Erlenbach

Zwei Stars sind nicht genug

Trotz fehlerfreien Ritten von Steve Guerdat und Martin Fuchs scheitern die Schweizer an der EM. Die angestrebte Team-Medaille ist schon nach der ersten Runde im Nationenpreis ausser Reichweite.

Harmonisches Duo: Steve Guerdat und Bianca.

Harmonisches Duo: Steve Guerdat und Bianca. Bild: Dean Mouhtaropoulos (Getty Images)

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Es gab sie unlängst schon einmal, diese Ungläubigkeit und Enttäuschung, die sich gestern nach der ersten Nationenpreisrunde im Lager der Schweizer Springreiter breitmachte. Bei der WM im vergangenen Herbst in den USA war das Team auf Goldkurs und brach im entscheidenden Moment ein; anstatt der sicher geglaubten Medaille resultierte nur Rang 4. In Rotterdam kam der Absturz für die mit grossen Erwartungen an die EM gereiste Equipe in der ersten Runde des Nationenpreises und sorgte für ein unschönes Dé­jà-vu.

EM-Debütant Niklaus Rutschi und Paul Estermann kämpften im Parcours mit grossen Problemen. 17 respektive 20 Strafpunkte waren die Folge. «Gleich zwei so schlechte Ergebnisse hätte ich niemals erwartet, und ich kann mir sie auch nicht erklären», sagte der konsternierte Teamchef Andy Kistler.

«Resignierte» und «schlappe» Pferde

Die beiden Reiter suchten die Erklärung bei ihren Pferden. «Das war nicht der Cardano, den ich kenne; er hat nicht gekämpft, und es war, als ob er resigniert hat», sagte Niklaus Rutschi. Der 13-jährige Wallach Lord Pepsi von Paul Estermann, der schon im Zeitspringen das Streichergebnis lieferte, zeigte von Anfang an kaum Zug nach vorne. Als ihn der Reiter vor der zweifachen Kombination mit der Peitsche motivieren wollte, verlor er dabei die Zügel und für einen Moment die Kontrolle, was in weiteren Fehlern und einer Verweigerung an den Folgehindernissen endete.

«Er fühlte sich schlapp an und liess sich über den Oxern nicht richtig fliegen», erklärte der 56-Jährige. Das sei schon am Mittwoch ein Stück weit der Fall gewesen, sagt Estermann, doch der mitgereiste Teamtierarzt habe nichts Aussergewöhnliches feststellen können.

Um sich für die EM zu empfehlen, haben Rutschi und Estermann, die nur über ein Spitzenpferd auf diesem Niveau verfügen, in dieser Freiluftsaison drei der vier für die Finalqualifikation zählenden Nationenpreise der Division I absolviert. Cardano CH blieb dabei in vier Umgängen ohne Fehler, Lord Pepsi gar in fünf.

Bei der FEI-Nationenpreis­serie setzte Kistler nur sieben Reiter ein. Und auch bei der EM-Nomination konnten er und Coach Thomas Fuchs nicht aus dem Vollen schöpfen. Seit langjährigen Leistungsträgern wie Werner Muff, Janika Sprunger oder auch Romain Duguet keine Spitzenpferde mehr zur Verfügung stehen, ist die ohnehin nicht sehr breite Spitze im Schweizer Springsport noch schmaler geworden. Während die Erfolge der beiden Stars Steve Guerdat und Martin Fuchs alles überstrahlen, klafft dahinter ein grosses Loch. In den Top 100 der Weltrangliste befinden sich mit Guerdat (1.), Fuchs (4.), Pius Schwizer (25.) und EM-Ersatzreiter Beat Mändli (93.) nur gerade noch vier Schweizer. Bei den Belgiern, die nach der ersten Nationenpreisrunde in Rotterdam führen, sind elf Reiter in den Top 100, bei den Deutschen, die auf Rang 2 liegen, sind es zehn.

Guerdat und Fuchs ­verbessern ihre Positionen

Auch gestern waren es Guerdat und Fuchs, die ihren Teamkollegen und sich selber noch den Einzug in den heutigen finalen Umgang der zehn Besten ermöglichten. Die Schweiz liegt auf Rang 7, die Medaillenchancen sind so gut wie weg: Der Rückstand auf Bronze beträgt jetzt schon mehr als drei Springfehler.

Mit den fehlerfreien Ritten auf ihren Pferden Bianca und Clooney verbesserten der Jurassier und der Zürcher ihre Positionen auch im Einzelklassement noch einmal deutlich. Der Weltranglistenerste Steve Guerdat liegt nun auf dem 2. Rang hinter dem Briten Ben Maher mit Explosion. Der WM-Zweite Martin Fuchs rückte vom 20. auf den 7. Platz vor.

Erstellt: 23.08.2019, 10:34 Uhr

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