Ein Jahr nach Rio

Dem Auf und Ab ein Ende setzen

Eine grosse Narbe am Knie erinnert Lars Forster an seinen Sturz im olympischen Cross-Country-Rennen. Anfang Jahr kam der 24-jährige Joner wieder auf Touren, ehe er sich erneut verletzte. Daran hat der Profi bis heute zu beissen.

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Am Sonntag muss sich Lars Forster auch im fünften Rennen des Weltcups 2017 weit hinten einreihen. «Am Start kann der Rückstand bis zur Einfahrt in den Trail schon eineinhalb Minuten betragen», seufzt der Joner. So sei es schwierig, sich nach vorne zu kämpfen. Aktuell liegt der Cross-Country-Spezialist im Worldranking auf Position 104. «Weil ich wichtige Rennen verpasste, bin ich zurückgefallen», erklärt er.

Forster hat schwierige Monate hinter sich. «Dabei hatte das Jahr vielversprechend begonnen», betont der Profi. Am Berchtoldstag fuhr er im Final der EKZ Crosstour in Meilen auf Rang 2. Es war sein zweiter Wettkampf seit den Olympischen Spielen. In Rio de Janeiro hatte der 24-Jährige sich eine Knieverletzung zugezogen und daraufhin vier Monate pausieren müssen. «Das war eine harte Zeit», verrät er. Am 8. Januar wurde Forster dann in Dielsdorf Quer-Vizemeister. Der Walliser Julien Taramarcaz vermieste ihm die Titelverteidigung. Im Winter dienen dem Joner Radquerrennen als Vorbereitung auf die Mountainbike-Saison. Auch in diese startete er gut.

Immer wieder neu aufrappeln

Anfang April gewann Forster das HC-Rennen (höchste Kategorie unter dem Weltcup; Red.) im italienischen Montichiari. Einen Monat später stand er auch in Solothurn, beim dritten Rennen des Swiss Bike Cup, zuoberst auf dem Podest. «So arbeitete ich mich in der Weltrangliste wieder nach vorne», blickt der Fahrer des VC Eschenbach zurück.

«Im Mai und Juni musste ich mental unten durch.»Lars Forster

Doch kaum zeigte seine Formkurve nach oben, suchte ihn erneut die Verletzungshexe heim. «In Rio war mir ein Fahrfehler unterlaufen, diesmal hatte ich einfach Pech», sagt Forster leicht verbittert. Beim Weltcup-Auftakt am 21. Mai im tschechischen Nove Mesto stürzten kurz nach dem Start mehrere Kontrahenten direkt vor ihm. «Ich stützte mich unglücklich ab und brach mir dabei den Handwurzelknochen.» Wieder musste der Biker eine Pause einlegen und verpasste zwei Weltcuprennen. «Im Mai und Juni musste ich mental unten durch», verrät Forster. Doch der Sportsoldat hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Zudem unterstützt und berät Leistungsdiagnostiker Fabian Neunstöcklin ihn seit vier Jahren.

WM-Aufgebot erkämpfen

So hat Forster rasch den Tritt wieder gefunden. «Anfang Juli fehlte mir in den beiden Weltcuprennen in Andorra (Rang 21) und Lenzerheide (55.) zwar noch etwas die Kraft», sagt er. Doch am 16. Juli bewies der letztjährige Olympia-Debütant an der SM in Montsevelier, dass künftig wieder mit ihm zu rechnen ist. «Nach all den Auf und Ab’s geht es nun nur noch aufwärts», gibt er sich optimistisch. Vielleicht liege sogar noch die Selektion für die WM drin, welche vom 5. bis 10. September in Australien stattfindet. «Die Strecke in Cairns würde mir jedenfalls gut liegen.»

Letztes Jahr hatte Forsters erste Elite-Saison wie heuer erfolgreich begonnen, dann aber auch einer Achterbahnfahrt geglichen. Aufgrund starker Ergebnisse im Weltcup (zwei Top-10-Ränge) wurde er im Juni von Swiss Cycling für die Olympischen Spiele in Rio selektioniert. Anfang Juli verhalf der damalige Neo-Profi der Schweizer Staffel an der WM in Nove Mesto zu Bronze. Vor dem Einzelrennen stürzte er aber beim Einfahren, verletzte sich leicht am Oberschenkel und wurde nur 28.

«Keine Fehler machen»

Danach machten ihm Knieprobleme zu schaffen. Um seinen Start in Rio nicht zu gefährden, verzichtete der VCE-Fahrer auf das Heimweltcuprennen in Lenzerheide. Und Mitte Juli gab er an der SM 2016 frühzeitig auf. «Ich ordnete alles meinem Olympiadebüt unter.» Forster setzte sich selber die Top 8 und somit ein Diplom zum Ziel. In Brasilien angekommen, quartrierte sich die Schweizer MTB-Delegation zunächst gut eineinhalb Fahrstunden von Rio entfernt bei Petropolis auf 800 m Höhe ein. «Deshalb bekamen wir von allen Wettkämpfen nur wenig mit, konnten uns dafür bestens anklimatisieren», lässt Forster die Vorbereitungsphase Revue passieren.

Im olympischen Dorf sei der Rummel dann gross gewesen. «Vor allem auch die mediale Aufmerksamkeit.» Das Rennen fand am Schlusstag statt. Vier Tage zuvor waren die Fahrer erstmals auf die künstlich angelegte Piste gelassen worden. «Es gibt Stellen, an denen man keine Fehler machen darf», hatte der Joner danach zu bedenken gegeben. Trotzdem unterlief ihm dann im Wettkampf ein folgenschwerer.

Ein Bremsmanöver mit Folgen

Forster nahm als 19. die letzte Runde in Angriff, ehe er sich vor einer Kuppe leicht verbremste. «Das Vorderrad rutschte ab und ich stürzte», schildert er. Der 24-Jährige schlug sich an einem Stein das Knie auf. «Die tiefe Wunde musste vor Ort genäht werden, danach wurde ich ins Spital transportiert», erzählt er. Vater Sepp, der mit nach Rio gereist war, erlebte genauso Schreckminuten wie die daheim in Jona vor dem TV mitfiebernden Fans.

Als Erinnerung an Rio bleibt Lars Forster eine Narbe auf der Kniescheibe. «Abgesehen vom Rennen hatte ich in Brasilien aber eine gute Zeit», betont der Joner. Noch lange könne er von den gesammelten Erfahrungen zehren. «Und es war cool, unter all den Sportlern aus aller Welt zu sein.» Obwohl etliche schon abgereist waren, als die Biker im olympischen Dorf ankamen. «Dafür mussten wir überall weniger lang anstehen», schmunzelt Forster.

Unvergesslich bleibt die Abschlussfeier, welche sich der Profi trotz Schmerzen nicht entgehen liess. «Atmosphäre und Show waren eindrücklich», schwärmt er. «Gerne hätte ich ein Beachvolleyball-Spiel live gesehen. Doch wir waren zu weit von der Copa Cabana entfernt.» Am einzigen Ruhetag konnte Forster mitverfolgen, wie die Geher an ihm vorbeizogen. «Alles andere wäre spannender gewesen», sagt er dazu. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.08.2017, 14:03 Uhr

Serie

Ein Jahr nach Rio (4/5)

Wir haben Olympiateilnehmern aus der Region ein Jahr nach der Olympiade in Rio den Puls genommen. Was waren die Highlights? Wie geht es den Sportlern heute?

Adeus Rio

Auf Portugiesisch gelernt habe ich . . .
...nur «de nada» (bitte auf Deutsch; Red.). Da es eben nicht so meine Sprache ist, schlug ich mich mit Englisch durch.

Die speziellste Begegnung in Rio hatte ich . . .
...mit Nino Schurter. Die zwei Wochen mit ihm waren toll und ich konnte ihn zu Gold begleiten.

Mein persönliches Olympia- Highlight war . . .
...die eindrückliche Abschlussfeier.

Nochmals nach Rio reisen ­würde ich, weil . . .
...die Strände schön sind.

In Tokio 2020 . . .
...hoffe ich fit am Start zu stehen und mindestens ins Ziel zu fahren. (schmunzelt)

Mountainbiker Lars Forster vom VC Eschenbach stürzte an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Cross-Country-Rennen und musste mit einer offenen Wunde am Knie ins Spital überführt werden.

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