Rieden

Mit «Alles oder nichts» zu Silber

An der U23-Bahn-EM in Athen wurde Tom Bohli in der Einzelverfolgung Zweiter. Der Riedner knackte in der Qualifikation sogar seine Bestzeit. Er trug in der Mannschaftsverfolgung auch zur Silbermedaille der Schweiz bei.

Tom Bohli aus Rieden kam an der U23-EM in Athen auf der Bahn richtig auf Touren.

Tom Bohli aus Rieden kam an der U23-EM in Athen auf der Bahn richtig auf Touren. Bild: Swiss Cycling

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Dass die Nachwuchs-EM auf der Bahn mitten in die Strassensaison fiel, kam Tom Bohli nicht gerade gelegen. «Mir fehlte das Feeling für die Bahn etwas», meinte der Riedner gestern Mittwoch. Nur vier Bahn-Trainings habe er absolvieren können. «Das Minimum» sei dies für ihn gewesen. Darunter habe auch das Gefühl fürs dosierte Fahren gelitten, blickte der 21-Jährige auf den Dienstagabend zurück. An diesem hatte der Vorjahresdritte mit dem Gewinn der Silbermedaille jedoch das Maximum herausgeholt. Zumal er einen Tag vor der Abreise nach Athen im Training noch gestürzt war.

«Ich startete leicht nervös in die Qualifikation», verriet Bohli. Doch der BMC-Fahrer kam rasch auf Touren. Er sei seinem Gegner aufgefahren, was ihn zwar leicht aus dem Rhythmus gebracht habe. Der U23-Vizemeister im Strassen-Zeitfahren stellte mit 4:21,980 dennoch eine neue persönliche Bahn-Bestzeit auf. Da der klassische Qualifikationsmodus galt, zog Bohli als Zweitschnellster ins grosse Finale ein.

Rekordstartzeit im Final

Vor dem Duell um den EM-Titel besprach der Riedner mit Bahn-Trainer Daniel Gisiger die Taktik. Diese lautete: «Nach dem Motto ‹Alles oder nichts› voll durchstarten.» Das tat Bohli im Lauf gegen den Franzosen Marc Fournier dann auch. «Ich fuhr auf Biegen und Brechen los.» So habe er auf den ersten 1000 von 3000 Metern mit 1:03 sogar seinen Rekord geknackt. Fast sechs Sekunden lag sein Kontrahent zurück. «Der französische Trainer durchschaute unsere Strategie aber früh und reagierte», schilderte Bohli, weshalb der Gold-Plan letztlich nicht aufging.

Bis zur Rennhälfte konnte er sich zwar noch an der Spitze halten, doch dann drehte Fournier auf und wurde immer schneller. Im letzten Renndrittel wurde der Schweizer vom Franzosen eingeholt und musste sich mit Rang 2 begnügen. Vielleicht hätte sich Bohli mit mehr Vorbereitung auf der Bahn die Goldmedaille ergattern können. «Ich habe darauf gebaut, dass ich grundsätzlich in Form bin», sagte er. Und diese Einschätzung war richtig. Mit seiner Leistung zeigte sich der 21-Jährige jedenfalls zufrieden: «Silber ist auch gut. Im Nachhinein überwiegt das Positive.» Und diese weitere Medaille dürfte ihn im Hinblick auf die U23-Strassen-EM in Tartu (Est) beflügeln. An dieser ist der Riedner für das Zeitfahren und das Strassenrennen gesetzt.

Schnellster im «Rio-Team»

Gestern Mittwoch nahmen die Schweizer U23-Fahrer mit Bohli in der Mannschaftsverfolgung zudem die Titelverteidigung in Angriff. «Wir haben ein starkes Team und daher darf von uns schon etwas erwartet werden», meinte der EM-Zweite der Einzelverfolgung vor seinem nächsten Einsatz.

In der Qualifikation trug der Riedner als schnellster Schweizer (58,844) wesentlich zum Finaleinzug der «Olympia Rio 2016»-Bahnequipe bei. Dieser gelang mit 4:03,497 die zweitbeste Zeit. Nur die Briten waren schneller. Ihnen mussten sich die vier Schweizer (Bohli, Thery Schir, Patrick Müller und Frank Pasche) auch im Rennen um Gold geschlagen geben. Somit wurde dem 21-Jährigen ein zweites Mal innert 24 Stunden eine Silbermedaille überreicht.

Kein Run auf Bargeld

Aufgrund der finanzpolitisch angespannten Lage Griechenlands war Bohli übrigens mit gemischten Gefühlen nach Athen abgereist. «Ich hatte ein wenig Bammel, dass ein Run auf Bargeld herrscht.» Doch diese Befürchtungen seien schnell verflogen. Denn er habe – auch bei Fahrten auf dem Rad durch die Stadt und hinauf zur Akropolis – abgesehen von einer langen Schlange vor einem Bancomaten nichts davon gemerkt. «Es hat sogar erstaunlich viele Touristen hier», fügte Bohli an. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.07.2015, 08:38 Uhr

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