Federer spielt sich frei

Der Schweizer schlägt Dominic Thiem 6:2, 6:3 und wahrt am ATP-Finale seine Chancen aufs Weiterkommen. Die Entscheidung fällt am Donnerstag gegen den formstarken Kevin Anderson.

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Eine Woche ist Roger Federer schon in London, und langsam findet er seinen Rhythmus. Hatte er zum Auftakt gegen Kei Nishikori (6:7, 3:6) noch miserabel retourniert, so spielte er gegen Dominic Thiem nun von Beginn weg viel mehr Bälle zurück. So verleitete er den Österreicher dazu, Fehler zu begehen.

Thiem hatte angekündigt, aggressiv aufzutreten, um Federer nicht sein Spiel aufziehen zu lassen. Doch dabei forcierte er zu stark und patzerte immer wieder. Damit passierte genau das, was er hatte vermeiden wollen: Dass Federer in Fahrt kam. Und so war der Spuk nach 66 Minuten bereits vorbei, setzte sich der Schweizer 6:2, 6:3 durch.

«Eine gute Reaktion»

«Es war eine gute Reaktion», sagte er danach im Platzinterview. «Ich bin mich nicht gewohnt, zu verlieren und wieder zurückzukommen. Das ist mir gut gelungen. Ich bin zufrieden mit meiner Einstellung.» Schlechter könnten er und Nishikori wohl nicht spielen, blickte er nochmals auf die Anfangsphase der Startpartie gegen den Japaner zurück.

Diesmal war er von Beginn weg bereit. Und schon nach zwei Minuten kam er dank freundlicher Mithilfe Thiems zu seinem ersten Breakball. Diesen wehrte der Österreicher zwar noch ab, doch bereits im dritten Game realisierte Federer den ersten Servicedurchbruch. Danach blickte er nicht mehr zurück, wirkte wieder wie er selbst und nicht wie eine schlechte Kopie wie zum Turnierauftakt.

Es war offensichtlich, dass er sich in den Grundlinienduellen immer wohler fühlte, von Thiems harten Schlägen liess er sich nicht beeindrucken. Zwei Breaks pro Satz, kein Breakball gegen sich – der Auftritt Federers war souverän. Obschon Thiem zwei der ersten drei Duelle gewonnen hatte, wusste er nicht so recht, wie dem Schweizer beizukommen ist.

Bezeichnend für seine fehlerhafte Leistung war der Matchball, bei dem er einen scheinbar leichten Volley ins Aus setzte. Insgesamt 34 unerzwungene Fehler beging der 25-Jährige, Federer nur deren 10.

Noch ist alles möglich

Mit dem Sieg wahrte Federer die Chance, bei seiner 16. Teilnahme zum 15. Mal den Halbfinal zu erreichen – nur 2008 hatte er ihn verpasst. Möglich ist in dieser Gruppe noch vieles. Auch, dass Federer am Donnerstag gegen Kevin Anderson verliert und sich trotzdem qualifiziert. Oder dass er gewinnt und ausscheidet. Dies beispielsweise, wenn er drei Sätze benötigen würde und Kei Nishikori gegen Thiem siegt. Auf jeden Fall würde es ihm helfen, wenn der Österreicher seine abschliessende Partie gewinnt.

Dass Nishikori nicht gerade unschlagbar ist, bewies Anderson, der ihn 6:0, 6:1 vom Platz fegte. Erst im vorletzten Game konnte der Japaner die Höchststrafe verhindern. Ein «Velo» gab es am ATP-Finale erst einmal: 2005 in Shanghai gestand Roger Federer im Halbfinal dem Argentinier Gaston Gaudio kein Game zu. «Ich spürte den Ball nicht», ­klagte Nishikori. Allerdings spielte ­Anderson auch gross auf, brillierte er nicht nur mit seinem Aufschlag, sondern bestimmte auch die Grundlinienduelle. Federer braucht am Donnerstag eine ­weitere Steigerung. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.11.2018, 20:47 Uhr

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