Segeln

Im altbekannten Segelrevier flexibel bleiben

Yannick Brauchli von der SV Thalwil ist bereit, um im 470er-Boot einen Diplomrang anzugreifen.

Yannick Brauchli (rechts) und sein Vorschoter Romuald Hausser kennen die Gewässer vor Rio, sie sind bereits an rund 140 Tagen dort gesegelt.

Yannick Brauchli (rechts) und sein Vorschoter Romuald Hausser kennen die Gewässer vor Rio, sie sind bereits an rund 140 Tagen dort gesegelt. Bild: Keystone

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Für fast alle Olympioniken bedeuten die Spiele in Rio Neuland – und wenns nur das Leben im olympischen Dorf betrifft. Nicht so für die Schweizer Segler. Seit 2014 bereiteten sie sich immer wieder in der Guanabarabucht in Sichtweite des Zuckerhuts vor und wie schon während den Trainingslagern wohnen sie in einem Privathaus ganz in der Nähe des Olympiahafens Marina da Gloria beim alten Zentrum Rios; ein brasilianischer Koch kümmert sich um sie. Die Umgebung und die Verhältnisse vor Ort sind ­ihnen gänzlich vertraut.

Anderes ist neu, wie etwa die zusätzliche Startrampe neben jener aus Beton. Vorletzte Woche war diese wegen des starken Wellengangs, der sogar dazu führte, dass die Avenida Atlantica bei der Copacabana überflutet wurde, zerbrochen. «Seit Freitag ist sie wieder geflickt», sagt Yannick Brauchli. «Für die Wettkämpfe ist es wichtig, dass man sie nutzen kann, damit alle schnell genug einwassern können.» In den letzten Tagen wurde an der Marina da Gloria weiter gebaut und gereinigt. Immerhin ist davon auszugehen, dass bei Beginn der Regatten das Wesentlichste fertig ist.

Swiss Sailing, in fünf der zehn Bootsklassen an Olympia vertreten, hat im Hinblick auf die Olympischen Spiele nichts dem Zufall überlassen und erstellte in den letzten Jahren auf eigene Kosten Messungen bezüglich Wetter, Wind und Strömungen. An der Vorbereitung sollte es nicht liegen. Das lässt sich allerdings auch über die Konkurrenz sagen. «Von den Topteams haben alle um die 140 Tage hier trainiert», erklärt Brauchli.

«Wieder sehr schön»

Seit einer Woche ist der Athlet der Seglervereinigung Thalwil zurück in Rio. Morgen Mittwoch geht es, an der Seite seines Genfer Vorschoters Romuald Hausser, endlich los mit der ersten von (mindestens) zehn Regatten. Einen ersten olympischen Höhepunkt erlebte er am Freitag an der Eröffnungsfeier. Die ersten Momente sah der 28-Jährige mit den anderen Sportlern auf Bildschirmen in der Halle neben dem Maracana, ehe er mit der Schweizer Delegation ins Stadion schritt. Das Segelteam blieb, wie viele andere auch, nur kurze Zeit stehen und wählte dann den verfrühten Abgang. «Es war wieder sehr schön», berichtet Brauchli, «allerdings weniger emotional als in London. Dort kannte ich alle, die aufgetreten sind. Hier war halt alles sehr brasilianisch.»

Wie das trübe, verschmutzte Wasser im Segelrevier in der Guanabarabucht. Dies bleibt ein Thema für die Teilnehmenden. Aber die Schweizer haben sich auch darauf vorbereitet, weshalb Teamchef Tom Reulein sagen kann: «Die Segler sollen sich aufs Segeln konzentrieren, nicht auf die Wasserqualität.» Brauchli hat sich allmählich an die Verhältnisse gewöhnt. «Am Anfang hatte ich Magenprobleme und Durchfall. Jetzt hat sich mein Immunsystem angepasst. Ausserdem nehme ich präventiv Medikamente, damit es mich während den Olympiaregatten nicht erwischt.»

Ein Allround-Team

Das Schweizer 470er-Duo bevorzugt keine speziellen Windverhältnisse. «Wir sind ein Allround-Team, das ist einer unserer Vorteile. Die Bedingungen hier sind komplex, eröffnen aber auch viele Möglichkeiten. Es liegt an uns, sie zu nutzen», erklärt Brauchli. «Man muss flexibel und ruhig bleiben und das Beste daraus machen.»

Brauchli und Hausser wollen besser abschneiden als vor vier Jahren in London, als ein 16. Platz herausschaute. «Das erklärte Ziel nach London ist ein Diplom», betont der Zürcher. Das heisst, sie müssen unter den 27 Teilnehmern nach zehn Regatten ins Medal Race der Top 10 verstossen und dort mindestens zwei Teams hinter sich lassen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.08.2016, 08:38 Uhr

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