Rapperswil-Jona

«Wer nicht aufgibt, gewinnt!»

Tina Ferrat, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Baumann, spielt seit 2000 beim TSV Jona Faustball und strebt den sechsten Feld-Meistertitel in Serie an. Die 27-Jährige zählt zudem zum Stamm des Nationalteams.

Wäre es Essenszeit, würde sich die seit zwei Jahren in Uetikon lebende Jonerin Tina Ferrat statt eines Cappuccinos Züri-Gschnätzlets gönnen.

Wäre es Essenszeit, würde sich die seit zwei Jahren in Uetikon lebende Jonerin Tina Ferrat statt eines Cappuccinos Züri-Gschnätzlets gönnen. Bild: Silvano Umberg

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Sie haben einen Cappuccinobestellt. Was mögen Sie daran?
Tina Ferrat: Das Schäumchen und das Kakaopulver. Einen normalen Kaffee kann ich zu Hause trinken.

Ist das auch Ihr Lieblings­getränk?
Eher Coca-Cola Zero oder, vor allem­ nach einem intensiven Trai­ning, Eistee.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Einen Matchtag schliesse ich gerne mit einer Bratwurst ab. Ansons­ten geht nichts über Züri­Gschnätzlets hier im Sonnenhof. Seit ich vor zwei Jahren nach Uetikon­ zog, bin ich Stammgast.

Können Sie Ihr Lieblings­gericht auch selbst zubereiten?
Ja, aber nicht gleich gut. Ich koche­ eher selten – weil die Zeit fehlt neben der Arbeit und dem Faustball mit drei Trainings pro Woche, Meisterschaft, Europapokal und Nationalteam.

Inwiefern achten Sie als Sportlerin auf die Ernährung?
Bratwurst und Gschnätzlets ­deu­ten nicht auf eine wirklich gesunde Ernährung hin. (lacht) Generell achte ich schon darauf, dass ich ausgewogen esse. Aber wenn ich Lust auf etwas habe, oftmals Süsses, dann gönne ich mir das.

Wie sieht der Speiseplan an einem Spieltag aus?
Wichtig ist ein guter Zmorge. Vor und zwischen den Partien – meist absolvieren wir ja meh­rere an einem Tag – esse ich dann eine Banane oder einen Riegel, jedenfalls nichts, das aufliegt. Brauche ich einen Energieschub während des Matchs, tut es etwas Traubenzucker. Und nach getaner «Arbeit» gönne ich mir wie erwähnt gerne eine Bratwurst. (schmunzelt)

Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Das KV, und dann eine Weiterbildung im Immobilienbereich.

Und welche Tätigkeit üben Sie heute aus?
Ich arbeite in der Immobilien­bewirtschaftung, seit November bei einer Firma in Ueti­kon. Im Wohnort zu arbeiten, ist Luxus. Und wir haben ein super Team.

Sie müssen einen verständnisvollen Chef haben. Sie dürften ab und an fehlen im Büro.
Die meisten Absenzen decke ich durch Ferien ab. Dazu nehme ich allenfalls eine Woche unbezahlt frei. Aber es ist schon so: Ohne Entgegenkommen des Arbeit­gebers ginge es nicht.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Na ja, ein Grossanlass ist es nicht gerade. Aber ich ging früher oft mit Kolleginnen oder meinen zwei Brüdern die Eishockey­spiele der SCRJ Lakers schauen. Das war für uns immer ein Highlight.

Wie sind Sie zum Faustballgekommen?
Durch meine Brüder Marco (31- jäh­rig; Red.) und Mauro (29). Eigentlich wollte ich ja Fussball spielen, doch meine Eltern hatten kein Einsehen – wohl, weil sie an den Wochenenden nicht an verschiedene Orte hinfahren wollten. (lacht) Nun bin ich froh, dass ich beim Faustball gelandet bin. Beim TSV, ja eigentlich im Faustball weltweit, sind wir wie eine grosse Familie. Und ich durfte sehr viel erleben und kam weit herum­ durch den Sport.

Als Aussenstehender nimmt man vor allem die Angreiferinnen wahr, Sie sind aber Abwehrspielerin. Warum? Was fasziniert Sie am Verteidigen?
Ich spielte oft mit Männern Faust­ball. Im Angriff konnte ich da nicht mithalten. Zudem ist mein Bruder Marco mein grosses Vorbild. Auch er spielte jeweils hinten rechts. Und was mich am meisten fasziniert, sind die Hechtsprünge. Ich liebe es, dem Ball hinterherzuhechten. (lacht)

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Speziell in Erinnerung geblieben ist mir der erste Feld-Meistertitel 2013. Das Finalspiel war mega ­umkämpft, wir lagen sogar hinten. Die Zuschauerkulisse war enorm – und die Freude über die Premiere riesig. Ebenfalls sehr schön war der Gewinn der Silbermedaille beim Europapokal 2016 auf der heimischen Anlage im Grünfeld.

«Eigentlich wollte ich ja Fussball spielen.»Tina Ferrat

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Dass ich 2009 nicht zur U-18-WM in Namibia mitfahren durfte. Im Nachhinein war es für mich aber das Beste, denn es motivierte mich, noch härter zu trainieren, noch besser zu werden. (Mittlerweile hat Tina Ferrat 37 Länderspiele mit dem A-Nationalteam bestritten und WM- sowie EM-Bronze gewonnen; Red.)

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie die Heimrunde vom kommenden Sonntag in Angriff?
Wir haben bisher eine reine Weste­ – das soll so bleiben. Wir wollen die Quali gewinnen und den sechsten Titel in Serie holen.

Es scheint, als wäre dies eine reine Formsache.
Die Spiele müssen immer erst ­gespielt sein. Aber ich sage es mal so: Wenn bei uns jede ihr Niveau ab­rufen kann, stehen unsere Chan­cen sehr gut.

Wer kann den Jonerinnen am ehesten gefährlich werden?
Einerseits unser Dauerrivale Ober­entfelden (stand zuletzt, inklu­sive Halle, in drei Finals in Folge; Red.). Andererseits das junge Team aus Diepoldsau. Wenn dieses zur Hochform aufläuft, ist nichts unmöglich.

Während der langen Meisterschaftspause im Sommer bestrei­ten Sie mit Jona den Womens Champions Cup in Deutschland und mit dem Natio­nalteam die WM in Österreich. Was sind da Ihre Ziele?
Im Champions Cup ist das Ziel sicher­ die Halbfinal-Qualifi­kation. Wir sind jedoch in einer schwierigen Gruppe. Und mit der Nati liegt eine Medaille drin, wenn alles passt.

Zurück zu Ihnen: Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Eine Viertelstunde – mit Zähneputzen und allem. Ich bin unkompliziert. (lacht)

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit Cristiano Ronaldo. Er ist schon jetzt eine Legende, nicht zu toppen als Fussballer.

Welche Person bewundern Sie?
Roger Federer. Ich finde es faszinierend, wie er alles unter einen Hut bringt, nach wie vor so gut spielt und trotz all der Erfolge stets auf dem Boden geblieben ist.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Das Wichtigste ist, Zeit mit der Familie­ und Freunden verbringen zu können – bei was auch immer.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Vor dem Champions Cup fahren wir noch für einen Tag nach Hamburg. Und nach dem Finalevent der Schweizer Meisterschaft im September holen wir die Flitterwochen nach, auf der Karibikinsel Aruba. (Die zivile Trauung fand vorletzte Woche statt, die kirch­liche ist am 1. September; Red.)

Ihr Lieblingssong?
«The Time of my Life» aus dem Film «Dirty Dancing».

Ihr Lieblingsfilm?
«Dirty Dancing» ist sicher einer, den ich immer wieder schauen kann. Generell schaue ich eher Serien, aktuell «Chicago Fire».

Ihr Lieblingsbuch?
Ich lese nicht gern.

Ihr Lebensmotto?
Wer nicht aufgibt, gewinnt!

Was ist Ihr grösstes Laster?
Schokobonbons.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin ehrgeizig und spontan.

Was macht Sie glücklich?
Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen, es zusammen schön zu haben.

Was ärgert Sie?
Wenn Leute nicht ehrlich sind.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Gesund und zufrieden zu sein ­sowie die Familie und Freunde.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Eine eigene Familie zu haben, ist sicher ein Ziel. Der Zeithorizont ist aber offen. Faustball werde ich wohl auch noch spielen, wenn auch nicht mehr im NLA-Team, sondern nur noch zum Plausch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.06.2018, 10:23 Uhr

Worum gehts?

In der 4. Runde der NLA-Feld-Meisterschaft (ab 9.30 Uhr, Grünfeld) geniessen die Jonerinnen morgen Sonntag Heimvorteil. Nicht nur darum gelten sie allerdings als Favoritinnen, sondern vor allem, weil sie verlustpunktloser Leader sind und ihnen­ mit Embrach (6. Rang), Schlieren (7.) und Walzenhausen (8.) die drei bisher schwächsten Teams der Saison gegenüberstehen. Im Anschluss pausiert die Meisterschaft. Die abschliessende Runde steht erst am 19. August an, der Finalevent schliesslich am Wochenende vom 8./9. September in Oberentfelden. Dafür ist Jona bereits jetzt qualifiziert. (su)

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