Faustball

Mit Biberli in den EM-Final

Abwehrspielerin Tina Ferrat ist eben von einer Fussverletzung genesen. Ab Freitag führt die 28-Jährige aus Uetikon am See die Schweiz als Teamälteste an der Europameisterschaft in Tschechien an.

Mit 44 Länderspielen ist Tina Ferrat die erfahrenste Schweizer EM-Teilnehmerin.

Mit 44 Länderspielen ist Tina Ferrat die erfahrenste Schweizer EM-Teilnehmerin. Bild: PD/Wolfgang Benedik

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Das Jahr 2019 verlief für Tina Ferrat mit dem TSV Jona bisher nicht nach Wunsch. In der Hallenmeisterschaft setzte es Anfang Februar im Final gegen Diepoldsau die erste Niederlage seit über drei Jahren ab. Dabei gaben die langjährigen Dominatorinnen eine 2:0-Satzführung preis. «Wir agierten nicht mehr so konsquent und das junge Team aus Diepoldsau kam in einen Lauf», versucht die Joner Abwehrspielerin den Taucher zu erklären.

Im März folgte für sie persönlich ein weiterer Rückschlag. Im rechten Sprunggelenk erlitt sie eine Bänderverletzung. Im Mai stieg Ferrat wieder ins Training ein, übertrat sich den rechten Fuss aber erneut. Es war die erste Blessur überhaupt, welche sich die 28-Jährige zuzog. Still zu sitzen, behagte ihr überhaupt nicht. Weil mit Celina Traxler auch noch eine zweite Stammkraft des TSV Jona verletzt ausfiel und Janine Stoob erst aus einer Verletzung zurückkehrte, starteten die Titelverteidigerinnen unter speziellen Vorzeichen in die Feldsaison. Beim Saisonauftakt setzte es zwei Niederlagen ab. Nach der NLA-Vorrunde – der neue Modus sieht nur noch je eine Partie gegen jedes Team vor – lagen die St. Gallerinnen auf dem ungewohnten 3. Platz. Im ersten Durchgang der Qualifikation, in welche die fünf besten Equipen die halbe Punktzahl mitnahmen und noch je vier Partien austragen, konnten die sechsfachen Feldmeisterinnen seit 2013 das Ruder herumreissen. Sie führen die Tabelle bereits wieder an und sind schon für den Final-Event der Top 4 im heimischen Grünfeld qualifiziert.

2:0-Führung preisgegeben

Da Ferrat auf nationaler Ebene schon alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, hat sie mit Jona noch ein Ziel: einen internationalen Titel zu holen. Dafür engagierten die nationalen Dominatorinnen extra einen Lauftrainer und absolvieren seit drei Jahren eine zusätzliche Trainingseinheit. Ende Juni am Champions Cup der Frauen im österreichischen Laarkirchen stiessen sie als Gruppenzweite in den Halbfinal vor. Gegen Nussbach begannen die Jonerinnen stark, gewannen die ersten beiden Sätze 11:8 und 14:12. Doch dann kamen die Österreicherinnen immer besser in Fahrt und zogen in den Final ein. «Wir spielten zu unsauber. Vielleicht mangelte es nach der langen Verletzungspause auch noch etwas an der Kondition», meint Ferrat.

«Vor dem Turnier hätten wir für einen 4. Platz unterschrieben. Weil wir den Finaleinzug so knapp verpassten, waren wir hernach trotzdem enttäuscht.»

Im kleinen Final gegen den Ahlhorner SV aus Deutschland setzte es gleich noch eine 2:3-Niederlage ab. «Vor dem Turnier hätten wir für einen 4. Platz unterschrieben. Weil wir den Finaleinzug so knapp verpassten, waren wir hernach trotzdem enttäuscht.»

Hühnerhaut

Nun steht für Tina Ferrat bereits das nächste internationale Turnier bevor. Von Freitag bis Sonntag findet im tschechischen Lázn? Bohdane? die Europameisterschaft statt. «Als Vizeweltmeisterinnen ist ein Finaleinzug eigentlich Pflicht», findet die 28-Jährige. Vor Jahresfrist hatte Ferrat in Linz den «absoluten Höhepunkt meiner Karriere» erlebt. «Wenn ich daran denke, bekomme ich gleich Hühnerhaut.» Erst im Final waren die Schweizerinnen von den übermächtigen Deutschen gestoppt worden. Diese sind an der EM erneut Favorit. Härtester Widersacher im Kampf um das zweite Finalticket dürfte Österreich sein.

Mit ihren Joner Teamkolleginnen Celina Traxler und Natalie Berchtold legen jedoch zwei der fünf Stammspielerinnen der WM-Kampagne eine schöpferische Pause ein. «Ich trage nun mehr Verantwortung», ist sich Ferrat bewusst. Die 28-Jährige ist mit 44 Länderspielen die älteste und erfahrenste Spielerin im zehnköpfigen Kader von Nationaltrainer Anton Lässer. «Die jungen Spielerinnen werden viel mehr auf mich schauen», weiss die Abwehrspezialistin. Als Team-Mami sieht sie sich trotzdem nicht. «International kommt es nicht auf das Alter an. Du musst einfach deine Leistung abrufen.»

Keine Schokolade

Eine zusätzliche Aufgabe für die EM hat Tina Ferrat trotzdem übernommen. Sie organisierte die Mitbringsel für die anderen Nationen. «Schweizer Schokolade ist zwar begehrt, im Sommer aber nicht praktisch», weiss sie aus Erfahrung. Deshalb hat die Abwehrspielerin 60 Biberli organisiert, welche die Jowa dem Schweizer Nationalteam zur Verfügung stellt.

Hungrig ist die Uetikerin weiterhin. Ihrer Karriere möchte sie das Sahnehäubchen 2021 aufsetzen. Dann sind die Faustballerinnen erstmals an den World Games teilnahmeberechtigt. Eine Medaille würde Ferrat in Birmingham, Alabama, gerne gewinnen.

Erstellt: 17.07.2019, 14:48 Uhr

Infobox

Europameisterschaft der Frauen in Lázne Bohdanec (CZE). Gruppe A: Deutschland,Österreich, Italien, Tschechien, Dänemark. – Gruppe B: Schweiz, Polen, Serbien, Belgien. – Vorrunde: Freitag. 10.15 Uhr: Schweiz vs. Belgien. – 13 Uhr: Schweiz vs. Serbien. – 16:30 Uhr: Schweiz vs. Polen. – Samstag: Halbfinal- und Finalspiele.

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