Federers Erfolgsrezept ist ausspannen

Er habe genug Tennis gespielt, fand der Schweizer nach seinem Sieg über Dominic Thiem. Entscheidend sei, dass er happy und positiv gestimmt sei.

Wieder den nötigen Fokus gefunden: Roger Federer beim Sieg über Dominic Thiem.

Wieder den nötigen Fokus gefunden: Roger Federer beim Sieg über Dominic Thiem. Bild: Keystone

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Roger Federer hat gegen das Saisonende hin ein neues Erfolgsrezept gefunden. Es heisst: frei nehmen. Nach seinem Sieg im zweiten Gruppenspiel über Dominic Thiem (6:2, 6:3) bestätigte er, dass er am Montag sein Training abgesagt hatte. «Und das werde ich nun wieder tun. Denn es hat funktioniert.»

Nach seinem missglückten Turnierauftakt gegen Kei Nishikori habe er viel Zeit gehabt, auf der Fahrt zurück mit seinen Coaches zu diskutieren. «Wir kamen zum Schluss, ich sollte den Tag locker nehmen, mit der Familie geniessen und dann im nächsten Spiel einfach happy auf den Court gehen. Ich habe genug Tennis gespielt in den letzten zwei Monaten.»

Einfach nicht negativ werden!

Die Schläge seien da, führte er aus. «Es ging nicht um meine Vorhand, Rückhand oder meinen Aufschlag. Sondern um meinen Kopf.» Er sei im Startspiel gegen Nishikori viel zu schnell zu negativ geworden – was untypisch ist für ihn. Gegen Thiem machte er es nun besser. «Als ich auf der Grossleinwand die Highlights sah von den letzten zehn Jahren hier in der 02-Arena, erinnerte mich das daran, was für eine Freude und was für ein Privileg es ist, hier zu spielen. Mit solchen Gedanken spielt man besser, und nicht, wenn man die ganze Zeit über negative Dinge nachstudiert.»

Mit seinem Sieg gegen Thiem hielt sich Federer im Rennen um den Halbfinal. Doch die Frage ist, ob es ihm noch reicht, seinen Fehlstart zu korrigieren. «Ich kann gegen Anderson gewinnen und trotzdem nicht weiterkommen», stellte er richtig fest. «Aber das ist okay. Dann hätte ich es auch nicht verdient.» Fast alles ist noch möglich. Hier sind die Varianten:

Variante 1: Wenn Federer gegen Kevin Anderson in zwei Sätzen verliert, ist er ausgeschieden.

Variante 2: Wenn er in drei Sätzen unterliegen sollte, wäre er weiter, falls Thiem Nishikori in zwei Sätzen schlägt.

Variante 3: Bei einem Sieg in drei Sätzen wäre Federer ebenfalls auf einen Erfolg Thiems angewiesen – egal, ob in zwei oder drei Sätzen.

Variante 4: Wenn Federer in zwei Sätzen siegt, wäre er aller Wahrscheinlichkeit nach weiter: Dann könnte er nur noch scheitern, wenn er so knapp wie möglich gewinnt (7:6, 7:6) und Thiem gegen Nishikori höchstens ein Game holt.

Federer wird auch sein drittes Gruppenspiel am Abend austragen, er wird also vorher wissen, was es braucht. Natürlich werde er die Ausgangslage studieren (lassen), aber wenn man versuche, auf ein gewisses Resultat zu spielen, sei das eher hinderlich. Mit einem guten Spirit ins vielleicht letzte Spiel steigen, das ist der Plan des Baselbieters. Der Auftritt gegen Thiem gibt ihm Schwung.

Kein Schlagabtausch mit Benneteau

Nur kurz verfinsterte sich seine Miene, als er in der Pressekonferenz auf die Anschuldigungen Julien Benneteaus angesprochen wurde. «Ich bin nicht in wirklich in der Stimmung, dieses Thema zu diskutieren», sagte er. «Denn hier geht es darum, das Tennis zu zelebrieren.» Er lenkte dann doch ein, betonte aber, dass er Benneteau gut möge und sich nicht auf einen Schlagabtausch einlassen wolle. Der folgt noch früh genug, am Donnerstagabend auf dem Court gegen den wuchtigen Aufschläger Kevin Anderson. (zsz.ch)

Erstellt: 14.11.2018, 00:37 Uhr

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