Meeeessi, wer sonst!

Der unvergleichliche Argentinier entscheidet den Halbfinal von Barcelona gegen Liverpool fast im Alleingang – am 3:0 ist er mit zwei Toren beteiligt. Es sind seine Treffer 599 und 600 für die Katalanen.

Messi schlenzt den Freistoss wunderschön in den Winkel. (Video: SRF)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Messi!», singt die Menge, «Messi, Messi!» Das E zieht sie ganz, ganz lang, Meeeessi. Das Phänomen vom Camp Nou hat wieder einmal seinen grossen Auftritt, als die 75. Minute angebrochen ist. Lange ist er in der Versenkung verschwunden gewesen, weil sich Barcelona nach der Pause schwer getan hat gegen dieses Liverpool.

Messi ist keiner für die profane Defensivarbeit, er verteidigt auf seine Art. Dafür muss er nur schon auf dem Platz stehen, um dem Gegner zumindest Denkarbeit zu verschaffen. 1:0 steht es, als er wieder einmal losziehen kann. Luis Suarez trifft die Latte, der Abpraller landet bei Messi. Er hat keine Mühe, den Ball ins offene Tor zu schieben.

So profan dieser Treffer ist, so grandios ist das, was sieben Minuten später folgt. Messi legt sich den Ball zum Freistoss hin und verwandelt ihn, nicht irgendwie, nein, er zirkelt den Ball in die hohe Ecke. Alisson, Liverpools Goalie fliegt und fliegt, er ist chancenlos. 3:0 steht es am Ende. Barcelona eilt dem Final der Champions League entgegen.

Messi erhöht wie aus dem Nichts auf 2:0. (Video: SRF)

Klopps Fehlgriff

Es ist der Abend, an dem Liverpools Trainers Jürgen Klopp mit seiner Aufstellung überrascht. Firmino, den leicht lädierten Schwerarbeiter aus dem Sturmzentrum, ersetzt er durch Wijnaldum. Der Holländer ist ein dynamischer Mittelfeldspieler. Aber jetzt, als Mittelstürmer, ist er derart überfordert, dass er Klopps vermeintlichen Kniff zur krassen Fehlbesetzung macht.

Das ist lange Zeit das Problem der Liverpooler: Sie spielen mit einem Mann weniger, Salah und Mané müssen alles allein richten, wenn es um ihre offensiven Bemühungen geht. Aus dem Mittelfeld erhalten sie spielerisch wenig Unterstützung, zu wenig.

Liverpool scheitert am Pfosten und sich selbst. (Video: SRF)

Barcelona dagegen hat ihn, den Freigeist, Lionel Messi. Im Juni wird er 32, aber dass er nichts von seinem spektakulären Spiel verloren hat, das zeigt er diese Saison. In 44 Spielen hat er bereits 46 Tore erzielt, 598 sind es total in seiner Karriere für Barcelona in 682 Einsätzen, bevor dieser Halbfinal beginnt. 770 Millionen Franken ist als Ablösesumme in seinem Vertrag festgeschrieben, die Summe ist so fantasievoll wie unerheblich, weil er ohnehin nie weggehen wird aus dem Camp Nou.

Am Wochenende gewann er mit seinem Verein schon wieder die Meisterschaft, zum zehnten Mal seit 2005, das grosse Ziel aber heisst: den mächtigen Pott zu erobern. Das rief er vor Saisonbeginn aus, und da war Klopp schon klar: «Das ist eine Warnung für mich.»

Suarez beendet seine Torflaute und trifft zum 1:0. (Video: SRF)

Messi ist auch gegen Liverpool Messi, unbeeindruckt selbst dann, wenn sich vier Gegner vor ihm aufbauen. Seine Tempoläufe sind eindrucksvoll, auch wenn er beim 1:0 ausnahmsweise mal nicht beteiligt ist. Es ist Philippe Coutinho, der den weiten Ball von Vidal elegant zu Jordi Alba ablegt, der hat alle Zeit, die Flanke so in den Strafraum zu ziehen, dass Suarez mit dem langen Bein vollenden kann. Matip und Van Dijk sind so chancenlos wie Alisson.

Der Match ist intensiv, sehr körperlich geführt von beiden. Davon lebt er, nicht von den grossen Momenten in den Strafräumen. Von denen gibt es abgesehen von Suarez erstem Treffer in der Champions League seit über einem Jahr nur wenige. Coutinho hat noch einen Abschluss für Barcelona, Mané vergibt einmal für den Gast.

Milners Chance

Als die zweite Halbzeit beginnt, ist das Erstaunliche, dass Klopp weiter an Wijnaldum festhält. Er wartet zu, doch noch auf Firmino zu setzen, und auf Xherdan Shaqiri baut er erst recht nicht. Shaqiri ist in der Champions League seit November nur noch Ersatz gewesen, und in der Meisterschaft hat er in den letzten drei Monaten während 36 Minuten auf dem Platz gestanden.

Milner hat den Ausgleich auf dem Fuss. (Video: SRF)

Die Liverpooler gehen die Fortsetzung des Spiels mutig an, sie setzen entschlossen auf die Offensive und dominieren mit ihrem physischen Auftreten die Gangart. Milner schiesst, ter Stegen hält. Salah schiesst, wieder ist ter Stegen, der überragende Deutsche im Tor der Katalanen, zur Stelle. Und nochmals kommt Milner zum Abschluss, der alte Haudegen. Die 59. Minute läuft, als Salah den Ball für ihn perfekt auflegt. Milner kann aus 15 Metern frei schiessen, er zielt direkt auf ter Stegen. Es ist eine grosse Möglichkeit, die er fast schon fahrlässig vergibt. Und dann eben kommt Messi, weil Messi nicht zu kontrollieren ist.

Liverpool ist schlecht bedient für seinen Aufwand. Und in der 84. Minute setzt Salah den Ball an den Pfosten. Ein Tor hätte die Hoffnung für die «Reds» auf die Wende am kommenden Dienstag noch leben lassen. Aber so? Gegen dieses Messilona? Da haben sie keine Chance mehr.

Telegramm:

Barcelona - Liverpool 3:0 (1:0)

90'000 Zuschauer. - SR Kuipers (NED).

Tore: 26. Suarez (Jordi Alba) 1:0. 75. Messi (Suarez) 2:0. 82. Messi 3:0.

Barcelona: ter Stegen; Sergi Roberto (94. Alena), Piqué, Lenglet, Jordi Alba; Rakitic, Busquets, Vidal; Messi, Suarez (93. Dembélé), Coutinho (60. Semedo).

Liverpool: Alisson; Gomez, Matip, Van Dijk, Robertson; Milner (84. Origi), Fabinho, Keita (24. Henderson); Salah, Wijnaldum (78. Firmino), Mané. Bemerkungen: Barcelona ohne Rafinha (verletzt). Liverpool ohne Shaqiri (Ersatz) und Lallana (verletzt). Verwarnungen: 39. Lenglet (Foul), 81. Fabinho (Foul), 82. Suarez (Reklamieren), 86. Jordi Alba (Spielverzögerung). (dho/sda)

Erstellt: 01.05.2019, 23:45 Uhr

Artikel zum Thema

Casillas meldet sich nach OP: «alles unter Kontrolle»

Porto-Goalie Iker Casillas musste nach einem Herzinfarkt notoperiert werden. Dem Spanier geht es den Umständen entsprechend gut. Mehr...

Ajax wirbelt erst - und behält dann die Ruhe

Video Die Holländer bringen sich im Halbfinal mit einem 1:0 bei Tottenham in eine komfortable Ausgangslage für das Rückspiel. Van de Beek gelingt das Tor des Abends schon nach 15 Minuten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare