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Neue Impulse fern der Heimat

Fabian Pellegrini packt im Sommer die grösste Veränderung seines Lebens an. Der 20-jährige Torhüter der Lakers Stäfa zieht in den Nordosten Deutschlands, um seine Karriere beim 1. VfL Potsdam in der 3. Liga voranzutreiben.

Fabian Pellegrini wird nächste Saison statt in Stäfa in Potsdam einlaufen.
Fabian Pellegrini wird nächste Saison statt in Stäfa in Potsdam einlaufen.
Marcus Verri

Der Eindruck in den Probetrainings war gut. Die Chemie stimmte, das professionelle Umfeld in Potsdam beeindruckte Fabian Pellegrini. Und eigentlich hatte er ja auch darauf hingearbeitet, einmal die Chance zu erhalten, in Deutschland spielen zu können. Zurück in der Schweiz, zerbrach sich der Ustermer gleichwohl drei oder vier Tage den Kopf. «Ist es das Richtige für mich?», fragte sich der Goalie des B-Ligisten Stäfa. Er hätte auch die Option gehabt, als Nummer 2 in die NLA zu wechseln. Oder bei den Lakers zur Nummer 1 aufzusteigen. Marius Aleksejev, mit dem er sich aktuell den Posten teilt, verlässt die Seebuben Ende Saison.

Pellegrini entschied sich dennoch für den Sprung ins kalte Wasser. Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, etwas komplett Neues zu sehen, überstrahlte alle Zweifel. Anfang Juli wird der Goalie der Schweizer U21-Nationalmannschaft die Koffer packen und in den Nordosten Deutschlands ziehen. Ab nächster Saison steht er beim 1. VfL Potsdam in der dritthöchsten Spielklasse zwischen den Pfosten. «Weil es eine einmalige Chance ist», wie der 20-Jährige sagt. «Und es ja auch mein grosser Traum war.»

Zur Probe in Minden

Um sich diesen zu erfüllen, legte sich Pellegrini nicht nur auf dem Feld ins Zeug. Auch daneben setzte er einige Hebel in Bewegung. Er arbeitete mit einem Spielervermittler zusammen, nahm zudem die Hilfe von Iwan Ursic in Anspruch. Der 195-fache Nationalspieler war einst selber in Deutschland tätig und ist jetzt bei Pellegrinis Stammverein TV Uster engagiert.

Die Unterstützung durch das Duo hat sich gelohnt. Pellegrini durfte sich erst in Minden (1. Bundesliga) zeigen, wo er allerdings eine Absage erhielt, ehe er die Probetrainings in Potsdam erfolgreich absolvierte. Beim Verein aus der brandenburgischen Landeshauptstadt bildet Pellegrini in der Saison 2017/18 zusammen mit dem ebenfalls neu verpflichteten Angelo Grunz das Torhüterduo. Der sportliche Leiter des 1. VfL, Alexander Haase, sagt über den Neuzuzug: «Fabian hat im Probetraining gezeigt, wozu er in der Lage ist. Er wird menschlich und sportlich gut in unsere Mannschaft passen. Ich freue mich auf ihn und seine weitere Entwicklung in Potsdam.»

Ein Duo ist fast die Hälfte

Mit seinem Transfer ins nördliche Nachbarland wählt Pellegrini einen kaum benutzten Weg. So kommt es eher selten vor, dass ein junger Spieler, der erst auf dem Weg zu einer festen Grösse ist, den Schritt ins Ausland wagt. Allgemein bringen überhaupt nur wenige Schweizer den Mut und die Opferbereitschaft auf, sich in der Fremde zu versuchen. Zieht man Frederik Spinner ab, der einen deutschen Vater und eine Schweizer Mutter hat, stehen nächste Saison in den drei höchsten deutschen Ligen gerade mal fünf Schweizer unter Vertrag. 40 Prozent davon – also zwei Spieler – sind auf dem Frohberg gereift. Pellegrini kennt den Wert. Und er hat sich auch mit Tim Jud darüber ausgetauscht, wie es ist, in Deutschland zu spielen. Vor zwei Jahren wechselte Jud von den Lakers Stäfa nach Konstanz und stieg mit der HSG in die 2. Bundesliga auf. Mancher schüttelte damals über Juds Schritt den Kopf. Der Rückraumspieler aber bilanziert: «Ich bin froh, habe ich diesen Weg gewählt. Für mich ist er perfekt.»

Auch Pellegrini ist von seiner Entscheidung überzeugt. Er sieht die Zeit für neue Impulse gekommen. 2015 debütierte er in der Nationalliga B, zwei Saisons sammelte er in dieser reichlich Spielpraxis. Erst bei Yellow Winterthur, zuletzt in Stäfa. Mit seinen Leistungen in dieser Saison ist er zufrieden. «Ich habe mir eine solide Basis gelegt und Selbstvertrauen getankt», sagt er. Ein langjähriger Szene-Kenner attestiert dem schnellen, aber nicht allzu gross gewachsenen Torhüter (1,86 m) eine positive Entwicklung. «Er ist auf gutem Weg.»

Direkt hinter König Fussball

Mit dem Umzug nach Potsdam beginnt für Pellegrini ein komplett neuer Lebensabschnitt. Erstmals überhaupt wird der junge Sportler nicht mehr in seinem vertrauten Umfeld sein, rund 800 Kilometer entfernt von Freunden und Familie leben. Sein Verein sucht ihm eine Wohnung, die er mit einem Teamkollegen teilen wird. Seinen Job als Informatiker Applikationsentwicklung musste Pellegrini derweil künden. Klar ist: auch in Potsdam wird er einer Arbeit nachgehen. Noch ist offen, welcher und in welchem Pensum.

Auf sportlicher Ebene dürfte der Schritt für Pellegrini klein sein. Das Niveau der Teams in der 3. Liga – sie ist in vier sogenannte Staffeln eingeteilt – entspricht in etwa jenem von NLB-Spitzenklubs oder schwächeren Vertretern aus der Nationalliga A. Nur: Zukünftig spielt Pellegrini in einem Land, in dem Handball hinter König Fussball die zweitbeliebteste Mannschaftssportart ist. Das Interesse ist entsprechend gross. Fast 5000 Zuschauer strömen in der 1. Bundesliga durchschnittlich in die Stadien. Auch in der Staffel Nord der 3. Liga, in die Potsdam eingeteilt ist, verfolgen über 800 Fans die Spiele live. Das ist mehr als in den meisten NLA-Partien. Und in der Potsdamer Zeitung ist Handball täglich ein Thema.

Wie geht Fabian Pellegrini mit dem grösseren Druck und der Erwartungshaltung um? Der 20-Jährige macht sich diesbezüglich keine Sorgen. «Ist doch ein geiles Gefühl, dass Handball einen solchen Stellenwert hat. Ich freue mich darauf.»

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