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Mrs. und Mr. Weltklasse

Shaunae Miller und Maicel Uibo sind das prominenteste Ehepaar der Leichtathletik. Beide holten gestern WM-Silber.

Shaunae Miller ist gemessen an Titeln und Siegen klar die Nummer 1 in der Familie. Für Ehemann Maicel Uibo ist das aber kein Problem. (Bild: Instagram)
Shaunae Miller ist gemessen an Titeln und Siegen klar die Nummer 1 in der Familie. Für Ehemann Maicel Uibo ist das aber kein Problem. (Bild: Instagram)

Viele Paare lernen sich bei der Arbeit kennen. Das war bei Shaunae Miller und Maicel Uibo nicht anders. Und doch sind die beiden besondere Eheleute: Miller, 25 und von den Bahamas, ist Olympiasiegerin über 400 m. Uibo, 26 und aus Estland, war Hallen-WM-Dritter im Sieben- und ist nun WM-Zweiter im Zehnkampf.

Vor zwei Jahren heirateten sie und bilden seither in der Leichtathletik geballte familiäre Weltklasse. Wobei Miller gemessen an Titeln und Siegen klar die Nummer 1 ist, was gemäss Uibo kein Problem darstellt für ihn. Er bezeichnet sich als grössten Fan seiner unübersehbaren Frau, die wegen ihrer Grösse von 1,85 m und der stets farblich wechselnden Perücken für die Rennen auffällt. Neid, sagt Uibo, verspüre er keinen. Er richte im Gegenteil seinen Tag danach aus, wo seine Frau auf der Welt starte um mittels Fernsehen oder Internet den Auftritt seiner schnellen Partnerin verfolgen zu können.

Miller-Uibo wiederum unterbricht für ihren Maicel wie zuletzt im Mai auch einmal mitten in der Nacht ihren Schlaf vor einem wichtigen Meeting, damit sie live verfolgen kann, was er über die zehn Disziplinen in Europa leistet.

Im College kennen gelernt

Denn seit sich die beiden an einem US-College kennen und lieben lernten, sind sie in den USA daheim, mittlerweile in Clermont, Florida. Und obschon Uibo mit einer Bestleistung von 8514 Punkten zu den Stärksten seines Fachs zählt: Im Training mit seiner Frau unterliegt er ­immer wieder. Ausgerechnet in den Sprints ist Uibo schwach. Während ihre Bestzeit über 400 m seit gestern 48,37 Sekunden beträgt, bringt er es gerade einmal auf 50,18. Er zählt in dieser Disziplin zu den langsamsten Spitzenzehnkämpfern.

Gehört zu den Stärksten seines Fachs: Maicel Uibo (Mitte). Foto: Andy Lyons (Getty)
Gehört zu den Stärksten seines Fachs: Maicel Uibo (Mitte). Foto: Andy Lyons (Getty)

Dass sie ihn deswegen immer wieder aufzieht, versteht sich von selbst, zumal beide über sich sagen, sehr kompetitiv zu sein. Darum wird selbst das Kartenspiel oder das Steineweitwerfen regelmässig zum Wettkampf. Als starker Werfer ist Uibo immerhin in dieser spielerischen Disziplin die Nummer 1 der Familie.

Täglich aber trainieren die beiden nicht zusammen. Sie haben sich einer internationalen Gruppe angeschlossen, zu der etwa Omar McLeod (Olympiasieger über 110 m Hürden) oder Torie Bowie (Olympiazweite über 100 m) gehören.

Die klare Familienhierarchie

Primär die Krafteinheiten absolvieren sie gemeinsam. Und der Einfluss von Uibo ist immerhin so gross, dass seine Frau mit einem Siebenkampf liebäugelt. Sie war darum auch schon Bahamas-Meisterin im Hochsprung (1,70 m) und Kugelstossen (11,48 m), was angesichts der wenigen Bewohner der Inseln noch nicht zwingend einen Leistungsausweis darstellt.

Das gemeinsame Leben als Topathleten forderte vor allem von Uibo lange viel Toleranz. Bei Olympia 2016 etwa stürmte seine Frau zum Titel, er hingegen handelte sich im ­Kugelstossen einen Nuller ein. Während sie seither einen Erfolg an den anderen reiht, war er an seinen Wettkämpfen oft nur einer der Besten jenseits der Podestplätze.

Dass die Uibos wie an dieser WM aber gar am gleichen Tag im Einsatz sind, ist selbst für sie speziell – und dass sie beide innert einer Stunde Silber holen, fast schon verrückt. Worin sie sich unterschieden: Für sie war Platz 2 eine leise Enttäuschung, für ihn sein grösster Erfolg.

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