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Stallorder, Red-Bull-Wahnsinn und Mad Max

Die Formel-1-Saison 2018 bot Aufregung, Spektakel und auch mal etwas zum Schmunzeln. Zeit für einen Rückblick.

Nun ist sie Geschichte, die Formel-1-Saison 2018. Zum fünften Mal wird Lewis Hamilton Weltmeister, noch zwei Titel und er liegt mit Michael Schumacher gleichauf. Die Saison bot ihren Fans auch sonst so einiges: spektakuläre Manöver und Crashs, Auseinandersetzungen zwischen Fahrern, taktische Fehler und auch mal etwas zum Schmunzeln. Diese Momente bleiben uns in Erinnerung.

Der Red-Bull-Wahnsinn von Shanghai

GP von China

In einem kurzen Satz zusammengefasst: So lieben wir die Formel 1. Das Red-Bull-Team zeigt im April in China eine grosse Show. Sowohl Daniel Ricciardo als auch Max Verstappen starten aus der dritten Reihe, und lange sieht es auch nach einem Sieg eines Fahrers von Mercedes oder Ferrari aus. Dann kommt diese Safety-Car-Phase. Ausgelöst von den Toro-Rosso-Piloten Brendon Hartley und Pierre Gasly, die sich gegenseitig abschiessen.

Perfektes Timing: Ricciardo und Verstappen werden gleich in einem abgefertigt. Video: SRF

Red Bull schaltet schnell. Gleich beide Fahrer holen sich neue Reifen an der Box. Es ist der Wendepunkt im Rennen. Denn mit den frischesten aller Reifen ist Daniel Ricciardo unaufhaltbar. In kürzester Zeit überholt er der Reihe nach Verstappen, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und den in Führung liegenden Valtteri Bottas. Verstappen will mitziehen, geht aber zu ungestüm ans Werk. Der Holländer kollidiert mit Vettel und landet auf Platz 5, während Ricciardo auf dem Podest seinen Sieg auf bekannte Weise feiert: Er trinkt aus seinem Schuh.

Der Zielflaggen-Flop mit dem Model

GP von Kanada

Im Juni gastiert die Formel 1 in Kanada und stellt mit Winnie Harlow ein bekanntes kanadisches Model an die Strecke. Die 24-Jährige darf die Zielflagge schwenken. Nichts Besonderes, diese Ehre wird Prominenten immer wieder zuteil. Harlow also steht in Montreal bei der Start- und Zielgeraden und zeigt die schwarz-weiss-karierte Fahne. Zu früh. Das Rennen dauert zu diesem Zeitpunkt noch zwei Runden. «Sagt ihnen, die Flagge nicht zu schwenken, wenn es noch nicht so weit ist», echauffiert sich Sieger Vettel.

Das kanadische Model Winnie Harlow schwenkt die Flagge zu früh. Video: SRF

Harlow entschuldigt sich danach und sagt, sie sei froh, dass sich niemand verletzt habe. Das ändert nichts am Ausgang des Rennens, denn das Schwenken der Flagge ist ein offizieller Akt, der GP wird frühzeitig beendet. Bottas und Verstappen sind aber so weit hinter Vettel zurück, dass sie den Deutschen in den letzten zwei Runden nicht mehr aufgeholt hätten.

Der Wendepunkt in Vettels Heim-GP

GP von Deutschland

Nach dem Kanada-GP führt Vettel das WM-Klassement mit einem Punkt Vorsprung auf Hamilton an. Und drei Rennen danach sind es schon acht Punkte, Ferrari sieht sich endlich als Sieger im ewigen Duell gegen Mercedes. Ausgerechnet in Vettels Heim-GP aber folgt der Wendepunkt. Der Deutsche startet von der Poleposition, danach schreiben die Medien aber nur: «Eklatanter Fehler!», «Geschenkter Sieg!», «Albtraum für Ferrari!».

Vettel führt das Rennen an, bis er bei feuchter Strecke die Kontrolle über sein Auto verliert und im Kiesbett landet. Der GP ist für ihn vorbei, und weil Hamilton von Startplatz 14 auf 1 fährt, ist auch die WM-Führung futsch. «Es war ein kleiner Fehler mit grosser Auswirkung», sagt Vettel hinterher. Er sollte bis zum Ende der Saison recht behalten.

Die Vorentscheidung im Ferrari-Land

GP von Italien

Wenn Vettel in Deutschland Heimvorteil hat, hat ihn sein Team Ferrari in Monza, Italien. Vettel hält den Schaden nach seinem Fehler mit einem Sieg in Belgien in Grenzen, doch der GP von Italien wird zur Vorentscheidung. Dabei sieht davor alles so gut aus für die Scuderia. «Jetzt taumelt Ferrari vor Freude», titelt der «Tages-Anzeiger» nach der Doppel-Pole von Räikkönen und Vettel. Hamilton dahinter geschlagen, chancenlos im Ferrari-Land.

Doch Hamilton zeigt ausgerechnet in Italien sein wohl bestes Rennen der Saison. Der «Tages-Anzeiger» titelt nun: «Hamilton vermiest Ferrari die Heim-Party». Denn Ferraris Traum vom Heimsieg platzt schon in Runde eins. Vettel dreht sich nach einem Zweikampf mit Hamilton, regt sich fürchterlich auf und muss das Rennen von ganz hinten wieder in Angriff nehmen. Immerhin: Vettel wird noch Vierter. Hamilton aber holt sich später auch noch Räikkönen, der mit seinen Reifen zu kämpfen hat. Die Experten bemängeln Ferraris Taktik, nicht wenige sind der Meinung, man hätte dafür sorgen müssen, dass Vettel von der Pole startet und nicht der Finne. Hamilton ist es egal, er gewinnt und baut seine Führung weiter aus.

Der unfreiwillige Helfer

GP von Russland

Die Saison nimmt ihren Lauf. Hamilton kommt nach Monza erst recht in Fahrt und siegt in Singapur, Russland und Japan. Doch der GP von Sotschi hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Vor allem für einen: Valtteri Bottas. Der Finne startet von der Pole, fährt im Rennen die schnellste Runde – er ist der logische Sieger. Doch in diesem Moment zeigt sich, dass der Finne im Team von Mercedes nichts weiter als ein Helfer ist.

In Führung liegend wird Bottas mitgeteilt, er solle Platz machen für Hamilton. Mit einem Sieg kann dieser einen grossen Schritt Richtung Titelverteidigung machen, denn Vettel liegt nur auf Platz 3. Die Siegerehrung mit Hamilton zuoberst auf dem Podest verkommt zum Trauerspiel, Bottas steht mit versteinerter Miene hinter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, auch ein Schulterklopfer von Kollege Hamilton heitert ihn nicht auf. Der Brite sagt hinterher: «So möchte ich nicht gewinnen.» Der Sieg sei einer, auf den er nicht stolz sei. Geholt hat er ihn dennoch, der WM-Titel ist ihm jetzt kaum noch zu nehmen.

Verstappen wird wieder zum Mad Max

GP von Brasilien

Es gibt wohl keinen Fahrer, bei dem sich Genie und Wahnsinn so sehr mischen wie bei Max Verstappen. Der junge Holländer gilt als einer der besten Fahrer im Feld, doch sein Temperament schnellt gerne mal so schnell in die Höhe wie der Motor seines Wagens. Immer wieder fällt der 21-Jährige mit seiner ruppigen Fahrweise auf und gerät mit anderen Fahrern aneinander.

Ein wilder Ritt von Verstappen. Der Holländer bremst Vettel aus. Video: SRF

In Brasilien, Hamilton ist da schon Weltmeister, ist es Esteban Ocon, der Verstappen an die Decke gehen lässt. Der Holländer liegt in Führung, als er den Franzosen überrunden will. Routine eigentlich für einen, der meist vorne mitfährt, gegen einen, der oft überrundet wird. Ocon jedoch macht nicht mit und versucht mit Verstappen mitzuhalten, was gründlich misslingt, nach einer Berührung landet Verstappen neben der Strecke und muss den Sieg Hamilton überlassen.

Nach dem Rennen knöpft sich Verstappen Ocon vor und schubst diesen mehrfach. Der Holländer wird seinem Ruf einmal mehr gerecht. Und so sagt ihm Hamilton nach dem abschliessenden Rennen in Abu Dhabi vor der Siegerehrung: «No more bullying», kein Schikanieren mehr. Verstappen verschmitzt: «You too.» Du auch.

Die Eskorte für den Champion

GP von Abu Dhabi

Vielen Formel-1-Fans tat er in dieser Saison leid. Weil er eigentlich ein grossartiger Fahrer ist, aber in einem nicht annähernd konkurrenzfähigen Auto sitzt. Nach 312 GP endet in Abu Dhabi eine grosse Karriere in der Königsklasse des Motorsports: Fernando Alonso tritt ab. Der Weltmeister von 2005 und 2006 wird Elfter.

Vettel und Hamilton drehen einige Runden nach dem GP von Abu Dhabi. Video: SRF

Das Resultat wird aber zur Nebensache, als ihn die zwei dominierenden Fahrer der Saison, Hamilton und Vettel, über die Ziellinie eskortieren und die drei dem Publikum gemeinsam eine Donut-Show präsentieren. Vettel sagt danach stellvertretend für die ganze Formel 1: «Fernando ist eine echte Legende. Wir werden ihn vermissen.»

Der Aufstieg des jungen Monegassen

Wer sich einen Platz bei Ferrari ergattern will, der muss liefern. Das Team hat Ansprüche wie zum Beispiel Real Madrid im Fussball. Geliefert hat Charles Leclerc. Der Sauber-Pilot ist der Newcomer der Saison. Der Schweizer Rennstall holt total 48 Punkte, wird damit Achter. Leclerc alleine holt 39 Punkte. Startet er zu Beginn noch durchschnittlich, fährt er ab dem vierten Rennen regelmässig in die Punkte, sein bester Platz ist der sechste von Aserbeidschan. In den letzten drei Rennen der Saison wird Leclerc jedes Mal starker Siebter.

Nun also die Belohnung. Der junge Monegasse beerbt Kimi Räikkönen im Ferrari, wird 2019 neben Sebastian Vettel um Siege und Titel fahren. «Er hat das Cockpit nicht ohne Grund bekommen», sagt Vettel nach der Verpflichtung von Leclerc. Dessen Aufstieg lässt am besten mit dieser Tatsache beschreiben: Der 21-Jährige ist der jüngste Ferrari-Pilot seit 57 Jahren.

Hülkenberg und Alonso heben ab

GP von Belgien und Abu Dhabi

Wo Autos mit über 300 km/h ihre Runden drehen, gibt es Unfälle. So auch in dieser Formel-1-Saison. Und auch Routiniers sind davor nicht gefeit. In Belgien erwischte es Alonso. Nach einem Verbremser bugsiert Hülkenberg den Spanier ins Heck von Sauber-Pilot Leclerc. Der Aufprall katapultiert Alonso über den Monegassen hinweg. Leclerc kommt mit dem Schrecken davon.

Alonso fliegt über Leclercs Sauber weg. Video: SRF

So ergeht es dem Auslöser Hülkenberg in Abu Dhabi dann selbst. In der ersten Runde kollidiert er mit Romain Grosjean. Hülkenberg touchiert den Franzosen am Vorderrad und hebt ab. Der Bolide des Deutschen überschlägt sich und landet kopfüber in der Mauer. Zum Glück für alle Beteiligten ohne Folgen.

Hülkenberg berührt Grosjean und landet in der Mauer. Video: SRF

Damit ist die Formel-1-Saison abgeschlossen. Bei so viel Spektakel, Aufregung und Aufsteigern freuen wir uns bereits, wenn es im März 2019 in Australien wieder losgeht.

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