Tischtennis

«Nur trainieren bringt halt nichts»

Nach sechs Monaten ohne Wettkampf suchte Eric Glod mehr Drucksituationen, um rascher wieder sein früheres Leistungsniveau zu erreichen. Am Wochenende spielt er mit Wädenswil im Playoff-Viertelfinal.

Mit ihm in den Halbfinal? Eric Glod ist der neue Spitzenspieler im TTC Wädenswil.

Mit ihm in den Halbfinal? Eric Glod ist der neue Spitzenspieler im TTC Wädenswil. Bild: Stefan Kleiser

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«Als Jugendspieler war ich einer der besten meiner Altersklasse in Luxemburg. Aber ich wurde nie als Toptalent gehandelt», erzählt Eric Glod. Er weiss warum. Lange habe er Probleme gehabt, die wichtigen Spiele zu gewinnen. «Ich bin eher ein Typ, der die Sachen zerdenkt», beschreibt sich der 25-Jährige aus Wëntger. «Anstatt einfach zu spielen, habe ich mir im Kopf eine Taktik zurechtgelegt.» Im November 2016 gelang ihm die Befreiung: Mit dem Gewinn des Critérium National.

«Es war mein erster nationaler Titel. Und das erste Turnier, an dem ich zwei Tage lang stabil spiel­te», urteilt Glod. Ein Jahr zuvor hatte er die Arbeit mit einer Mentaltrainerin aufgenommen. Seither spielte sich der Linkshänder mit Luxemburg an der Team-Weltmeisterschaft in Malaysia in die zweite Division hoch (mit einer persönlichen Bilanz von 12:0), und an der letzten Einzel-WM erreichte er die Runde der besten 128 Teilnehmer.

Sportsoldat statt Student

Vergangene Saison war Eric Glod für Baden bei Wien in der 1. österreichischen Bundesliga lizenziert. Doch inzwischen wohnt er nicht mehr in Wien, sein dreijähriges Germanistik-Studium hat er abgeschlossen. Er hatte es einst mit dem Ziel begonnen, Deutschlehrer zu werden. Nun ist er Sportsoldat bei der Armee. «Diese drei Jahre lang werde ich mich sicher dem Tischtennis widmen. Und ich könnte den Vertrag noch drei Mal um jeweils ein Jahr verlängern.» Nur: Während der militärischen Grundausbildung in Diekirch, die von September bis Ende Dezember dauerte, waren unter der Woche keine Übungseinheiten möglich.

«Ich durfte am Wochenende schon nach Hause. Aber da war ich platt», schmunzelt Eric Glod. Im Leistungszentrum in Eslöv holt er nun den Rückstand auf. «Ich fühle mich noch nicht auf dem Niveau von vorher.» In der schwedischen Kleinstadt habe er sich jedoch gut eingelebt. «Natürlich gibt es nicht das gleiche kulturelle Angebot wie in Wien. Das Wichtigste ist aber, dass ich ein geregeltes Training vorfinde und dass ich mich wohlfühle in der Stadt.»

Für die letzten Spiele der Saison hat sich Glod beim TTC Wädenswil verpflichtet. Er führte das NLA-Team der Linksufrigen mit 4:1-Siegen in der abschliessenden Doppelrunde gleich in den Playoff-Viertelfinal. Diese Einsätze würden ihm helfen, wieder Matchpraxis zu erlangen, erklärt die neue Nummer 1 vom Zürichsee. «Nur trainieren bringt halt nix, denn da hast du keine Drucksituationen. Und das ist das, was ich sechs Monate nicht hatte.»

Einst motorisch unbegabt

Mitte März bestritt Eric Glod das erste internationale Turnier seit dem letzten Sommer. Er scheiterte am ITTF Challenger Event von Madrid aber schon im ersten Spiel am schwächer eingestuften Deutschen Gerrit Engemann. «Ich ging blauäugig ins Turnier und dachte, ich könne einfach kommen, spielen und punkten.» Trotzdem strebt Eric Glod weiter danach, einmal zu den besten 100 Spielern der Welt zu zählen. Derzeit belegt er Position 183. «Und ganz weit weg träume ich von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024. Aber darauf konzentriere ich mich nicht.»

Sondern auf die Verbesserung des eigenen Spiels. Er könne überall zulegen, meint Glod. «Ich kann in der Technik dazulernen, meine Beinarbeit und die Übersicht am Tisch verbessern.» Aber eigentlich ist er ja schon weit gekommen. Denn mit Tischtennis begann er einst, «weil ich motorisch unbegabt war», wie er verrät: «Ich konnte keine Bälle fangen.» Also empfahl die Lehrerin, den Schüler in einen Sportverein zu schicken. In eineinhalb Wochen wird der einst Unbegabte die Einzel-WM in Ungarn bestreiten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.04.2019, 10:30 Uhr

Wädenswil

Der Dichter an der Platte

«Ich habe immer ein Buch und einen Block dabei, verbringe viel Zeit mit Lesen. Und ich schreibe auch selber gerne Sachen», sagt Eric Glod, seit Mitte März Wädenswils neuer Spitzenspieler und studierter Germanist. Seine Mutter wünsche sich sogar, dass er ein Buch mit seinen Gedichten herausgebe, erzählt der 25-Jährige. Gegenwärtig gilt die Aufmerksamkeit aber der Kunst mit dem Kunststoffball. Am Samstag und Sonntag wartet im Playoff-Viertelfinal mit Meyrin ein starker Gegner. Zwar besiegte Wädenswil am 23. März die Genfer 6:4. Doch beim Gegner fehlte damals mit Andrew Rushton die Nummer 1. Er hat bisher 22 seiner 26 Einzel gewonnen. (skl)

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