Vorbereitung mit Hindernissen

Die Horgner Wasserballerin Carina Carballo hat ihren Trainingsaufwand verdoppelt. Denn sie will sich mit dem Nationalteam für die EM qualifizieren.

Gelingt ihr mit dem Schweizer Nationalteam die Qualifikation für die EM-Endrunde? Die Horgnerin Carina Carballo (rechts) gibt jedenfalls alles dafür.

Gelingt ihr mit dem Schweizer Nationalteam die Qualifikation für die EM-Endrunde? Die Horgnerin Carina Carballo (rechts) gibt jedenfalls alles dafür. Bild: Stefan Kleiser

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«Es ist das tollste Team, in dem ich je gespielt habe. Und wenn die Stimmung passt, hat man das Gefühl, dass man alles erreichen kann», sagt Carina Carballo. Die Wasserballerin aus Horgen hat mit dem Schweizer Nationalteam keine grossen Titel gewonnen. Doch sie betont: «Wir haben erreicht, was wir erreichen wollten. Wir haben alles gemacht, was möglich ist. Die Leute unterstützen uns. Und die jungen Mädchen, die Wasserball spielen, haben nun ein Vorbild. Egal wie das Ergebnis sein wird: Wir haben bereits gewonnen.»

Am EU-Nations-Turnier erreichten die Schweizerinnen zuletzt Platz drei, genauso in der zweiten EM-Qualifikationsrunde. Am 12. und 26. Oktober spielen sie nun in der Barrage um ein Ticket für die EM-Endrunde von Januar in Budapest. Es wäre das erste Mal, dass sich die Schweizer Damen über die Qualifikation die Teilnahme für das Finalturnier der besten zwölf Teams von Europa sichern. Die Chance ist günstig. Das letzte Match gegen Barrage-Gegner Israel ging zwar vor zwei Jahren 3:11 verloren. «Aber damals hatten wir keine Vorbereitung», erklärt Carballo.

Selber Lösungen suchen

Am Ort jener letzten Begegnung begann das Umdenken. Es war ein EM-Qualifikationsturnier, an dem die Schweizerinnen besser abschnitten als erwartet. «Wir dachten: Wenn wir ohne Vorbereitung so gut spielen können, dann haben wir viel Potential», erinnert sich Carballo. Die anschliessenden Barragespiele gegen Frankreich gingen hoch verloren. «Aber sie waren eine sehr gute Erfahrung.» Das erste Viertel des zweiten Spiels ging sogar an die Schweizerinnen. Beim Besuch von Partien der Endrunde reifte dann bei den Nationalspielerinnen die Einsicht: Der Abstand ist nicht gross, «wir könnten es probieren».

In der Schweiz in Wasserball investieren heisse Lösungen suchen und Zeit opfern, erläutert Carina Carballo. Die Flügelspielerin staunt: «Es ist unglaublich, was man machen kann, wenn man die richtige Motivation und Ziele hat». So trainieren die Nationalspielerinnen jetzt täglich. Auch die 27-Jährige hat den Trainingsumfang verdoppelt – trotz ihres Vollzeit-Jobs bei EF Education First, wo sie als Flights Coordinator Personen aus den USA einen Sprachaufenthalt in Costa Rica organisiert.

Die Trainigseinheiten muss sie sich zusammensuchen. «Wasserball kann man nicht alleine trainieren», weiss Carballo. Eigentlich. Vize-Meister Horgen startet die Saisonvorbereitung aber erst Ende Oktober. Also schloss sie sich temporär der Stadtmannschaft Zürich an. Im Sommer trafen sich die Nationalspielerinnen, darunter auch Clubkollegin Vesselina Velikova, zusätzlich samstags im Zürcher Freibad Letzigraben, um an Verbesserungen zu arbeiten. Und sonst gilt: Doch viel alleine machen.

Nun so fit wie die anderen

Dabei hilft eine App, mit der alle Spielerinnen ihre Trainings dokumentieren – und es eine Rangliste über den betriebenen Aufwand gibt. Diese führe meistens Jakie Kohli an, verrät Carballo – denn sie sei Profi in Italien. Die Einträge seien eine zusätzliche Motivation, vor allem für das Schwimmen. «Ich hasse es, alleine zu Schwimmen», sagt Carballo. Und resümiert, dass die Belastung aktuell so gross sei, dass sie oft verletzt sei. «Ich gehe mindestens zwei Mal pro Monat zum Arzt», lacht sie.

Doch der Aufwand lohnt sich. «Wir sind jetzt alle fit, und zwar so fit wie alle Spielerinnen von Israel oder Deutschland. Die Differenz ist nur noch, wie viel Erfahrung wir als Team haben.» Es ist wenig. «Offizielle Spiele hatten wir dieses Jahr nicht mehr als zehn – das ist nichts.» Doch Länderspiele organisieren sei halt aufwändig und teuer. «Aber wir haben gesagt: Geld darf keine Ausrede sein.» Also verkauften die Spielerinnen selbst gebackenen Kuchen in der Badi, sammelten über «I believe in you» Geld für Trainingslager in Ungarn und Italien, und letztes Wochenende fand dank Swiss Waterpolo Friends ein Kaderlehrgang in Tenero mit dem Nationalteam Thailands statt.

Erstellt: 09.10.2019, 23:46 Uhr

Zurück zu den Wurzeln

Carina Carballo ist in Mexico City aufgewachsen und hat in den USA studiert. Wasserball spielt sie für die Schweiz, denn ihre Grossmutter ist einst aus dem Aargau nach Mexiko ausgewandert. Im März 2017 ist die 27-Jährige nach Zürich umgezogen, wo schon ihr Bruder Pablo war – und hat sich dem Schwimmclub Horgen angeschlossen. Seit eineinhalb Jahren wohnt Carina Carballo nun auch im Bezirkshauptort. «Von meinem Zimmer aus habe ich Seeblick», verrät sie. Zwar vermisse sie die Stadt, sagt Carballo, «aber dafür ist Horgen ruhig». Und klein sei sowieso alles – im Vergleich zu Mexico City. (skl)

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