Snowboard

Verspäteter Saisonstart

Als Silbermedaillengewinnerin an den Youth Olympic Games 2016 in Lillehammer verfolgt Sophie Hediger grosse Ziele. Ein Sturz im Herbst bremste die Boardercrosserin jedoch aus. Am Samstag gibt die 18-Jährige, die in Horgen aufwuchs und seit kurzem in Wädenswil wohnt, ihr Comeback.

Mit zwei Monaten Verspätung steigt Sophie Hediger in Grasgehren in die Wettkampf-Saison ein.

Mit zwei Monaten Verspätung steigt Sophie Hediger in Grasgehren in die Wettkampf-Saison ein. Bild: zvg

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Eigentlich hätte Sophie Hediger in diesem Winter in die Top 3 der Europacup-Gesamtwertung vorstossen wollen. Ein Sturz im Training in Zermatt am 28. September machte der C-Kader-Athletin jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung. Auf vier von voraussichtlich zwölf Rennen musste sie verletzungsbedingt verzichten.

«Beim Einspringen in der zweiten Trainingswoche habe ich bei der Anfahrt zu fest gebremst, habe verkantet und bin gestürzt», erinnert sich Hediger. Beim Aufprall habe sie sich wohl den Ellbogen in den Bauch gerammt.«Ich dachte zuerst, es habe mir nur den Schnauf verschlagen, zudem tat das Schlüsselbein weh», rapportiert die 18-Jährige, die die schwere der Verletzung unterschätzte und noch mit der Gondel ins Tal fahren wollte.

Die Trainercrew bot jedoch einen Rega-Helikopter auf, mit dem Hediger ins Spital Visp geflogen wurde. Dort zeigte ein Ultraschall-Untersuch Blut zwischen den Organen. «Beim anschliessenden Röntgen wurde mir schwindlig», sagt die Verunfallte. Nach einer Computertomografie lautete die Diagnose: Milzriss 4. Grades. Fünf Tage verbrachte Hediger zur Überwachung auf der Intensivstation. Um einen operativen Eingriff kam sie herum. «Zum Glück. Das hätte eine noch längere Pause nach sich gezogen.»

Nur liegen

Mühe bereitete ihr, dass sie die Heilung nicht mit einer Therapie beschleunigen konnte: «Ich durfte nur rumliegen.» Nach sieben Wochen durfte sie erstmals zurück auf den Schnee, auf Sprünge und Startübungen musste sie jedoch verzichten. Am 14. Dezember bestätigte ein Abschluss-MRI die vollständige Genesung. Im neuen Jahr konnte sich die in Horgen aufgewachsene und seit kurzem in Wädenswil wohnhafte Snowboarderin wieder voll ihrer Leidenschaft widmen.

«In Zeitläufen muss ich mich nicht verstecken.»Sophie Hediger

Zum Boardercross gefunden hat Sophie Hediger 2006. Mit ihrer Mutter und der älteren Schwester verfolgte sie am TV mit, wie Tanja Frieden an den Olympischen Spielen Turin die Goldmedaille gewann. «Da war mir klar, das will ich auch», verrät die 18-Jährige.

WM-Medaille im Visier

Die Faszination der Sparte Snowboardcross beschreibt sie so: «An jedem Tag ist alles möglich. In den Duellen mit drei anderen Fahrerinnen darfst du – vollgepumpt mit Adrenalin – nie aufgeben. Konkurrentinnen können auch kurz vor dem Ziel noch stürzen.» So geschehen an Olympia 2006, als die Führende Lindsey Jacobellis übermütig wurde und Frieden vom Sturz der US-Amerikanerin profitierte.

Von einer Olympia-Teilnahme ist Sophie Hediger noch ein ganzes Stück entfernt. Pyeongchang 2018 hat sie trotz ihrer Verletzungspause noch nicht ganz abgeschrieben. Am Wochenende will sie in Grasgehren bei zwei Junioren-Rennen ihr Comeback geben. «Ich muss mich wieder herantasten, den Rennrhythmus finden.» Eine Woche später stehen im Skigebiet in den Allgäuer Hochalpen zwei Europacup-Rennen auf dem Programm. Zwei weitere sind Anfang Februar in Frankreich geplant. Ihr Ziel: «Möglichst oft in den Final, also in die Top 4.» Dann fiebert Hediger dem 18. Februar entgegen, wenn im tschechischen Klinovec die Junioren-WM ausgetragen wird. Dort will das Seemädchen eine Medaille gewinnen.

Besuch von Bundesrat

Edelmetall besitzt Hediger bereits. An den Youth Olympic Games in Lillehammer gewann sie im vergangenen Februar zweimal Silber – allein und mit dem Team. Noch fast mehr beeindruckt hat die Nachwuchssportlerin der Besuch von Bundesrat Guy Parmelin. Der Leiter des Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) gratulierte jedem Medaillengewinner in Norwegen persönlich.

Neben sportlichen Höchstleistungen ist Hediger auch die berufliche Ausbildung wichtig. Nach zwei Jahren an der Sekundarschule in Horgen wechselte sie ans Skigymnasium Stams. «Das funktionierte aber nicht recht», musste sie feststellen. Von der Schule in Österreich war die Distanz zu Swiss-Ski zu gross. Nach zwei Jahren brach die Horgnerin ihre Zelte in Tirol ab. Seit 2015 besucht sie die United School of Sports in Zürich. An drei Vormittagen stehen Athletiktrainings im Letzigrund auf dem Programm. Zusätzlich feilt die KV-Lernende an vier Abenden privat an ihrer Fitness.

Seit dieser Saison gehört die Snowboarderin der Europacup-Trainingsgruppe an. Unterstützt wird sie von verschiedenen Sponsoren. Zudem ist sie im Besitz der Bronzekarte der Sporthilfe. «Damit kann ich etwa die Hälfte der Unkosten decken, den Rest übernehmen meine Eltern», erklärt Sophie Hediger, die im Sommer bei Dow Chemical in Horgen ihr zweijähriges Praktikum in Angriff nehmen wird. Neid auf ihre Klassenkollegen, die als Fussballer oder Hockeyaner gute Verdienstmöglichkeiten in Aussicht haben, kommt bei ihr nicht auf: «Es ist spannend, mich mit ihnen auszutauschen.»

Ein erster Auftritt auf der grossen Bühne steht für Hediger Ende März auf dem Programm. Am Heim-Weltcup in Veysonnaz will sie sich bei ihrem Debüt für die K.o.-Läufe qualifizieren. «In den Zeitläufen muss ich mich nicht verstecken», gibt sie sich optimistisch.

Erstellt: 18.01.2017, 14:40 Uhr

Sophie Hediger, Boardercrosserin (Bild: zvg)

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