Orientierungslauf

Julia Gross rehabilitiert sich

Die Disqualifikation als Schnellste über die Mitteldistanz hat Julia Gross an der EM im Tessin bestens weggesteckt. Die Richterswilerin gewann am Samstag mit der Staffel Gold und zum Abschluss auf der Langdistanz Bronze. Damit verdoppelte die 27-Jährige ihre EM-Medaillensammlung.

Auf dem Weg zu Bronze: Julia Gross glänzt auf der Langdistanz.

Auf dem Weg zu Bronze: Julia Gross glänzt auf der Langdistanz. Bild: Remy Steinegger

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Mit ihrem 3. Rang in der Königsdisziplin am Sonntag bescherte Julia Gross der Schweiz die zehnte Medaille an der Heim-WM. Die elfte legte Matthias Kyburz bei den Männern ebenfalls auf der Langdistanz nach. Angestrebt hatten die Gastgeber sechs Podestplätze. Für die Primarlehrerin war es ihre vierte Medaille an kontinentalen Titelkämpfen. 2014 hatte sie in Portugal Gold mit der Staffel und Bronze im Sprint gewonnen.

Julia Gross musste sich im ­Tessin einzig der schwedischen Überfliegerin Tove Alexandersson, die ihren Gegnerinnen fünf und mehr Minuten abnahm, und der Russin Natalia Gemperle geschlagen geben. «Es war streng», sagte die 27-jährige Richterswilerin und fuhr fort: «Ich lief technisch sehr sauber.» Ausserdem habe sie sich körperlich von den vorherigen Strapazen gut erholt gehabt. Mit Sabine Hauswirth (4.) und Elena Roos (10.) klassierten sich zwei weitere Einheimischen in den Top Ten.

Von Schweiz 2 bedrängt

In der Staffel errangen die Schweizerinnen den Titel ungefährdet. Die härtesten Konkurrentinnen für Judith Wyder, Elena Roos und Julia Gross kamen aus dem eigenen Land, erreichte doch Schweiz 2 mit Julias jüngerer Schwester Paula Gross, Simona Aebersold und Sarina Jenzer das Ziel als Zweite. Für die EM-Wertung zählt allerdings nur die bestklassierte Equipe einer Nation. Paula Gross zeigte sich mit ihrem Einsatz zufrieden: «Ich wollte zeigen, was in mir steckt.» Am Dienstag hatte sie die Quali­fikation für den Mitteldistanz­Final wegen eines fehlerhaften Laufs knapp verpasst. Wie ihrer Schwester gelang der 21-Jährigen die Rehabilitation zum Abschluss.

Nach der zweiten Ablösung sah es nach einem Erfolg für Schweiz 2 aus. Die siebenfache Junioren-Weltmeisterin Simona Aebersold, Bronzemedaillengewinnerin über die Mitteldistanz, unterstrich mit einem starken Lauf ihr grosses Talent. Als Sechste mit einem Rückstand von 31 Sekunden auf Schweiz 1 gestartet, übergab sie Sarina Jenzer als Erste mit einem Vorsprung von 61 Sekunden. Bei der zweiten Zwischenzeit auf der Schlussstrecke nach 1,8 km lag Julia Gross aber bereits 46 Sekunden vor Jenzer, der beim zweiten Posten ein Fehler unterlaufen war. Im Ziel betrug die Differenz 79 Sekunden. Die Schwedinnen verloren bereits 2:11 Minuten auf Schweiz 1. Bronze ging an Dänemark.

Erst am Schluss nervös

Letzten Mittwoch war Julia Gross über die Mitteldistanz noch die tragische Figur gewesen. Die Zürcherin schien zunächst gewonnen zu haben und liess sich feiern. Dann stellte sich aber heraus, dass sie einen Posten nicht quittiert hatte. Jetzt durfte sie sich doch noch über Gold und Bronze freuen. «Es war eine Entschädigung», sagte Gross. «Ich konnte mich voll auf mich selber konzentrieren und meine Stärken ausspielen.» Erst beim letzten Überlauf habe sie die laut­starken Fans wahrgenommen und sei etwas nervös geworden. «Als Schlussläuferin zuerst ins Ziel einzulaufen, war mega lässig.»

Für Startläuferin Judith Wyder war es bereits der zweite Titel an den Heim-Europameisterschaften nach jenem mit der Sprint-Staffel. Dazu kommt Silber im Sprint. Das ist eine eindrückliche Bilanz, umso mehr, als sie erst fünf Monate zuvor eine Tochter auf die Welt gebracht hat. Sie selber hatte eine solche Ausbeute nicht erwartet. Auch Roos war beim Triumph mit der Sprint-Staffel dabei gewesen. (sda/db)

Erstellt: 14.05.2018, 08:20 Uhr

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