Schwingen

Im Bann von Sägemehl und Harz

Am Pfannenstiel-Schwinget steht Nicola Wey bereits beim Aufbau im Einsatz. Am Zürcher Kantonalen gewann der 23-jährige Stäfner eben seinen ersten Lebendpreis.

Die Gesundheit kommt für Nicola Wey (rechts) an erster Stelle.

Die Gesundheit kommt für Nicola Wey (rechts) an erster Stelle. Bild: Peter Bruhin

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Das vor gut zwei Wochen in Fehraltorf gewonnene Fohlen steht nicht bei Weys im Stall. Einen solchen hat die Stäfner Familie nämlich nicht – Vater und Sohn sind Zimmerleute. «Ich habe das Geld genommen», sagt der 23-Jährige, der daneben seinen siebten Kranz – den fünften an einem Zürcher Kantonalen – mit nach Hause nehmen konnte.

Mit dem ersten Lebendpreis, den er auf Rang 3b aussuchen durfte, sei für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, verrät Wey. «Das Foto davon werde ich sicher zu Hause aufhängen.» Einen besonderen Stellenwert haben für ihn jene Gaben, die angeschrieben sind. Als er 2014 am Zürcher Kantonalen in Wila seinen ersten Kranz gewann, wählte der Stäfner deshalb eine Trychle. «Die erinnert mich immer an dieses spezielle Fest.»

Das Wichtigste sind Preise an einem Schwingfest für ihn allerdings nicht. «Klar ist es schön, etwas mit nach Hause nehmen zu können. Viel wichtiger sind mir aber die Gesundheit und die tolle Kameradschaft.» Oft greift er, wenn es an einem Schwingfest ernst gilt, mit einem Trainingskollegen zusammen. «Dann sind wir während des fünf oder sechs Minuten dauernden Gangs Gegner, ehe wir uns die Hand geben und der Unterlegene dem Sieger gratuliert.» Es ist dieser Respekt vor dem Gegenüber, den Wey herausstreicht.

Eine Lebensschule

Den Sport bezeichnet der 23-Jährige als «gute Lebensschule, in der man lernt zu verlieren». Schwingfeste besuchte Nicola Wey als Kind mit seinem Vater als Zuschauer. Ins Sägemehl stieg er selbst erstmals im Winter 2003, animiert durch zwei Nachbarn. Heute absolviert er fünf Trainingseinheiten pro Woche, drei in der Halle – primär in Feldbach und Schänis –, zwei im Kraftraum.

Der Stäfner hat eine augenfällige Wandlung durchgemacht. Innert zweieinhalb Jahren senkte er sein Gewicht von 138 auf 105 kg. «Früher machte ich viel über die Masse, jetzt bin ich athletischer.» Daneben hat er sich auch technisch verbessert, beherrscht mehr als nur zwei Schwünge. Profitiert hat der seit letztem Sonntag achtfache Kranzgewinner von den Einheiten in der Trainingsgruppe des Nordostschweizer Verbands mit Armon Orlik und Samir Leuppi. In der Saisonvorbereitung absolvierte er erstmals ein zehntägiges Trainingslager auf Fuerteventura, allerdings nicht im Sägemehl. «Kraft und Ausdauer standen im Vordergrund.»

In Schläpfers Fussstapfen

Zum Ausgleich spielt Wey Handball. In der 3. Mannschaft des HC GS Stäfa war er in der eben beendeten 3.-Liga-Saison der Topskorer. Der Rückraumspieler bezeichnet sich als Teamplayer, der in der Verteidigung zupacken könne. Ein «Böser» ist der Zimmermann, der selbst in der Freizeit mit Sägemehl und Harz zu tun hat, jedoch nicht. Der Strafenkönig ist ein anderer. Den Vergleich mit Ernst Schläpfer – der zweifache Schwingerkönig war ebenfalls Handballer – quittiert Wey mit einem Kopfschütteln. Der Appenzeller sei schlicht eine Nummer zu gross.

Zu Grossanlässen hat der Stäfner ein zwiespältiges Verhältnis. Der Einmarsch an einem Eidgenössischen vor 50'000 Leuten sei schon gewaltig. Wey erlebte dies erstmals vor drei Jahren in Estavayer. In Zug will er nicht nur dabei sein, sondern sich mindestens für den zweiten Tag qualifizieren. «Der Hype um das Esaf müsste allerdings nicht sein, kleine Feste sind auch wichtig.» Ein solches steht an Auffahrt mit dem Pfannenstiel-Schwinget an. Weil Wey am Morgen beim Aufbau engagiert ist, wird die Vorbereitung auf den Heimanlass jedoch nicht optimal sein.

Erstellt: 29.05.2019, 09:09 Uhr

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