Die Big Player überragen Federer

Roger Federer gilt als grösster Tennisspieler aller Zeiten. Bei den ATP-Finals in London zählt er aber zu den kleineren.

John Isner, Kei Nishikori, Dominic Thiem, Novak Djokovic, Marin Cilic, Roger Federer, Kevin Anderson, Alexander Zverev (v.l.). (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

John Isner, Kei Nishikori, Dominic Thiem, Novak Djokovic, Marin Cilic, Roger Federer, Kevin Anderson, Alexander Zverev (v.l.). (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

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Kevin Anderson stellte zum Auftakt des ATP-Finals einen Rekord auf: Mit seinen 2,03 Metern wurde er zum grössten Spieler, der je an diesem Turnier gespielt hat. Dumm nur, dass auch John Isner noch ins Londoner Feld gerückt ist – so hatte Andersons Bestmarke nur einen Tag Bestand. Isner ist mit seinen 2,08 Metern noch fünf Zentimeter grösser.

Noch nie waren beim Saisonfinale so viele Hünen dabei. Die Durchschnittsgrösse der acht Spieler beträgt 1,93 Meter. Auch das ist ein neuer Höchstwert. Vor zehn Jahren waren die Top 8 im Schnitt noch sechs Zentimeter kleiner gewesen.

«Es ist ein Fakt, dass die Menschen immer grösser werden», sagt Federer-Coach Severin Lüthi. So gesehen sei diese Entwicklung logisch. Und die Grossen hätten ihr Spiel anpassen, kompletter werden müssen, um zu bestehen. Einfach gut aufschlagen reiche nicht mehr. «Heute serviert jeder mit 210 Stundenkilometern. Selbst einer wie Goffin, der nicht als Aufschlagsmonster bekannt ist. Die Grossen haben auch andere Wege finden müssen, um zu punkten.»

Vorreiter Del Potro

Ein Vorreiter war Juan Martin Del Potro, der sich für seine 1,98 Meter erstaunlich gut bewegt. Als er 2009 im Final des US Open Roger Federer schlug, mit 20, dachten viele, er sei der Prototyp des modernen Spielers. Doch dann wurde er durch seine Handgelenksverletzungen gebremst. Der Argentinier ist der grösste Grand-Slam-Champion – vor Richard Krajicek, dem Wimbledon-Sieger 1996 (1,93 Meter).

Anderson stand immerhin schon in zwei Grand-Slam-Finals. Lüthi sieht ihn als beweglichsten der Hünen, zusammen mit Alexander Zverev. Sein Vater habe schon früh grossen Wert auf die Beinarbeit gelegt, sagte Anderson nun in London. «Es geht auch da um eine saubere Technik, um gewisse Bewegungsmuster und natürlich darum, kräftig genug zu sein.»

Video: Zwei Big Player im Duell

In Wimbledon lieferten sich Kevin Anderson und John Isner ein episches Duell (Video: SRF)

Es brauche einiges, um Anderson aus seiner Komfortzone herauszumanövrieren, sagt Lüthi. «Erst wenn er im Ballwechsel im Rückstand ist, merkt man, wie gross er ist. Aber dafür muss man einiges tun.» Im Verlaufe seiner Karriere hat der Südafrikaner auch immer besser gelernt, sich nicht nur seitwärts, sondern auch nach vorne ans Netz zu bewegen.» Ein Bereich, in dem etwa Zverev noch Steigerungspotenzial hat.

SRF-Experte Heinz Günthardt war zu seiner Aktivzeit mit seinen 1,80 Metern im Schnitt, heute würde er zu den Kleinsten zählen. «Natürlich bringt Grösse gewisse Vorteile, notabene beim Aufschlag und punkto Reichweite», sagt der Zürcher. «Und vor allem auf schnellen Unterlagen sind ja die zwei wichtigsten Schläge der Service und der Return. Da kommt dir eine grosse Reichweite entgegen. Einer wie Kei Nishikori muss das kompensieren mit seiner Beweglichkeit.»

Der goldene Schnitt

Allerdings könne man auch mit 1,85 Metern hervorragend servieren, wie etwa Roger Federer zeige. «Sein Aufschlag ist ähnlich effektiv, wenn nicht noch effektiver als der von Cilic. Also hat er da kein Defizit, aber er hat den Vorteil, dass er beweglicher ist und einen tieferen Schwerpunkt hat. Es gibt einen goldenen Schnitt.» Vom Trio, das die letzten 15 Jahre dominierte, ist keiner 1,90 Meter gross – Federer und Rafael Nadal sind 1,85, Novak Djokovic 1,88.

Mit 1,75 Metern sei es aber extrem schwierig, einen Grand Slam zu gewinnen, findet Günthardt. «Denn es gibt Tage, an denen du von der Grundlinie einfach nicht so gut spielst. Dann brauchst du den Aufschlag als Stütze.» Zwei haben es in der Profiära mit dieser Körpergrösse geschafft: Michael Chang (1989) und Gaston Gaudio (2004), beide in Paris.

Günthardt betont aber gleich, dass er kein Fan von allgemeinen Aussagen übers Tennis ist. «Das Schöne an dieser Sportart ist, dass es nie gelingen wird, sie einzufangen. Dafür ist sie einfach zu komplex.» (zsz.ch)

Erstellt: 13.11.2018, 18:59 Uhr

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So gross sind sie

John Isner 2,08 m
Kevin Anderson 2,03 m
Marin Cilic 1,98 m
Alexander Zverev 1,98 m
Novak Djokovic 1,88 m
Roger Federer 1,85 m
Dominic Thiem 1,85 m
Kei Nishikori 1,78 m

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