Schaffhauserin kämpft um Wimbledon-Krone

Der Schaffhauserin Leonie Küng fehlt noch ein Sieg, um nach Martina Hingis und Belinda Bencic dritte Schweizer Juniorensiegerin in Wimbledon zu werden.

Höhenflug: Leonie Küng fühlt sich am bedeutendsten Rasenturnier wohl. (12. Juli 2018)

Höhenflug: Leonie Küng fühlt sich am bedeutendsten Rasenturnier wohl. (12. Juli 2018) Bild: rst

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Leonie Küng vergrub ihr Gesicht in ein Handtuch und schüttelte sich vor Lachen. Sie sei sehr abergläubisch, gab die 17-jährige Schaffhauserin in den Katakomben des All England Club zu, nachdem sie auf Court 8 auch den Halbfinal im Turnier der Juniorinnen gewonnen hatte. Und wie sich dieser Aberglaube manifestiert, scheint ihr selber peinlich: Im Bestreben, möglichst wenig zu verändern, esse sie in London nur Lachs mit Reis oder Kartoffeln und Gemüse – zweimal täglich, und das schon seit zweieinhalb Wochen. Dabei sitze sie in der Universität in Roehampton, wo sie untergebracht ist, auch immer auf der Sitzbank, nie auf Stühlen. Und sie spiele sich auch immer gleich ein.

Die Fische und der Aberglaube scheinen der von ihrem Vater betreuten Qualifikantin gut zu tun. Gegen die 1,81 m grosse chinesische Linskhänderin Xiyu Wang, die Nummer 12 der Juniorinnen, siegte Küng nach über zwei Stunden 6:4, 6:7, 6:3, nachdem sie schon im 2. Satz zwei Matchbälle vergeben hatte, aber bei 5:4 voll in die Sonne aufschlagen musste. Ihr Nachname wird in der WTA-Tour übrigens ohne Umlaut geführt, nachdem es in den USA, wo sie eine Weile lebte, mit der Schriftweise Kueng Probleme gab, wie sie erklärte. «Kung tönt zwar mehr chinesisch als schweizerisch, aber das stört mich nicht gross.» In der Schweiz und im Pass heisse sie aber weiterhin Küng mit ü.

Polin als Finalgegnerin

Im Final trifft sie am Samstag auf die 17-jährige Polin Iga Swiatek, die mit Xinyu Wang im zweiten Halbfinal eine andere Chinesin ausschaltete (7:5, 7:6), die zwar fast gleich hiess wie Küngs Gegnerin, mit dieser aber nicht verwandt ist. Gegen die Polin, die in der Weltrangliste als Nummer 347 genau 70 Ränge besser als Küng klassiert ist, hat sie erst einmal gespielt und dabei in drei Sätzen verloren – doch das sei schon lange her. Die 17-jährige Bauerstochter von einem Pferdehof in Beringen konzentriert sich schon seit einiger Zeit auf Weltranglistenturniere und ist im Ranking der Juniorinnen nicht unter den Top 500 zu finden.

Wildcard für Gstaad

Der Start in Wimbledon erweist sich aber als intelligenter Zug. Dank ihrem Vorstoss in den Final erhält sie vom Swiss Open in Gstaad von kommender Woche nun eine Wildcard für das Hauptturnier. Zudem seien in Wimbledon auch sehr viele internationale Agenturen, Zuschauer und Medien auf sie aufmerksam geworden, sagt sie.

Sie hat am Samstag auf Court 1 – dem grössten Stadion, in dem sie je antreten durfte – die Chance, dritte Schweizer Juniorensiegerin in Wimbledon zu werden nach Martina Hingis (1994) und Belinda Bencic (2013). Das würde ziemlich gut zu ihren Ambitionen passen, sagt sie doch: «Ich wollte schon als Kind die Nummer 1 der Welt werden, und das ist auch heute noch so.»

(zsz.ch)

Erstellt: 13.07.2018, 16:35 Uhr

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