Tennis

«Tennis ist wie eine Sucht»

Fabian Rötschi tingelte viele Jahre als Profispieler durch die Welt. Heute ist der 37-Jährige Mitinhaber des Tenniszentrums Horgen und Leiter der dortigen Tennisschule. Quasi nebenbei spielt er noch für den TC Horgen Nationalliga-B-Interclub.

Fabian Rötschi gönnt sich vor Arbeitsantritt im Tenniszentrum Horgen, dessen Mitinhaber er ist, gerne einen Cappuccino.

Fabian Rötschi gönnt sich vor Arbeitsantritt im Tenniszentrum Horgen, dessen Mitinhaber er ist, gerne einen Cappuccino. Bild: Silvano Umberg

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Sie haben einen Cappuccino bestellt. Was mögen Sie daran?
Fabian Rötschi: Den Geschmack, den Geruch. Und Kaffee trinken hat für mich immer auch etwas Gemütliches an sich.

Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
Meistens trinke ich Mineralwasser. Am Abend gönne ich mir auch einmal ein Glas Rotwein.

Was essen Sie gerne?
Fleisch... und ich mag es «medium rare».

Können Sie das auch selbst zubereiten?
Ja, ich koche sehr gerne und spiele auch gerne den Grillmeister. (schmunzelt) Leider komme ich nicht sehr oft dazu.

Inwiefern achten Sie auf die Ernährung?
Heute achte ich mehr drauf als zu jener Zeit, als ich noch Spitzensportler war. Unter der Woche bemühe ich mich, gesund und ausgewogen zu essen. Am Wochenende ist dann alles erlaubt. (schmunzelt)

Welche Einschränkungen müssen oder mussten Sie wegen des Sports in Kauf nehmen?
Früher, als Profispieler (1998 bis 2006; Red.), gab es für mich eigentlich nur Tennis. Da musste alles andere hinten anstehen. Als Tourspieler lebst du wie ein Zigeuner, bist ständig unterwegs. Auch an den Wochenenden hatte ich kaum je Zeit für anderes. Umso mehr schätze ich es nun, einmal frei zu haben. Und heuer gibt es ein Novum: Erstmals werden wir im Tenniszentrum Horgen (TZH) Betriebsferien machen, im August für zwei Wochen.

Wie werden Sie diese nutzen?
Ich werde mit meiner Freundin Veronika, die im TZH das Büro leitet, nach Sardinien fahren.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Das müssten die French Open gewesen sein, Anfang der 90er, als «Paradiesvogel» André Agassi dort für Furore sorgte (der Amerikaner stand in Paris 1990 und 1991 im Final; Red.).

Wie sind Sie zum Tennis gekommen?
Durch meinen Onkel. Damit sein Sohn nicht alleine ins Tennistraining gehen musste, fragte er, ob ich mitgehen wolle. Das war etwa in der 2. Primarstufe. Ich hatte sofort sehr viel Spass – und die Trainer ermutigten mich, mich immer intensiver dem Tennis zu widmen. Ich besuchte dann die Feusi Sportschule in Biel, war im Anschluss rund zwei Jahre in Salzburg an der Tennis-Akademie von Günther Bosch, dem früheren Coach von Boris Becker, und dann nochmals etwa gleich lange in Biel bei Swiss Tennis. Bis 2006 setzte ich voll auf den Sport, reiste mit Jean-Claude Scherrer von Turnier zu Turnier, spielte Interclub, um etwas Geld zu verdienen. Dies ging bis 2006 so, bis ich das Gefühl bekam, etwas anderes machen zu müssen, auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Denn bis da war ich immer sehr auf die Unterstützung meiner Eltern angewiesen. Sie waren mein Hauptsponsor. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Sie hatten mit Tennis, ja Sport generell nichts am Hut. Doch sie haben mich immer voll unterstützt – ohne Druck aufzusetzen.

Wie ging es dann weiter, respektive wie kamen sie schliesslich nach Horgen, wo sie nun zusammen mit Philipp Müllner und Christian Gell das Tenniszentrum führen?
Ich kam 2007 als Tennislehrer nach Horgen. Ich wollte an einen Ort, wo die Tennisschule noch nicht so gross ist, damit ich selber etwas aufbauen kann. Dies war hier der Fall. Damals gab es einen Wettkampfspieler im TZH, heute haben wir sechs Trainer und rund 300 Kinder. Ein Jahr später kam Philipp dazu, den ich von der Tour her kannte. 2012 bot sich uns die Möglichkeit, die Anlage zu übernehmen – wobei Philipp und ich für den Tennis-Part zuständig sind und Christian mehr für die Zahlen. Damit ging ein grosser Traum in Erfüllung.

Zurück zum Sport. Welches war da Ihr schönster Moment?
Es gab viele schöne. Ich liebte immer auch das Training, war jeden Tag mit Freude dabei. Speziell schöne Erinnerungen habe ich an den Interclub. Aufstiege sind immer etwas ganz spezielles. Auch der Meistertitel 2008 mit Wollerau war ein Highlight.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Dass ich im Wettkampf zu selten mein volles Potenzial abrufen konnte. Ich setzte mich jeweils selber zu stark unter Druck.

«Ich setzte mich jeweils selber zu stark unter Druck.»Fabian Rötschi

Apropos Druck: Sie kämpfen mit Horgens NLB-Team im Interclub gegen den Abstieg, müssen am Samstag gegen Zug zwei Punkte mehr holen als Lugano in Luzern. Kein einfaches Unterfangen.
Ich hoffe natürlich immer noch, dass es uns gelingt, die Liga zu halten. Die Vorzeichen stehen allerdings nicht sehr gut, denn neuerdings fällt auch noch Jean-Claude Scherrer verletzungsbedingt aus. Es müssen also wieder Junioren in die Bresche springen.

Was würde ein Abstieg in die 1. Liga für den TC Horgen bedeuten, respektive für Konsequenzen nach sich ziehen?
Seit zehn Jahren arbeiten wir auf das Ziel hin, die Aktiven in der NLB und die Junioren in der NLC zu haben. Gerade dann abzusteigen, wenn Letztere gute Chancen auf den Aufstieg besitzen, wäre bitter – aber es wäre sicher keine Katastrophe. Dann würden wir halt zwei NLC-Teams stellen.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit Roger Federer. Einmal bei einem Grand-Slam-Turnier vor riesiger Kulisse zu spielen, wäre sicher ein riesiges Erlebnis.

Welche Person bewundern Sie?
Auch Roger. Ich kenne ihn seit der Juniorenzeit. Er ist trotz all der Erfolge immer derselbe geblieben, und immer noch zu Spässen aufgelegt. (Kaum hat Rötschi dies gesagt, kommt Roger Federer um die Ecke, gesellt sich kurz an den Tisch um Hallo zu sagen, ehe er sich mit Trainer Severin Lüthi in die Lounge setzt und einen Kaffee trinkt. Rötschi klärt auf: Er werde im Anschluss an dieses Interview mit ihm trainieren. Roger sei oft im TZH zu Gast.)

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Am Samstag begleite ich unsere Junioren zu einem Wettkampf, bekomme von ihnen super Matches zu sehen. Den Sonntag nutze ich zum Skifahren oder Windsurfen.

Ihr Lieblingssong?
Keine Ahnung. Ich höre querbeet, von Minimal im Ausgang bis Klassik, beispielsweise wenn ich ein Konzert meines Vaters, der Pianist ist, besuche.

Ihr Lieblingsfilm?
Gladiator.

Ihr Lebensmotto?
Jeden Tag positiv angehen und versuchen, den Schülern auf dem Platz etwas mitzugeben, sportlich wie auch menschlich.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Der Sport. Tennis ist wie eine Sucht. Ich kann nicht sein ohne.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich kann gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen.

Was macht Sie glücklich?
Wenn meine Schüler Fortschritte machen und ich sehe, dass sie Freude am Tennis haben.

Was ärgert Sie?
Ungerechtigkeit.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Gesund zu sein und zu bleiben.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Hoffentlich immer noch dasselbe, wobei sich der Sport und auch wir als Lehrer und Tenniszentrum natürlich ständig weiterentwickeln. Nach den Sommerferien werden wir beispielsweise ein neues Videosystem einführen, das im Training, aber auch bei der Matchanalyse ganz neue Möglichkeiten bieten wird. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.06.2017, 17:22 Uhr

Worum gehts?

Nach einer von zahlreichen Verletzungen geprägten Saison nimmt die erste Mannschaft des TC Horgen die finale 5. Runde der NLB-Intebrclub-Meisterschaft als Schlusslicht der Gruppe 2 in Angriff. Um den Abstieg noch zu verhindern, müssen Fabian Rötschi und seine Teamkollegen morgen Samstag (ab 14 Uhr) im Heimspiel gegen Zug (3. Rang) zwei Punkte mehr ergattern als der Tabellenvorletzte Lugano bei Allmend Luzern (4.).

Möglich ist dies allemal, besteht eine Begegnung doch aus sechs Einzeln und drei Doppeln (es sind also neun Punkte zu vergeben). Allerdings können die Horgner erneut nicht in Bestbesetzung antreten. (su)

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