewalttätigkeit der Weissen verkörpert hatte. Mandela wusste das, wollte daher den Schwarzen Stolz auf das Team vermitteln. Und genau darum geht es. Dass man schon weiss, wie der Film ausgeht, stört nicht. Schliesslich erzählt er die Geschichte eines Landes, das sich vereint. Ein Gedanke, der zurzeit nicht der schlechteste ist. (nih)

Invictus (Unbezwungen). 2009. DVD/Download.

Mit Wort und Faust

«Ice Guardians»

Die Männer sitzen vor der Kamera, der Blick geht gerne mal runter, zu den Fäusten. «Das war Adrenalin, eine Lebenseinstellung», sagt Scott Parker. «Ich dachte, ich könnte alles tun. Ich trank jeden Abend vor dem Spiel», sagt Brian McGrattan. Die beiden waren Eishockeyspieler, in der Netflix-Doku «Ice Guardians» sind sie Geschichtenerzähler, stellvertretend für die wilde Garde der Enforcers.

Die Gattung existiert kaum mehr, die Regeln sind strenger geworden. Der abschätzige Volksmund nannte sie «Goon», Schläger, diese Spieler, die auf dem Eis weniger mit Stock und Puck, mehr mit Wort und Faust auffallen. Die Doku beleuchtet die Hochphase der Enforcer in der NHL in den 90er- und den Nullerjahren. 2011 starben gleich drei Profis, zwei davon durch Suizid, einer durch eine Überdosis Schmerzmittel. Diese Debatte streift der Film nur, neben den Heldengeschichten bleibt wenig Platz. Unterhaltsam aber ist das allemal. (mrm)

Ice Guardians. 2016. Dokumentation. Netflix.

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