Ein «dummes Grinsen» als Provokation

Ein Bad-Boy-Image muss hart erarbeitet werden. Formel-1-Jungstar Max Verstappen tut viel dafür.

Fokussiert: Max Verstappen.

Fokussiert: Max Verstappen. Bild: Nelson Antoine/Keystone

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Es erinnert an einen guten alten Western. Eli Wallach grinst, Lee van Cleef fordert ihn zum Duell, Clint Eastwood kommt angeritten, schiesst beide über den Haufen und galoppiert in den Sonnenuntergang. Oder so ähnlich.

In der modernen Formel-1-Variante mit Max Verstappen in der Hauptrolle wird zum Glück niemandem auch nur ein Haar gekrümmt, es wird bloss ein wenig herumgeschubst. Aber das Prinzip gleicht dem Vorgehen der (Film-)Gesetzlosen aus dem 19. Jahrhundert. Verstappen ging am Sonntag nach dem GP in São Paulo auf einen anderen Fahrer los, weil der ein «dummes Grinsen» im Gesicht hatte. Sagt Verstappen selber.

Ein unnötiger Crash

Was war passiert? Im Rennen wurde der in Führung liegende Verstappen, normalerweise selber für aggressiv-angriffige Fahrweise bekannt, plötzlich vom bereits überrundeten Franzosen Esteban Ocon attackiert. Der unerwartete Überholversuch endete mit einer vor allem für Verstappen völlig unnötigen Kollision, die ihm am Ende tatsächlich den sonst wohl ungefährdeten Sieg kostete.

Natürlich war Verstappen sauer. Er, der sich trotz seiner zarten 21 Jahre bereits einen Ruf als Rüpel auf und neben der Piste hart erarbeitet hat. Und klar wollte er sich mit Ocon austauschen, als dieser nach dem Rennen bei den Boxen plötzlich vor ihm stand. Und ja, Ocons Version, er (als Überrundeter) sei ja schneller gewesen als Verstappen (als Führender), kann durchaus als originell oder zumindest als verbaler Nadelstich bezeichnet werden – vor allem in Kombination mit dem «dummen Grinsen».

Aber dass Verstappen gegen den Franzosen bloss wegen dessen Gesichtsausdruck tätlich wurde, wird kaum für steigende Sympathiewerte beim Red-Bull-Fahrer sorgen. Auch nicht, dass er in einem Interview wenige Minuten später Ocons Ansichten damit begründete, dass dieser halt einfach ein «Arschloch» sei.

Villeneuve ist auf Verstappens Seite

Doch, um beim guten alten Western zu bleiben: Genauso, wie die wenigsten mit dem Sheriff, sondern mit dem Outlaw mitfieberten, erhält auch Verstappen Unterstützung. Zum Beispiel von Jacques Villeneuve, Weltmeister 1997. Der Kanadier hält nicht viel von Ocon und seiner Aktion: «Beschämend. Lächerlich. Jeder sah ja, was passiert ist. Er hat null Gespür für Rennsituationen. Und er entschuldigt sich nicht einmal.»

Immerhin, Geschubse hin, «Arschloch» her, es gab ja auch noch Stoff für ein Happy End. Als sich die Gemüter beruhigt und die beiden sich bei den Rennkommissaren erklärt hatten (Verstappen erhielt zwei Tage gemeinnützige Arbeit aufgebrummt fürs aggressive Verhalten), gab es auch noch ein Bild, wie sich die beiden die Hand reichten. Gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten müssen sie ja nicht gleich. (kk)

Erstellt: 13.11.2018, 12:18 Uhr

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