Squash

«Sehen, was Perfektion ist»

Im World Ranking von März wird der Hirzler Nicolas Müller erstmals seit drei Jahren wieder in den Top 20 geführt. «Das war bisher meine beste Saison», sagt der 28-Jährige. Und will weiter vorrücken.

Für einmal gönnt sich Nicolas Müller im Sihlsports in Langnau statt einem Espresso einen Cappuccino.

Für einmal gönnt sich Nicolas Müller im Sihlsports in Langnau statt einem Espresso einen Cappuccino. Bild: Stefan Kleiser

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Sie haben einen Cappuccino bestellt. Was mögen Sie daran?
Nicolas Müller: Normalerweise trinke ich keinen Cappuccino, sondern Espresso. Aber heute muss ich etwas trinken, das länger hinhält, wenn wir ein Interview machen. An einem Cappuccino mag ich das Schokoladenpulver und dass er etwas süss ist.

Sind der Cappuccino und der Espresso auch Ihre Lieblings­getränke?
Definitiv nicht! Mein Lieblingsgetränk ist normales Wasser mit Kohlensäure oder Schweizer Hahnenwasser. Das mag ich, wenn ich aus dem Ausland zurück­komme. Dann weiss ich, dass ich zu Hause bin. Im Ausland hat Hahnenwasser einen Chlorgeschmack.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Ich esse gern asiatisch und italienisch. Eigentlich habe ich ­alles gern. Ich bin einfach, wenn es um das Essen geht.

Können Sie auch selbst asiatisch oder italienisch kochen?
Italienisch geht, asiatisch nicht so. Ich koche selten. Wenn ich in der Schweiz bin, kocht meine Mutter. Und in Deutschland gehe ich oft auswärts essen. Wenn man alleine wohnt, kostet es aus­wärts fast gleich viel, wie wenn man alles­ einkaufen muss.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Die Ernährung ist extrem wichtig. Du musst als Sportler genug Kohlenhydrate, Proteine und Vitamine zu dir nehmen. Klar gibt es Tage, da esse ich einen Burger. Aber mehrheitlich muss ich auf die Ernährung achten. Über die Jahre weiss man, was der Körper braucht. Früher habe ich zwei Stunden vor einem Wettkampf gegessen, mittlerweile vier oder viereinhalb Stunden vorher.

«In der eigenen Stadt zu spielen ist ein Traum.»Nicolas Müller

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Mit Squash. Für eine sieben­köpfige Familie reicht das Einkommen aber nicht.

Eine siebenköpfige Familie?
Das war die erste Zahl, die mir in den Sinn kam. Meine Lieblingszahl ist die 24, aber das wäre dann ein bisschen viel.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-WM 1994 in den USA. Ich hatte ein Panini-Album. Es war am Ende voll, logisch. Im GC-Stadion gab es eine Tauschaktion, da haben wir Bildchen getauscht­. Die Schweiz hat 4:1 gegen Rumänien gewonnen, das weiss ich noch. Ich habe alle ­Spiele gesehen, und ich hatte einT-Shirt des Brasilianers Romario.

Wie kamen Sie zum Squash?
Durch meine Eltern. Mein Vater und meine Mutter haben Squash gespielt. Sie hatten keinen Babysitter und nahmen mich und meinen Bruder einfach mit. Sie gaben uns einen Ball in den Court, und los! Mit 5 ging ich in den Club. Das war auch 1994. 1994 war also ein sportlich bedeutendes Jahr.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
2007 wurde ich Junioren-Europameister. Oder nein: der GC-Cup! Das Einlaufen gegen Ryan Cuskelly 2016, als ich die 500 Schweizer Fähnchen auf der Tribüne sah ...

Und welches war Ihre grösste Enttäuschung?
Als ich 2013 am GC-Cup in den Viertelfinals gegen Daryl Selby verloren habe – nachdem ich im fünften Satz 8:0 geführt hatte.

Hat diese Niederlage Sie zu einem besseren Spieler gemacht?
Für die nächsten zwei, drei Monate definitiv zu einem schlechteren. Heute lache ich darüber.

Und die knappe Niederlage 2008 an der Junioren-WM in Schlieren im Halbfinal gegen Mohamed Elshorbagy, die heutige Nummer 1 der Welt?
Ach, das ist schon zehn Jahre her. Das habe ich längst verdrängt. Aber das mit Selby ist erst fünf Jahre her ...

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie nächste Woche den Grasshopper Cup in Oerlikon in Angriff?
Ich freue mich auf einen super Anlass. Die Auslosung könnte bes­ser sein. Aber ich freue mich auf eine Bomben-Stimmung.

Welche Bedeutung hat der Grasshopper­ Cup für Sie?
In der eigenen Stadt zu spielen ist ein Traum. Ich spiele ­extrem gern vor Freunden und vor der Familie. Ich spiele besser vor eigenem Publikum, vor Leuten, die meine Leistung schätzen.

Sie sind in der Weltrangliste von März auf Platz 18 vorgestossen. Wieso läuft es Ihnen, nach mehreren nicht wahnsinnig tollen Jahren, diese Saison so gut?
Der Körper hat gehalten, und das Training in Deutschland hat sich bezahlt gemacht. Das Selbstvertrauen ist da. Technisch und taktisch hat sich nicht viel verändert, da bin ich immer noch ausgezeichnet. (lacht) Ich habe Finals an Turnieren mit 25 000, 35 000 und 50 000 Dollar Preisgeld erreicht, was mir vorher nicht gelang­. Es ist definitiv meine bisher beste Saison.

Und was ist der nächste Schritt?
Ich muss diese Saison bestätigen. Und wenn möglich die Ergeb­nisse weiter verbessern, ein 35 000er- oder ein 50 000er-Turnier gewinnen. Der Aufbau hat sich bewährt. Ich werde ­darum im Sommer wieder drei Monate in Paderborn trainieren.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Keine Minute.

Mit welcher Person würden Sie gern einen Tag tauschen?
Mit niemandem. Vielleicht mit Roger Federer, um zu sehen, was Perfektion ist, was es heisst, das perfekte Tennis zu spielen. Okay, ich glaube nicht, dass er jemals 100 Prozent zufrieden ist. Perfekt, das geht nicht – es geht immer noch besser. Einmal, in Katar gegen Karin Darwish, habe ich einen perfekten ersten Satz gespielt­. Und erst vor kurzem in Indien gegen Chris Simp­son 14 per­fekte Punkte.

Welche Person bewundern Sie?
Meine Mutter. Wie stark sie ist.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Wenn es ein Schönwetter-Wochenende ist, verbringe ich es auf dem Golfplatz. Und bei schlechtem Wetter brauche ich einen riesigen Flat­screen und eine bequeme Couch, um mir meine TV-Serien reinzuziehen.

Wo verbringen Sie ihre nächsten Ferien? Und mit wem?
Auf Mauritius. Aber das sind eigent­lich keine Ferien, das ist ein Einladungsturnier. Und Anfang­ Juli bin ich mit acht anderen­ Squashern irgendwo in Spanien in den Golfferien.

Welches ist Ihr Lieblingssong?
Ich habe keine Musik auf dem Handy. Nur dieses Album von U2, das von Apple automatisch schon draufgeladen war.

Ihr Lieblingsfilm?
«Gladiator.»

Ihr Lieblingsbuch?
«Outliers» von Malcolm Gladwell. Es ist mit Abstand das beste Buch – und eines der wenigen, das ich gelesen habe.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ich habe keines.

Welches ist Ihr grösstes Laster?
Das kann ich auch nicht wirklich sagen. Ich bin kein Morgenmensch.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin meistens positiv gelaunt.

Was macht Sie glücklich?
Wenn die kleinen Sachen funktionieren.

Was ärgert Sie?
Wenn die kleinen Sachen nicht funktionieren. Ich rege mich mehr über kleine Dinge auf als über grosse Sachen.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Gesundheit und die Familie.

Was werden Sie in zehn Jahren machen?
Dann bin ich 38. (überlegt) Ich werde fünf Kinder durchbringen. (lacht) Nein, ich habe keine ­Ahnung. Ich werde wohl immer noch irgendwo im Sport involviert sein, als Coach. Oder als ­TV-Experte. (schmunzelt) Aber sicher nicht als Schiedsrichter. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 12:51 Uhr

Worum gehts?

In der nächsten Woche wird in Zürich der mit 100 000 Dollar Preisgeld dotierte Grass­hopper Cup ausgetragen. Der Event findet­ erstmals in der Halle 622 in Oerli­kon statt. Das Turnier ist wie bereits in den letzten Jahren hervorragend besetzt: Mit Mohamed Elshorbagy, Grégory Gaultier, Karin Gawad, Tarek Momen, Simon Rösner, Mohamed Abouelghar und Ramy Ashour sind sieben der zehn besten Squa­sher der Welt gemeldet. Der Hirz­ler Nico­las Müller vom SC Sihltal, die Nummer 18 der Welt, trifft in der ersten Runde am Mittwoch um 20 Uhr auf den Topgesetzten Gaultier. Die Aufgabe ist schwierig: Bisher hat der 28-jährige elffache Schweizer-Einzel-Meister alle Duelle gegen den Welt­meis­ter von 2015 aus Frankreich ver­loren. (skl)

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