Rad

Quereinsteigerin im Quersport

Tanja Blickenstorfer teilt mit ihrem Freund Daniel Humm nicht bloss die Leidenschaft fürs Velofahren. Die 25-Jährige aus Horgen bestreitet die Radquers auch auf den selben Rädern wie ihr Partner – so auch am Sonntag an der SM in Sitten.

Am Berchtoldstag in Meilen musste die Horgnerin Tanja Blickenstorfer beissen.

Am Berchtoldstag in Meilen musste die Horgnerin Tanja Blickenstorfer beissen. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Organisatorisch sei es schon eine Herausforderung, gesteht sie. Am Finale der EKZ Crosstour am Berchtoldstag in Meilen startete Amateur Daniel Humm um 11.25 Uhr. Neben dessen Vater stand in der Wechselzone auch Freundin Tanja Blickenstorfer. Noch bevor ihr Partner das Ziel erreichte, musste sie sich jedoch umziehen, um hernach die Streckenbesichtigung in Angriff nehmen zu können. «Zum Glück war es nicht so dreckig, sonst wäre es mit dem Reinigen der Velos extrem stressig geworden», sagt die 25-Jährige.

Denn aus Kostengründen bestreitet das Duo vom Team Staub Hirzel, das von Humms Arbeitgeber alimentiert wird, die Radquers mit den selben drei Velos. Einzig die Sattelhöhe muss jeweils angepasst werden. Um 13.45 Uhr erfolgte auf der Allmend der Start des Frauenrennens. Blickenstorfer kam gut weg – fast zu gut. «Normalerweise bin ich eine Langsamstarterin und Rolle das Feld von hinten auf», sagt sie.

In Meilen geriet sie ob der ungewohnten Situation in einen Stresszustand. «Prompt kam ich vor der Doppelhürde nicht aus dem Klickpedal und stürzte. Schon war das Rennen gelaufen.» als 29. und letzte kam die Horgnerin ins Ziel – 7:42 Minuten hinter Siegerin Jolanda Neff.

9000 Kilometer pro Jahr

Dabei hatte sich Blickenstorfer vor zwei Jahren noch gar nicht vorstellen können, überhaupt jemals in Meilen, geschweige denn gegen die dreifache Gesamtsiegerin des Mountainbike-Weltcups anzutreten. «Als ich Dani Anfang 2017 nach Meilen begleitete und die steile Abfahrt sah, dachte ich, da würde ich nie runterfahren.»

Eine Rennlizenz löste Tanja Blickenstorfer erst im folgenden Sommer. Zuvor hatte sie als Hobbyfahrerin Bikerennen bestritten. Als Kind, sie wuchs in Wädenswil auf, habe sie mit Sport eigentlich nichts am Hut gehabt. «Ich war sogar recht übergewichtig und im Turnen immer die Letzte die gewählt wurde.» Um abzunehmen, begann sie zu joggen. Später kam das Velofahren hinzu. Inzwischen weist ihr Strava-Profil über 28 000 km aus. «2018 habe ich etwa 9000 Kilometer abgespuhlt – im Vergleich zur Konkurrenz ist das nichts», hält Blickenstorfer fest. Die gelernte Malerin, die eine Reinigungsfirma betreibt und in einem Sportgeschäft arbeitet, kann als Amateurin auch nur in ihrer Freizeit trainieren.

Fehlende Rennpausen

Erstmals eine Startnummer trug die Horgnerin an einem Bike-Marathon 2012 in Schleitheim. «Noch mit Turnschuhen und einem bloss 1000 fränkigen Velo», erinnert sie sich und lacht. Die längeren Distanzen mag sie lieber, deshalb wird die 25-Jährige dieses Jahr an Bikerennen von von der Mittel- auf die Langdistanz wechseln. Radquers mit einer Renndauer von 45 Minuten seien für sie eigentlich viel zu kurz, «aber sie sind ein super Training».

Apropos Training: Bisher bereitete sich die Quereinsteigerin ohne spezifische Pläne vor. Seit diesem Jahr richtet sich nach den Vorgaben von Marcus Kahler. Der Thalwiler ortete sofort ein Problem. Weil Blickenstorfer sehr viele Rennen auf der Strasse, mit dem Bike und jetzt an Quers bestreitet, gönnte sie sich keine Off-Season zur Regeneration. «Mit meinem Freund die Saisonplanung auf einen Nenner zu bringen, ist schwierig», sagt Blickenstorfer, die nach der Schweizer Meisterschaft am Sonntag für zehn Tage in Gran Canaria verbringen wird – für Ferien und als Trainingslager. In der ersten Jahreshälfte will sie sich auf Strassenrennen, danach auf Bike-Marathons konzentrieren.

Preisgeld für Hawaii

An der SM in Sitten möchte die Horgnerin die Quer-Saison, die nach einem guten Start ernüchternd verlaufen sei, «mit einem guten Gefühl abschliessen». Im Minifeld mit acht Fahrerinnen ist sie klare Aussenseiterin. «Es ist schade, dass es nicht mehr Frauen gibt, die an Rennen teilnehmen», bedauert Blickenstorfer. Eine grössere Breite käme Quereinsteigerinnen und Juniorinnen entgegen. «Sich gleich auf Anhieb mit Profis wie Jolanda Neff oder Nicole Hanselmann zu messen, ist happig.» Und dass an Strassenrennen in der Schweiz nur zehn Fahrerinnen am Start stünden und sie deshalb oft mit den U-19-Fahrern eingeteilt würden, mache es auch nicht einfacher.

Was ist ihre Motivation? «Velofahren gibt mir ein gutes Gefühl. Und ich habe auf dem Rad Dinge erlebt, die sonst nie möglich gewesen wären – auch wenn nicht alle toll waren.» Und da ist der Reiz, herauszufinden wie weit sie es als Berufstätige mit ihrem Hobby bringen könne. Vielleicht bis nach Hawaii. Allerdings kaum um dort als Triahtletin am Ironman teilzunehmen («dafür schwimme ich viel zu schlecht»), sondern ferienhalber. Sämtliche Preisgelder die Tanja Blickenstorfer und ihr Freund Daniel Humm gewinnen, stecken sie nämlich in ein Kässeli, aus welchem irgendwann Ferien auf der Vulkaninsel finanziert werden sollen.

Erstellt: 11.01.2019, 15:38 Uhr

Schweizermeisterschaft

An den Schweizer Meisterschaften am Sonntag in Sitten gibt es zwei klare Favoriten – beide sind Mountainbike-Europameister. Bei den Frauen ist dies Jolanda Neff. Die 26-Jährige aus Thal strebt ihren ersten nationalen Titel in dieser Sparte an. Lars Forster aus Neuhaus greift derweil nach seiner dritten Goldmedaille nach 2016 und 2018. Erstmals bei der Elite zu nationalen Ehren käme auf der neuen Strecke im Walliser Hauptort hingegen Simon Zahner vom VC Meilen, der im Vorjahr in Steinmauer mit Silber hatte Vorlieb nehmen müssen. (db)

Artikel zum Thema

Sehr motiviert und etwas nervös

Radquer Weil Sina Frei verletzt passen musste, war Lara Krähemann bei den Frauen das Aushängeschild des VC Meilen. Mehr...

Aus allen Herren Ländern ans Radquer in Meilen

Meilen Das internationale Radquer in Meilen ist wahrlich ein Staaten verbindendes Sportereignis: Teilnehmer aus 13 Nationen waren am Mittwoch am Start. Das Ambiente im Fahrerlager erwies sich als überaus familiär. Mehr...

Neues Trikot nochmals verwenden

Radquer Gleich zweimal stieg Lars Forster in Meilen als Zweiter aufs Podest. Der 25-Jährige tat dies in einem neuen Outfit. Den Tagessieg sicherte sich der Deutsche Marcel Meisen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!