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Schweizer Ruderin nach 75 Tagen auf dem Atlantik am Ziel

Gabi Schenkel schafft die Sportsensation: Als erste Schweizerin überquert die 43-jährige Wädenswilerin den Atlantik im Alleingang.

Von der Marathonläuferin zur Rekordruderin: Gabi Schenkel. Video: Facebook Live

Der 25. Februar geht in die Schweizer Sportgeschichte ein. Nach rund 4800 Kilometern und knapp 75 Tagen (es fehlten noch vier Minuten) auf hoher See erreichte die Ruderin Gabi Schenkel am Dienstagnachmittag die Küste der Karibikinsel Antigua, wie die Organisatoren der Talisker Whisky Atlantic Challenge auf Facebook mitteilten. Die 43-Jährige ist damit die erste Schweizerin, die den Atlantik allein bezwungen hat.

Die Schweizerin wurde euphorisch empfangen. Sie sei völlig überwältigt, sagte sie im anschliessenden Interview an Land. «Das ist der perfekte Abschluss für das Ende meiner Reise. Ich bin sehr glücklich.» Sie habe seit vier Wochen nicht mehr mit jemandem gesprochen, da ihre beiden Handys nicht mehr voll funktionstüchtig gewesen seien, erklärt sich die 43-Jährige, auf ihre kargen Sätze angesprochen. «Lasst mich zuerst wieder in den Rhythmus kommen», sagte sie lachend.

Ihre Highlights? Drei Wale, die ihr für 15 Minuten gefolgt seien und ein Vogel, der während der Fahrt an ihr abgeprallt und auf den Boden des Ruderbootes gelandet sei. «Er flog nach ein paar Minuten wieder weg, kam aber bis vor drei Tagen jeden Tag wieder von neuem zu mir, um Hallo zu sagen.»

Nach dem Rennen ist vor dem nächsten Marathon: Sie habe sich noch kurz vor der Ankunft an eine Kollegin gewandt, um sie für einen Wettlauf in Griechenland anzumelden, verkündete Schenkel mit einem Grinsen in Richtung ihrer Eltern, die ebenfalls nach Antigua gekommen waren.

Schenkel beendet die Transatlantikregatta auf Platz 33 von 35. Trotz der Platzierung ist es eine beachtliche Leistung, die die Wädenswilerin mit ihrem Ruderboot, der Miss Universe, vollbracht hat. Sie war als einzige Frau in der Solo-Kategorie in ein von Männern dominiertes Rennen gestartet. Nur gerade sieben Teilnehmende hatten eine Einzelfahrt gewagt. Die Mehrheit der Wettstreiter hatte sich in Zweier-, Dreier- Vierer- oder gar Fünfergruppen aufgeteilt. Jetzt beendet sie den «härtesten Ruderwettbewerb der Welt» noch vor einem Zweierteam aus Grossbritannien und einem Wettstreiter aus Schottland.

16 Stunden pro Tag gerudert

Die Atlantiküberquerung war für die 43-jährige Gabi Schenkel ein Kraftakt, wie sie in einem Video während ihrer Reise zugibt. Immer wieder teilten sie und ihre Bekannten Videos und Mitteilungen auf ihrem Blog. Darauf zu sehen: eine Kämpferin, die trotz den teils widrigen Bedingungen und der Einsamkeit ihr Ziel nicht aus den Augen verlor, ja, sich der Herausforderung mit aller Entschlossenheit und Kraft stellte.

Ihr Essen bereitete sie mit einem Gaskocher zu, ein Entsalzer machte das Meerwasser trinkbar. 16 Stunden ruderte Schenkel pro Tag. «Ich kann beissen», sagte die Sportlerin, die bereits mehrere Ultramarathons (Marathonstrecken von über 42 Kilometern) gelaufen ist. Dem lässt sich nichts entgegensetzen.

Die Schweizerin hatte zwischenzeitlich mit starkem Wellengang zu kämpfen. Foto: Atlantic Campaigns via Facebook
Die Schweizerin hatte zwischenzeitlich mit starkem Wellengang zu kämpfen. Foto: Atlantic Campaigns via Facebook

Ursprünglich wollte Schenkel in einem Viererteam starten. Das Vorhaben scheiterte – zu unterschiedlich waren die verschiedenen Vorstellungen untereinander. Die Marathonläuferin, vorher noch ohne jegliche Rudererfahrung, entschied sich zur Einzelfahrt. Sie musste trainieren, viel trainieren, hart trainieren. Schenkel spricht von Horror, wenn sie sich an das Jahr 2019 zurückbesinnt. Alles musste sie selbst organisieren, die Ausrüstung, das Boot, die Sponsoren. Sie investierte ihre halben Lebensersparnisse.

Auf hoher See bekam sie die Gewalten des Meeres und deren Konsequenzen zu spüren. Übelkeit, Riesenwellen und technische Probleme begleiteten ihre Reise. Die geplante Ankunft am 18. Februar verzögerte sich um knapp eine Woche, weil eine hartnäckige Strömung sie von der Route abgebracht hatte. Die 43-Jährige wusste sich jedoch stets zu helfen – und bei Laune zu halten. Sie hatte viele schöne Momente. So etwa, als ein grosser Wal neben ihr auftauchte. Delfine begleiteten ihre Fahrt ein Stück. Momente wie diese seien es, für die sie diese Challenge absolviere, sagte sie.

Video: Allein auf hoher See

Weiss sich bei Laune zu halten: Die Schweizer Atlantikruderin Gabi Schenkel. Video: Youtube

Sie absolvierte die Fahrt aber auch aus anderen Gründen. Sie unterstützt zwei Projekte, die sich für die Säuberung der Ozeane einsetzen. Überschüsse aus ihren Sponsorengeldern müssen gespendet werden, so die Regeln des Wettbewerbs. Ihre eigenen Ausgaben deckte die 43-Jährige mit dem Verkauf von Meilen: Sponsoren konnten bei ihr Meilen kaufen und dafür ihren Namen auf das Boot drucken lassen.

Die 35 Gruppen mit insgesamt 103 Ruderinnen und Rudern – die meisten aus dem Vereinigten Königreich stammend – waren am 12. Dezember von der kanarischen Insel La Gomera aus gestartet. Das Siegerteam – eine Vierergruppe aus Grossbritannien – erreichte den 4800 Kilometer entfernt gelegenen English Harbour in Antigua am 14. Januar.

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