Orientierungslauf

«Konnte Potenzial nicht abrufen»

Die Weltmeisterschaften in Estland brachten Julia Gross nicht den erhofften Erfolg. Nun braucht die 26-jährige Richterswilerin erst einmal etwas Abstand. Dann überlegt sie sich, welche Lehren sie ziehen kann.

Julia Gross aus Richterswil kam an der WM in Estland nicht wie gewünscht auf Touren.

Julia Gross aus Richterswil kam an der WM in Estland nicht wie gewünscht auf Touren. Bild: zvg/Remy Steinegger, Swiss Orienteering

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Zwei 15. Plätze (Sprint und Langdistanz) sowie Rang 4 mit der Staffel – dies ist die Ausbeute von Julia Gross bei ihrer vierten WM-Teilnahme. Zufrieden ist die Eliteläuferin der OL Zim­merberg damit nicht. Als beste Klassie­rung in einem WM-Einzelrennen verbleibt somit der 9. Platz von 2015 im Sprint in ihrem Palmarès.

Grundsätzlich sei es ihr Ziel, bei jedem Einsatz so nahe wie möglich ans Optimum heranzukommen, hatte die 26-Jährige im Vorfeld der Titelkämpfe erklärt. Gelungen ist ihr dies in Tartu nicht – vielleicht mit Ausnahme der Sprint-Qualifikation. «Dort habe ich das umgesetzt, was ich mir vorgenommen hatte», hält Gross fest und ergänzt: «In den anderen Wettkämpfen gab es jeweils auch Abschnitte, mit denen ich zufrieden bin. Insgesamt schlichen sich aber zu viele Fehler und störende Gedanken ein.»

Vom Gefühl getäuscht

Am grössten war die Enttäuschung bei der Richterswilerin nach dem Langdistanzrennen. Erstens hatte sie sich dort am meisten zugetraut, zweitens war ihr Gefühl auf der Strecke grundsätzlich ein gutes gewesen. Sie hatte beherzt gekämpft und war bis ins Ziel fokussiert geblieben. Der Blick auf die Anzeigetafel, die einen Rückstand von knapp 12 Minuten offenbarte, war folglich wie ein Schlag ins Gesicht.

Die Auflösung lieferte die Analyse am Computer: Nach solidem Start war sie zwei Posten unsauber angelaufen, und danach büsste sie in einem langen Abschnitt im Sumpf nochmals viel Zeit ein. So reichte es letztlich nur zum 15. Rang – und damit war die Linksufrige die klar Schwächste der drei Schweizerinnen (Elena Roos wurde Fünfte, Sabine Hauswirth Achte). Im Sprint drei Tage zuvor hatte Julia Gross dieselbe Schlussposition eingenommen, damals als zweitbeste Eidgenossin hinter Roos (6.), direkt vor ­Sarina Jenzer (16.).

Durch Erkältung geschwächt

Versöhnlich, zumindest halbwegs, war dann das Abschneiden im abschlies­senden Staffelwettkampf. Dass die Schweizerinnen sich ein WM-Diplom sichern, davon war auszugehen, nicht aber, dass sie das Resultat vom Vorjahr wiederholen können, obwohl mit Judith Wyder (Babypause) diesmal die Teamleaderin fehlte.

Zu verdanken hatten die Eid­genossinnen dies in erster Linie ­Sabine Hauswirth, die sich als Schlussläuferin mit der zweit­besten Abschnittszeit noch um drei Positionen nach vorne kämpfte und den Gesamtrückstand auf die siegreichen Schwedinnen um 34 Sekunden verringerte. Startläuferin Roos hatte mit einem Rückstand von 3:20 Minuten als Sechste an Gross übergeben, die dann weitere 4:43 Minuten und einen Rang einbüsste. «Ich hatte mir eine Erkäl­tung eingefangen, hatte deshalb keine Power», begründet die als starke Staffelläuferin bekannte Richterswilerin ihre diesmal enttäuschende Leistung.

Professionelle Hilfe ein Thema

Weshalb es in den vorherigen beiden Wettkämpfen nicht so recht klappen wollte, ist für Julia Gross schwierig zu erklären. Physisch und technisch sei sie gut vorbereitet gewesen. «Allerdings ­konnte ich mein Potenzial im entscheidenden Moment nicht abrufen.» Deshalb überlegt sie sich nun, in diesem Bereich professionelle Hilfe zu holen.

Aktuell gönnt die Richters­wilerin sich einige Tage Erholung in Frankreich – in Form von «Nicht-OL-Ferien» mit ihrem Freund und dessen Familie. Danach (ab 20. Juli) wird sie das Trainingspensum wieder kontinuierlich erhöhen und zudem für ihren Sponsor «Mia Engia­dina» in Scuol einen Sprint-OL für jedermann organisieren, der am Nationalfeiertag stattfindet.

Am 8./9. August stehen Test­läufe für den Weltcup im lettischen Cesis (25. bis 28. August) an. Nach diesem folgt ein Trainingslager nahe Lettlands Hauptstadt Riga, wo 2018 die nächsten Weltmeisterschaften stattfinden werden. Zum Abschluss der Saison wartet dann nochmals ein Höhepunkt: der Weltcup-Final in Grindelwald. Das Ziel von Julia Gross für diese Wettkämpfe: «Ich will zeigen, dass ich es besser kann!» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 09:29 Uhr

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