Rudern

«Meld mi ab»

Lara Eichenberger und Pascal Ryser wurden in Magglingen zu Sportsoldaten befördert. Trainiert hat das Duo vom Zürichsee während der RS aber mehrheitlich in Sarnen.

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«Oberstleutnant, Rekrut Ryser», sagt der Thalwiler und salutiert. Sein Kommandant Hannes Urs Wiedmer reicht ihm über der Standarte die Hand und antwortet: «Sportsoldat Ryser.» Der eben Beförderte salutiert erneut und spricht dem Protokoll gehorchend: «Meld mi ab.»

Pascal Ryser ist einer von 36 Absolventen, darunter neben der Meilemerin Lara Eichenberger noch vier weitere Frauen, der Spitzensport-RS 79. Die exklusive Rekrutenschule wurde 2004 ins Leben gerufen und hat seither über 600 Sportsoldaten hervorgebracht. Diese können – etwa als Trainingslager – bis zu 130 Diensttage pro Jahr leisten und werden dafür entschädigt.

Nur Kraft und Ausdauer

Das militärische Einmaleins erlernten die Spitzensportler aus den Sparten Fussball, Judo, Kanu, Karate, Leichtathletik, Orientierungslauf, Rudern, Schiessen, Schwimmen, Schwingen, Segeln und Triathlon im Rahmen der dreiwöchigen allgemeinen Grundausbildung im November in Wangen an der Aare. «Da konnten wir nur ein tägliches Training absolvieren», erinnert sich Ryser an die Zeit in der Kaserne. Normal wären für ihn in dieser frühen Phase der Saisonvorbereitung zwei bis drei Einheiten.

Besonders geschätzt hat der bald 22-Jährige in den ersten Wochen den Austausch mit den anderen Sportlern während des Essens. Dabei staunte der U-23-Weltmeister im Leichtgewichts-Doppelzweier 2017 ob der Vielseitigkeit der Trainings in anderen Sparten. «Abwechslung ist für uns, wenn wir aufs Wasser dürfen oder mal mit dem Velo unterwegs sind. Das Gros unserer Einheiten beinhaltet Kraft und Ausdauer, Technikübungen sind meist damit verbunden. Koordination und Schnellkraft sind für uns Ruderer eigentlich Fremdwörter.»

«Für Leichtgewichte gibt es bloss noch zwei Olympia-Tickets.»Pascal Ryser, U-23-WM-Gold im Leichtgewichts-Doppelvierer 2017.

Die Wochen 4 und 5 absolvierten die Rekruten in Magglingen, wo sie die Ausbildung zum Militärsportleiter absolvierten. «Es war spannend, einmal die andere Seite zu sehen, jene des Trainers», meinte Ryser. Daneben gab es Schulungen in verschiedenen Themen. Lara Eichenberger fand vor allem die Module Massage und Medien spannend, weil sie interaktiv gestaltet wurden. Daneben genoss die eben 22 Jahre alt gewordene Meilemerin den Austausch mit anderen Sportlern. «Bei uns ist jedes Training auf Leistung ausgerichtet, andere haben es da schon lockerer», stellte sie fest.

Weil die Ruderer im Januar in ein zweiwöchiges Trainingslager nach Davos verlegt wurden, brach dieser Kontakt schon bald ab. Anschliessend trainierten sie wie sonst auch am Stützpunkt von Swiss Rowing in Sarnen. «Auf dem See ist es momentan nicht gerade angenehm. Da handelt man sich schon mal kalte Hände und Füsse ein», gesteht Pascal Ryser. Bis zu den ersten Wettkämpfen wird der Thalwiler aber noch einige Male auf die Zähne beissen müssen.

Acht Kilo zugenommen

Nach einer für ihn unbefriedigenden Saison nimmt Ryser einen Kategorienwechsel vor. Bisher regattierte er als Leichtgewicht, neu tritt der 21-Jährige in der offenen Klasse an. Die Begrenzung auf 70 kg sowie das Hungern und Schwitzen vor dem Wägen am Renntag fällt weg. «Dafür muss ich nun neue Rituale entwickeln vor einem Wettkampf», sagt Ryser, der rund acht Kilo – hauptsächlich Muskelmasse – zugelegt hat.

Der Grund für den Wechsel ist die Straffung des olympischen Programms, welcher der leichte Doppelvierer zum Opfer fiel. In dieser Klasse war Ryser 2017 mit Weltbestzeit U-23-Weltmeister geworden. «Jetzt gibt es für Leichtgewichte bloss noch zwei Olympia-Tickets, in der offenen Klasse sind es theoretisch 21», erklärt der Thalwiler, der nun sein letztes U-23-Jahr für die Neuorientierung nutzen will.

Die U-23-WM findet heuer im Juli in Sarasota statt. Nichts anderes als der Weltmeistertitel soll es sein. An das Gewässer in Florida hat Pascal Ryser gute Erinnerungen. Dort gelang ihm 2017 an der Elite-WM im Leichtgewichts-Doppelvierer ein äusserst achtbares Ergebnis. Zuvor möchte er sich auf dem Rotsee anlässlich der Elite-EM vom 31. Mai bis 2. Juni dem Heimpublikum präsentieren. Sieben Athleten buhlen um einen der vier Plätze im Boot. Mitte April dürfte die Entscheidung fallen, ob Ryser einen davon innehaben wird und seinen Traum von einem olympischen Diplom 2020 und einer Olympiamedaille 2024 weiterträumen kann.

Daunenweiche Betten

Weniger konkret sind die Zielsetzungen von Lara Eichenberger. Von einer Medaille an der U-23-WM im Leichtgewichts-Skiff oder Doppelzweier spricht sie für diese Saison. Das Fernziel sei eine Olympia-Teilnahme 2024. «Ich habe gelernt, mir nicht zu grosse Ziele in die Ferne zu setzen», sagt die Meilemerin. Zu oft war sie durch Verletzungen oder Krankheiten aus der Bahn geworfen worden. «Ich weiss ja auch gar nicht, ob meine Kategorie 2024 noch olympisch ist», gibt die U-23-EM-Zweite im Leichtgewichts-Doppelzweier zu bedenken, die sich selbst als Spätzünderin bezeichnet.

Mit 13 hatte sie im RC Erlenbach begonnen, dort mehr das Gesellige gemocht. Mangels Trainer wechselte sie nach Uster, wo sie mit 17 eigentlich kürzertreten wollte, wegen einer Clubkollegin den Kadertest absolvierte und in der Junioren-Nationalmannschaft Aufnahme fand. Inzwischen gehört sie dem RC Zürich an, trainiert den fünften Winter in Sarnen. Die 22-Jährige setzt voll auf den Sport. Um den Kopf zu verlüften, hat sie sich allerdings an der Fernuni Schweiz eingeschrieben. Den Ehrgeiz habe sie von der Schule auf das Rudern übertragen. Diese hat aus der Maturandin eine Sportsoldatin gemacht.

Die Rekruten hätten die Spielregeln eingehalten, wie man das von Sportlern erwarten dürfe, meinte Kommandant Wiedmer im Rahmen der Beförderungsfeier in Magglingen. «Daunenweich waren nur ihre Betten, nicht aber die Behandlung durch ihre Trainer.»

Erstellt: 13.02.2019, 09:20 Uhr

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