Schwingen

«Sah den Zeitpunkt gekommen»

16 Saisons sind genug hat sich Kranzgewinner Paul Korrodi aus Schönenberg gesagt und die Zwilchhose an den berühmten Nagel gehängt. Der 35-jährige Landwirt will mehr Zeit für seinen Betrieb und seine zwei Kinder haben.

Paul Korrodi trinkt seinen Kaffee «natürlich mit Milch» und am liebsten zuhause in Schönenberg, umgeben von den vielen schönen Sachpreisen.

Paul Korrodi trinkt seinen Kaffee «natürlich mit Milch» und am liebsten zuhause in Schönenberg, umgeben von den vielen schönen Sachpreisen. Bild: Silvano Umberg

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Sie haben sich einen Milchkaffee zubereitet. Was mögen Sie daran?
Paul Korrodi: Dass ich den Kaffee mit Milch trinke, liegt auf der Hand. (schmunzelt) Viele Tassen sind es nicht. Eine am Morgen, eine nach dem Mittagessen.

Was ist Ihr Lieblingsgetränk?
Rivella.

Und was essen Sie gerne?
Ich bevorzuge die Küche meiner Mutter. Mein Favorit ist Kotelette mit Nudeln und Gemüse.

Wie steht es um Ihre eigenen Kochkünste?
Ich koche nicht oft, könnte mich aber gut alleine durchschlagen.

Inwiefern achteten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich bin ein guter Esser, esse gerne. Zwischen der Saison und dem Start des Wintertrainings habe ich jeweils etwas zugenommen. In Zukunft werde ich mich sicher etwas zurückhalten müssen.

Was bewog Sie dazu, Ihren Rücktritt zu geben?
Mit der Teilnahme am Eidgenössischen ging 2016 ein grosser Traum in Erfüllung. Danach tauchte erstmals der Rücktrittsgedanke auf. Im Winter merkte ich, dass das Feuer doch noch zu stark brennt. Also hängte ich eine Saison an. Der Körper schmerzte allerdings immer mehr nach den Festen. Und auch die Motivation fürs Training liess nach. So sah ich den Zeitpunkt gekommen.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Als ich 2010 in Wald meinen ersten Kranz holte, war das ein einschneidender Moment. Ich war zuvor so oft ganz nahe dran gewesen, doch es wollte einfach nicht klappen. Ein Höhepunkt war wie gesagt auch das Eidgenössische. Und dass ich heuer noch zwei ausserkantonale Kränze gewinnen würde (womit es Korrodi total auf zehn Kränze bringt; Red.), damit hatte ich auch nicht gerechnet.

«Manchmal riskierte ich vielleicht auch etwas zu viel.»Paul Korrodi

Welches war die grössteEnttäuschung?
Eigentlich sollte man im Nachhinein nicht von Enttäuschungen sprechen. Ich bin ganz zufrieden, wie es lief. Ich hatte sicher ab und zu eine sehr schwierige Einteilung – was manchmal etwas auf die Motivation schlagen kann.

Welchen Kampf werden Sie nie vergessen?
Jenen im 6. Gang des Glarner-Bündner 2015. Ich hatte gute Aussichten auf den Kranz. Als mir dann mit Beni Notz ein Eidgenosse zugeteilt wurde, dachte ich schon: «Das wars.» Ich setzte dann aber alles auf eine Karte, ging im ersten Zug volles Risiko – und legte Notz nach drei Sekunden auf den Rücken. (schmunzelt)

Gegen wen stiegen Sie am liebsten, gegen wen am wenigsten gern in den Ring?
Da kann ich keine Namen nennen. Grundsätzlich kam es mir immer entgegen, wenn das Gegenüber wie ich offensiv eingestellt war. So gab es meist auch sehenswerte Gänge. Aber manchmal riskierte ich vielleicht auch etwas zu viel – und verlor unnötig.

Hatten Sie im Schwingen ein Vorbild?
Nein. Vorbilder sucht man sich meist als Kind oder Jugendlicher. Ich kam aber erst mit circa 20 Jahren zum Schwingen.

Und wie kamen Sie dazu?
Im Vorfeld des Zürcher Kantonalen 1999 in Horgen überredete mich ein Kollege dazu, ins Training zu kommen. Nach diesem ersten Fest war das Schwingen dann aber vorerst kein Thema mehr. Ich begann die Bauernlehre, absolvierte je ein Jahr im Welschland und im Aargau. Nach der Abschlussprüfung und der RS stieg ich ab sofort wieder ein. Das war 2002. Zuvor war ich im Reitsport tätig gewesen, bestritt Concours. (Paul Korrodis Mutter führt eine Reitschule und Pferdepension auf dem familieneigenen Hof in Schönenberg; Red.)

Bleiben Sie dem Schwingsport in anderer Form erhalten?
Auf jeden Fall. Seit ein paar Jahren bin ich Technischer Leiter in unserem Klub. Dies werde ich weiterführen. Ich werde auch weitertrainieren – als Ausgleich für mich und natürlich auch, um den Jungen etwas weiterzugeben. Wir haben viele Talente im Klub. Für die ist es wichtig, dass Kranzschwinger dabei sind – als Vorbild und Trainingspartner. Und nach meinem Rücktritt ist ja Andreas Gwerder der einzige verbliebene aktive Kranzer.

Dennoch dürften Sie künftig etwas mehr Freizeit haben. Was stellen Sie damit an?
Seit ich 2012 den Bauernbetrieb mit Milchwirtschaft und Viehzucht von meinem Vater übernahm, war Zeit immer ein sehr knappes Gut. Und es brauchte viel Organisation, Stellvertreter fürs Melken etc. an den Wochenenden. Es war auch nicht immer einfach, nach einem anstrengenden Tag am Abend noch ins Training zu gehen. Dies alles spielte mit hinein beim Rücktrittsentscheid. Die frei gewordene Zeit werde ich dem Betrieb widmen – und meinen Kindern. Mein Sohn (13-jährig; Red.) schwingt auch, meine Tochter (11) beginnt in Bälde Concours zu reiten. Ich will beide möglichst gut unterstützen.

Sie sind auch ein passionierter und erfolgreicher Züchter. Der Siegermuni am vergangenen Kilchbergschwinget stammte von ihrem Hof.
Sogar alle drei Lebendpreise. Das war ein Highlight und macht mich stolz.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Das habe ich mir so noch gar nie überlegt. (denkt nochmals nach) Mit niemandem, ich bin sehr glücklich in meiner Haut.

Welche Person bewundern Sie?
Einige. Der Klassiker ist Roger Federer, der trotz seines unglaublichen Erfolgs immer auf dem Boden geblieben ist. Ich bewundere aber auch Leute, die kranke Menschen pflegen oder sich im humanitären Bereich einsetzen.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Jetzt, da nicht mehr jedes Wochenende in die Hosen muss, geniesse ich einfach die freie Zeit mit den Kindern und meiner Freundin (Korrodi und seine Frau leben in Scheidung; Red.). Ein ausgiebiger Brunch am Sonntag gehört sicher auch dazu.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
In den Sportferien gehe ich sicher wieder einige Tage Skifahren mit den Kindern – wohl wiederum im österreichischen Serfaus.

Ihr Lieblingslied?
Kein bestimmtes. Ich höre, was gerade so im Radio aktuell ist.

Ihr Lieblingsfilm?
Avatar fand ich sehr gut.

Ihr Lieblingsbuch?
Ich lese eigentlich nur die Schwingerzeitung «Schlussgang».

Ihr Lebensmotto?
Immer nach vorne schauen.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Ich etwas unpünktlich… was mich selber am meisten ärgert.

Und welches ist Ihre besteEigenschaft?
Mein Durchhaltewillen.

Was macht Sie glücklich?
Die Familie, der Beruf, der Sport.

Was ärgert Sie?
Unehrlichkeit.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Dass meine Liebsten und ich gesund und glücklich sind.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Da werde ich immer noch meinen Betrieb führen… und sicher auch ab und zu als Zuschauer ein Schwingfest besuchen. In einer ersten Phase werde ich darauf eher verzichten – es würde mir wohl zu nahe gehen. Als ich vergangene Woche Dankeskärtchen für jene Personen schrieb, die mich als Schwinger begleitet und unterstützt haben, bekam mich ein ziemlich mulmiges Gefühl. Das Herz schlägt halt immer noch für diesen Sport. Aber, das kann ich schon jetzt sagen: Ein Rücktritt vom Rücktritt kommt für mich nicht infrage. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.09.2017, 18:13 Uhr

Worum geht's

Neben Paul Korrodi ist mit Adrian Oertig heuer ein zweiter Kranzschwinger aus der Region zurückgetreten. Der 36-Jährige aus Goldingen hatte sein Karrierenende früh in der Saison angekündigt, den Zeitpunkt aber offen gelassen. Schliesslich fiel seine Wahl auf den Rickenschwinget vom 6. August. «Ich bin in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen, hatte immer eine spezielle Beziehung zu diesem Fest», erklärt der Pöstler. Ein guter Entscheid. Erstens zeigte er ein gutes Fest (drei Siege, drei Gestellte), verpasste den Schlussgang nur ganz knapp. Zweitens wurde er vom Heimpublikum gebührend gefeiert und verabschiedet. «Es war ein sehr emotionaler Tag mit vielen tollen Begegnungen und wunderschönen Momenten.»
Natürlich hätte Adrian Oertig noch auf eine zweite Teilnahme am Unspunnen-Schwinget spekulieren können. Doch spätestens nachdem er beim St. Galler Kantonalen in Rapperswil-Jona seinen 40. Kranz ergattert hatte, war für ihn dieses Thema abgehakt – zumindest als Aktiver. Wie zuvor auf der Schwägalp war er in Interlaken als Zuschauer vor Ort, doch lange hielt es ihn nicht auf der Tribüne: «Es kribbelte zu stark. Und ich wollte meinen Cousin Dominik unterstützen.»(su)

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