Schwingen

«Im Sägemehl bist du immer allein»

Obwohl er erst verspätet in die Saison einsteigen konnte, strebt Shane Dändliker am NOS in Hallau seinen zweiten Kranz an einem Teilverbandsfest an. Die beste Waffe des 24-jährigen Feldbachers vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer ist der Übersprung.

2017 triumphierte Shane Dändliker (rechts) am Geren-Schwinget in Wädenswil. 2018 gewann er seinen ersten Teilverbandskranz. 2019 will am NOS erneut vorne mitmischen.

2017 triumphierte Shane Dändliker (rechts) am Geren-Schwinget in Wädenswil. 2018 gewann er seinen ersten Teilverbandskranz. 2019 will am NOS erneut vorne mitmischen. Bild: André Springer

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Es geschah am 1. April. Shane Dändliker missglückte im Training ein Schwung, worauf er so unglücklich auf seinen linken Daumen fiel, dass dieser gleich auskugelte. Im ersten Schock renkte ihn der Sennenschwinger aus Feldbach gleich selbst wieder ein. Die Diagnose: Kapselriss. Die Folge: sechs Wochen Pause. «Der Frühling war versiechet», sagt der 24-Jährige. Und das ausgerechnet nach dem ersten Winter, in welchem er unter einem Personaltrainer das Krafttraining absolviert hatte. «Vielleicht war es einfach zu viel gewesen», orakelt Dändliker.

Die Standortbestimmungen an kleineren Festen fehlten ihm. Als der Zimmermann am Zürcher Kantonalen Mitte Mai ins Sägemehl zurückkehrte, lief es ihm alles andere als nach Wunsch. Es fehlte der Wettkampfrhythmus. Diesen fand er an Regionalfesten. Den Bruederschwinget ob Bachenbülach gewann der Feldbacher. Am Bündner und am Schaffhauser Kantonalen sicherte er sich seine Kränze Nummer fünf und sechs. Hatte er zu Beginn seinen verletzten Daumen noch einbandagiert, sah Dändliker bald davon ab: «Das Tape erinnerte mich eher daran, dass etwas mit dem Daumen war, deshalb habe ich es weggenommen.»

Gute Erinnerung ans NOS

Nun steht das Nordostschweizer Teilverbandsfest (NOS) vor der Tür. An die Ausgabe 2018, welche in Herisau stattfand, hat Shane Dändliker sehr gute Erinnerungen. Dank Rang 6c gabs für ihn den ersten Teilverbandskranz. «Das war ein wunderschönes Erlebnis», erinnert sich der Feldbacher. «Ich war locker, weil ich gar nicht mit einem Kranz rechnete.» Vor dem letzten Gang mit dem Kranz vor Augen sei die Anspannung dann aber doch gestiegen. «Als ich die Paarung erfuhr, war für mich klar, dass ich als Sieger rausgehen werde. Es klappte sogar gleich im ersten Zug.» Besonders schön war für ihn, dass Familie und Kollegen der Premiere beiwohnten. Zuhause wurde Dändliker von noch mehr Leuten empfange, um den Kranz einzuschwemmen.

Das NOS 2018 sei sicher ein Highlight seiner bisherigen Karriere gewesen, meint der 24-Jährige. «Aber der erste Kranz überhaupt, den ich in Rapperswil geholt habe, war auch sehr speziell. Weil das St. Galler Kantonalschwingfest 2017 so nahe von zuhause stattfand. Aus dem selben Grund – viele Kollegen und die Familie waren vor Ort – haben für Dändliker seine Festsiege am Geren- und Pfannenstiel-Schwinget einen besonderen Stellenwert. «Ebenfalls toll war, auf der Rigi 2018 den ganzen Tag vorne mitzuschwingen, auch wenn es dann leider nicht für einen Kranz gereicht hat», sagt der letztlich Elftplatzierte.

Vom Götti angeschleppt

Zum Schwingen kam Shane Dändliker durch seinen Götti Hansheiri Dändliker. «Er schleppte mich 2006 zusammen mit seinem Sohn Hansi mit in ein Training der Jungschwinger des SZRU, das damals noch in Männedorf stattfand.» Das Hobby entwickelte sich zur grossen Leidenschaft des Göttibuben. Wobei der Zimmermann wegen seiner Lehre auch mal daran dachte, im Sport etwas zurückzuschrauben. «Dann mischte ich am Niklaus-Schwinget ganz vorne mit und wollte es richtig wissen.»

«Im Sägemehl bist du immer allein, aber um den Ring habe ich ein, zwei Kollegen, die mir währende eines Gangs Tipps geben», verrät der 105 kg schwere und 1,94 m grosse Sennenschwinger. «Wenn es nicht läuft, bist du allerdings selber schuld.» An schlechten Tagen seien aber Klubkollegen da, die ihn wieder aufbauen würden.

Stinkfrecher Übersprung

Zu seinen Lieblingsschwüngen zählt er den Übersprung. «Den ziehe ich viel, er ist stinkfrech.» Der 24-Jährige riskiert lieber etwas statt abzuwarten. Selbst gegen einen Grossen will er nicht bloss stellen. «Ich gehe auch aus einem schlechten Stand in diesen Schwung rein. Man muss ihn einfach durchziehen, sonst gehts schief.» Offensiv «und einfach so wie ich es geübt habe», will Dändliker auch am Sonntag am NOS in Hallau schwingen, wo er zum Auftakt auf Sandro Schlegel trifft. «Vor zwei Jahren ging ich praktisch ohne zu überlegen in die Gänge, jetzt lege ich mir schon eine Taktik zurecht», verrät der Teilverbandskranzer, der gerne einmal einen Bergkranz gewinnen würde. Ans Eidgenössische im August in Zug verschwendet er noch kaum einen Gedanken. «Zuerst gilt es, bis dann gesund zu bleiben. Und dann muss an zwei Tagen alles zusammenpassen.»

Erstellt: 28.06.2019, 15:45 Uhr

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