Zum Hauptinhalt springen

Im Sattel ist sie der Boss

Sie hat Fähigkeiten und Köpfchen: Jessica ist mehr als nur die Tochter von Rock-Ikone Bruce Springsteen. Bei Olympia will sie zum US-Springreit-Team gehören.

In guter Form, aber vom Coronavirus gestoppt: Jessica Springsteen. (Foto: Getty Images)
In guter Form, aber vom Coronavirus gestoppt: Jessica Springsteen. (Foto: Getty Images)

Es dürfte für längere Zeit der letzte Grand Prix gewesen sein, und Jessica Springsteen setzte noch einmal ein Ausrufezeichen: Im Sattel von Zecilie belegte sie am Sonntag beim Fünfsterne-CSI von Wellington den 3. Platz.

Noch zwei Wochen hätten die Wettkämpfe in Wellington andauern sollen. Doch nun hat auch in Florida das Coronavirus sein Veto eingelegt und das «Winter Equestrian Festival», zu dem sich jedes Jahr ein grosser Teil der Weltelite einfindet, wurde vorzeitig beendet. Springsteen kams nicht gelegen: In der aktuellen Form schienen weitere Punkte für die Weltrangliste und damit ihren Traum von den Olympischen Spielen möglich. Aktuell ist sie die Nummer 41 im FEI-Ranking und damit die Nummer 5 in den USA. «Es wird schwierig, einen Startplatz für Tokio zu holen, aber ich werde bis zuletzt alles geben», sagt sie.

Die «Julia Roberts des Pferdesports»

Jessica Springsteen, Tochter von Rock-Ikone Bruce, «The Boss», und Patty Scialfa, Gitarristin und Mitglied der E-Street-Band, wusste schon früh, dass sie keine normale Kindheit haben würde. Mit vier Jahren dislozierte sie mit der Familie von Kalifornien ins beschauliche New Jersey, weil die Eltern wollten, dass die drei Kinder fernab der Paparazzi aufwachsen konnten.

Die Mama nahm Reitstunden, und weil das der Tochter auch gefiel, sattelte sie schon als Fünfjährige fast jeden Tag einen Vierbeiner. Der Anfang sei schwer gewesen, erinnerte sie sich unlängst in einem TV-Interview: «Zuerst waren da die Ponys, und die hatten ihren eigenen Kopf. Sie stoppten manchmal abrupt, weil sie Gras fressen wollten, und ich bin dann runtergefallen.« Sie sagts mit ihrem charakteristischen Lachen, das ihr auch schon Komplimente als «Julia Roberts des Pferdesports» eingetragen hat.

Nur knapp hinter dem Lebenspartner

Mit 12 erhielt sie ihr erstes eigenes Pferd, Deneuve, und von da an war klar: Das sollte ihre Welt sein – nicht die grössten Konzertbühnen der Welt. Sie trainierte zuerst unter Laura Kraut und Nick Skelton, bevor sie in die Niederlande zu Edwina Tops-Alexander und deren Ehemann Jan Tops dislozierte. Heute hat sie ihre Basis in Belgien, von wo aus sie in die ganze Welt jettet. Oft am selben Ort ist ihr süditalienischer Lebensgefährte Lorenzo Di Luca, mit dem sie sich einen freundschaftlichen innerfamiliären Wettstreit liefert. Der Italiener belegt im FEI-Ranking Platz 32.

Springsteen hat sich über die Jahre ihren eigenen Namen gemacht: 2012 war sie noch während College-Zeiten US-Ersatzreiterin bei den Olympischen Spielen, im letzten Jahr triumphierte sie in Saint-Tropez erstmals in der Global Champions Tour. Es war der mit Abstand grösste Erfolg ihrer Karriere. Und auch in diesem Jahr ist der Saisonstart gelungen: Mit den USA gewann sie in Wellington einen Nationenpreis. Angewiesen wäre sie auf den Pferdesport aber nicht: 2015 schloss sie ihr Psychologie-Studium an der renommierten Duke-University ab.

Unterstützung der Eltern

Die Eltern verfolgen ihre Wettkämpfe immer, meistens online, gelegentlich auch live vor Ort, und sind ihre grössten Fans. Obwohl sie geographisch oft weit entfernt sind, seien sie dennoch immer noch zentral, sagt Springsteen: «Sie stehen mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin». Sie hätten sie immer vorbildlich unterstützt, fährt sie fort: «Sie haben mich immer motiviert, wenn ich es brauchte, und das hat mir sehr geholfen: Sie haben mir gezeigt, dass man nur selten im Leben eine wahre Leidenschaft entwickelt. Und dass man, wenn man das geschafft hat, alles tun muss, um diese Träume zu realisieren.»

Ob sie den Sprung nach Tokio schafft oder nicht, falls die Spiele im Sommer überhaupt stattfinden: Springsteen hat alle Chancen, sich den Olympiatraum dereinst zu erfüllen. Sie zählt in der Weltspitze der Reiter zu den Jungspunden, nur knapp ein halbes Dutzend Reiter mit besserem Ranking sind jünger als sie. Sie mag sich nicht unter Druck setzen: «Es geht ums Timing, und man muss zur richtigen Zeit das richtige Pferd haben. Ich bin zuversichtlich und werde weiterarbeiten, bis ich es geschafft habe.»

Wer die Langlebigkeit in der DNA der Familie kennt, weiss, dass dies kaum leere Worte sind: Vater Bruce rockt weltweit seit knapp einem halben Jahrhundert. An jedem Konzertabend steht er mindestens drei Stunden auf der Bühne. Auch noch mit über 70.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch