Radquer

«Kann sehr schlecht Nein sagen»

In seiner letzten Saisonwill Michael Wildhaber im Heimrennen in Eschenbachin die Top 15 fahren. Auch nach seinem Rücktritt wird der 27-Jährige dem Radsport verbunden bleiben.

Zu Hause in Eschenbach bereitet sich Michael Wildhaber gerne einen Himbeersirup zu.

Zu Hause in Eschenbach bereitet sich Michael Wildhaber gerne einen Himbeersirup zu. Bild: Manuela Matt

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Sie haben sich einen Himbeer­sirup zubereitet. Was mögen Sie daran?
Michael Wildhaber: Die Schlichtheit und dass man ihn selbst so stark machen kann, wie man ihn mag. Weil es keine Kohlensäure drin hat, kann man ihn auch schnell trinken, wenn man Durst hat.

Ist das auch Ihr Lieblings­getränk?
Meist trinke ich Wasser. Auf längeren Trainingsausfahrten habe ich aber etwas Isotonisches im Bidon. Und seit zwei Jahren trinke­ ich auch gerne mal einen Kaffee vor dem Training oder vier Stunden vor einem Rennen.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Chnöpfli mit Chäs und Bölle­schweizi.

Können Sie das auch selbstzubereiten?
Nein, meine Mutter kann das sehr gut. (lacht) Mir fehlt fürs Kochen­ meist die Zeit. Am Mittag ­esse ich in der Kantine, am Abend vor dem Training genügen dann etwas Brot und Fleisch.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich schaue, dass ich genügend Früchte und Gemüse esse, gönne mir aber auch mal Schoggi.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebens­unterhalt?
Seit 2010 arbeite ich in einem 90-Prozent-Pensum als Polymechaniker bei der Baumann Federn AG in Ermenswil. Die Firma ist mir schon als Lehrbetrieb sehr entgegengekommen, damit ich mei­nen sportlichen Aktivitäten nachgehen konnte.

«Ich schätze es sehr, wie viel Respekt mir die Profis entgegen bringen.»Michael Wildhaber

Der Sprung in ein Profiteam hat Sie nie gereizt?
Dafür hat es nicht gereicht. Das hat aber auch den Vorteil, dass ich in den Rennen keinen Druck ­habe, weil ich im Gegensatz zu den Spitzenfahrern ja arbeite.

Allfälliges Preisgeld ist also mehr ein Taschengeld?
Damit kann ich gerade meine Spesen decken. Weil ich oft mit meinem Cousin Marcel Wild­haber unterwegs bin, sind sie eher tief. Diese Saison war ich so erfolgreich, dass manchmal sogar ein paar Franken übrig blieben. Ich muss aber alles Material selber­ kaufen. Im Gegensatz zu den Profis, die es zur Verfügung gestellt erhalten, gehört es dann aber auch mir. Bei unserem Team­sponsor Tower Sports haben wir gute Konditionen beim Materialkauf.


Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
1997 fand in Eschenbach der Final­lauf des damaligen Strom-Cups (die Mountainbike-Serie heisst heute Proffix Swiss Bike Cup; Red.) statt. Ich gewann als Siebenjähriger den Hindernisparcours der Kleinen. Das Siegertrikot reichte mir bis zu den Knien.

Wie sind Sie zum Radquer gekommen?
Der Quersport faszinierte mich schon immer. Mein Vater Bruno war an der WM 1995 in Eschenbach der Chef der Festwirtschaft. Wir mussten das Rennen aber bei Grosi am TV schauen. Als 1999 in Eschenbach die SM ausgetragen wurde, durfte ich Pfandflaschen einsammeln, das war damals ein Highlight. Mein erstes Quervelo war ein altes meines Vaters, das ich auf dem Estrich fand.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Der Gewinn der Gesamtwertung des EKZ-Cups mit dem Bike 2015. Im Jahr darauf wurde ich Zweiter, heuer konnte ich nochmals gewinnen. Aber es gab auch sonst viele schöne Momente – zum Beispiel, als ich am Quer in Illnau mit Mäsi (Wildhaber) und Simi (Zahner) mithalten konnte. Ich schätze es sehr, wie viel Respekt sie mir entgegenbringen, obwohl­ ich nicht Profi bin. Wir fahren zwar gegeneinander, trainieren aber oft gemeinsam.

Michael Wildhaber beim letztjährigen Crosstour-Event in Eschenbach: Bild: Manuela Matt.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Als ich an einer Nachwuchs-SM nur Sechster wurde und eine Medaille­ verpasste, nachdem ich die ganze Saison immer aufs Podest gefahren war.

Mit welchen Erwartungen nehmen­ Sie am Sonntag den fünften Lauf der EKZ-Crosstour in Eschenbach in Angriff?
Bisher lief es mir hier nie so gut, auch weil ich aus der dritten oder vierten Reihe starten musste. (Wildhaber belegte in den drei bis­herigen Austragungen die ­Ränge 18, 20 und 22; Red.) Einmal in die Top 15 zu fahren, wäre toll – vor allem, weil es mein letzter Heimauftritt sein wird.

Wann haben Sie den Rücktrittsentscheid gefällt?
Schon im Frühling vor dem Beginn der Bike-Saison. Es wurde mir zu stressig. Ich habe sportlich alles versucht, kam aber nicht weiter. Vielleicht läuft es mir jetzt so gut, weil ich befreit fahren kann. (Wildhaber liegt in der Gesamt­wertung der EKZ-Crosstour auf Platz 7; Red.)

Dem Radsport bleiben Sie aber verbunden?
Ja, ich werde Teammanager mei­ner­ Mannschaft Tower Sports VC Eschenbach. Den Jungen kann ich aufzeigen, dass es auch als Nicht-Profi geht. Und von der Trainingsstrecke in Wagen, wo auch Mäsi, Simi oder Nicola Rohrbach trainieren, bin ich der Chef. Es ist toll, dass die Profis beim Unterhalt mithelfen.

In Eschenbach arbeiten Sie auch im OK mit. Eine Belastung?
Im Vergleich mit anderen, ist es noch human. (schmunzelt) Ich bin auf einem Bauernhof auf­gewachsen, kann mit Maschinen umgehen und bin für den Streckenbau zuständig. Ich habe ein gutes Auge für einen flüssigen Parcours. Schon als Kinder haben wir um den Stall unsere eigene Rennstrecke angelegt.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Vier Minuten fürs Zähneputzen und fürs Gesichtwaschen.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Ich bin nicht so auf Vorbilder fixiert­, das sind auch nur Menschen. Es gibt Leute, die jeden Morgen aufstehen und viel mehr leisten als sogenannte Stars.

Welche Person bewundern Sie?
René Wittweiler, unseren OK-Präsidenten. Was er macht, könnte ich nie.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Ich geniesse das Zmörgele auf meinem Sitzplatz und eine Velotour mit dem VC Eschenbach.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Ende Februar organisiere ich für das Team ein Trainingslager in Denia in Spanien.

Ihr Lieblingssong?
Ich höre oft Radio.

Ihr Lieblingsfilm?
Am Samstag nach dem Warm-up für ein Rennen am Sonntag gibt es ein Ritual: Ich bereite mir eine Portion Pasta zu und schaue mir eine Folge der «Simp­sons» an.


Was ist Ihr grösstes Laster?
Ich kann sehr schlecht Nein sagen­, auch wenn ich wenig Zeit habe­.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich habe immer ein Lächeln im Gesicht, bin aufgestellt und sehr hilfsbereit.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Dann habe ich hoffentlich eine Familie. Und ausser zum Plausch werde ich keine Wettkämpfe mehr bestreiten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 14:09 Uhr

Worum Gehts?

Im fünften von sechs Rennen der EKZ Crosstour werden am Sonntag (Start Frauen 13.45 Uhr, Männer 15.00 Uhr) in Eschenbach die Weichen in der Gesamtwertung gestellt. Der Führende Marcel Wildhaber strebt in seinem Heimrennen das Triple an und hat bereits 304 Punkte auf dem Konto. Seine Verfolger sind Nicola Rohrbach (271) und Simon Zahner (266) vom VC Meilen. (db)

Das Renngelände liegt in der Nähe des Dorftreffs an der Alten Schmerikonerstrasse in Eschenbach.

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