US-Komitee droht protestierenden Athleten mit Konsequenzen

Auch drei Jahre nach Beginn der Protestwelle schliessen sich US-Sportler Colin Kaepernick an. Das olympische Komitee schaut besorgt Richtung Tokio 2020.

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Manchmal muss man nichts sagen, um sich Gehör zu verschaffen. Dachte auch Colin Kaepernick, als er im September 2016 eine Protestwelle lostrat – indem er niederkniete, als das Hymne seines Landes lief. Der Footballer protestierte gegen die Polizeigewalt im Land, wollte auf den Umgang mit der schwarzen Bevölkerung aufmerksam machen. Er fand Mitstreiter, im gleichen Team, im gleichen Sport, aber auch bei anderen Athleten. Mit Fussballerin Megan Rapinoe kniete noch im gleichen Jahr die erste weisse Sportlerin, sie habe ein Zeichen setzen wollen, erklärte sie später.

Es ist eine Welle, die bis jetzt nicht barst. Mit Rapiones kompromisslosem Auftreten bei der Fussball-WM der Frauen in Frankreich wurde sie noch grösser, und immer noch ziehen Sportler nach. Im Juli fanden in der peruanischen Hauptstadt Lima die panamerikanischen Spiele statt. Eine vergleichsweise kleine Bühne, genutzt werden will sie trotzdem. Fechter Race Imboden – über eine allfällige Schweizer Abstammung ist nichts bekannt – kniete bei der Medaillenzeremonie, Hammerwerferin Gwen Berry hob die Faust, wie es Tommy Smith und John Carlos bei Olympia 1968 in Mexiko City taten.

Legendärer Protest: Tommy Smith und John Carlos heben in Mexiko die Faust. (Bild: Getty Images)

Im Hinblick auf die Spiele im nächsten Sommer in Tokio scheinen solche Aktionen das nationale olympische Komitee zu stören. Imboden und Berry sind mittlerweile auf Bewährung, in Briefen wurde ihnen mitgeteilt, dass man die Athleten zwar respektiere, aber mit dem Moment nicht einverstanden war, in dem die beiden ihre Ansichten äusserten. Wie die BBC schreibt, müssen US-amerikanische Athleten neu dafür unterschreiben, keine politischen oder religiösen Zeichen zu setzen. Sportlern, die knien, die Faust heben, oder mit ähnlichen Gesten auffallen, drohen Konsequenzen.

Hammerwerferin Berry, sie gewann Gold, sagte nach ihrem Protest: «Jemand muss für all diese Ungerechtigkeiten einstehen, die in Amerika passieren. Es ist zu wichtig, um nichts zu sagen.» Imboden schrieb auf Twitter: «Ich wollte meinen Moment auf dem Podium opfern, um auf Probleme aufmerksam zu machen.»

(mro)

Erstellt: 23.08.2019, 09:20 Uhr

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