Segeln

«Würde diese Zeit nie tauschen»

Yannick Brauchli (28) von der SV Thalwil und sein Genfer Vorschoter Romuald Hausser verabschiedeten sich in Rio in der 470er-Klasse mit dem Sieg im Medal Race.

Yannick Brauchli und Romuald Hausser fahren im Medal Race der 470er zum Sieg. Trotzdem reichte es nicht für ein Platz unter den Top 8.

Yannick Brauchli und Romuald Hausser fahren im Medal Race der 470er zum Sieg. Trotzdem reichte es nicht für ein Platz unter den Top 8. Bild: Keystone

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Yannick Brauchli, was überwiegt? Die Freude über den Sieg im Medal Race oder der Ärger, als Gesamtneunte das angestrebte Olympiadiplom knapp verpasst zu haben?
Eindeutig der Sieg in einem olympischen Medal Race. Wir treten in einer der umkämpftesten Klassen an. Nur die zehn besten Boote waren dabei – und wir gewinnen. Das ist genial und finde ich wertvoller als das Diplom. Daran werde ich mich immer erinnern. So gesehen, haben wir unser Ziel erreicht, auch wenn es nicht der Platz unter den Top 8 war, den wir eigentlich gewollt hätten.

Das Medal Race bestätigte es: Wäre nicht noch mehr möglich gewesen?
Wir haben in den zehn Wettfahrten vor dem Medal Race unsere Chancen auf einen Top-5-Platz leider nie gepackt, wenn wir die Chancen dazu hatten. Es lag vielleicht auch etwas am Selbstvertrauen, dabei könnten wir es. Auf der anderen Seite ist eine unserer Stärken, dass wir konstant segeln. Das hat uns auch weit gebracht. Wir hatten Läufe mit guten Starts, worauf wir die Ausgangslage nicht nutzen konnten. Im Medal Race begannen wir ebenfalls gut; dann konnten wir die Handbremse lösen und voll auf Sieg fahren.

Es war ihre letzte Regatta mit Romuald Hausser, mit dem Sie seit 2009 segeln.
Ja, unser letztes Rennen als Team. Das war ziemlich emotional. Von jetzt an gehen wir getrennte Wege. Ich bin auch stolz darauf, was wir als Team erreicht haben. Wir hatten Höhen und Tiefen. Als es wichtig war, haben wir immer zusammen gefunden. Dass wir gemeinsam jetzt so aufhören konnten, ist eine riesige Genugtuung. Der perfekte Abschluss.

Wie geht es weiter?
Am Donnerstag haben wir auf unseren Abschluss angestossen. Am Freitag gings weiter mit Container packen, am Samstag fliege ich nach Hause, am Montag beginnt die Schule. Ich hatte das KV abgeschlossen und mache die Berufsmatur. Später möchte ich studieren; Sportmanagement ist die Idee, wahrscheinlich in Chur. Ich bin sieben Jahre lang Vollzeit gesegelt. Jetzt ist Zeit für etwas Anderes. Ich freue mich auch auf anderen Sport, Mountainbike und Snowboard beispielsweise.

Und wie stehts um die Karriere als Segler?
Stand heute ist: Ich habe keine Lust, nochmals eine Olympiakampagne zu starten. Das ist sehr intensiv und mit viel Aufwand verbunden. Segeln als Spitzensport ist, logistisch gesehen, ein ziemlicher Krampf. Man ist auf der ganzen Welt unterwegs und oft weg. Unser Verband macht viel für uns. Andererseits müssen wir auch für Vieles selbst schauen, etwa bei der Sponsorensuche. Wie gesagt, das ist der Stand heute. Es kann sich ja wieder ändern.

Wenn Sie auf die letzten sieben Jahre als Segelprofi zurück blicken: Hat es sich gelohnt?
Spitzensportler sein und auf Ziele hin arbeiten, hat mir sehr gut gefallen. All die Jahre brachten mir vollkommen viel, auch Lebenserfahrung. Ich würde diese Zeit nie für etwas Anderes tauschen. (zsz.ch)

Erstellt: 19.08.2016, 08:31 Uhr

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