Ski alpin

«Ich muss im Kopf wieder bereit sein»

Nach ihrem dritten Kreuzbandriss versucht Laura von Gunten in Paris und auf Hawaii herauszufinden, ob sie ihrer Leidenschaft, dem Skifahren, weiterhin wettkampfmässig nachgehen will. Andernfalls würde die 21-Jährige aus Wädenswil wohl ein Studium beginnen.

Helm und Skibrille braucht Laura von Gunten in Paris nicht.

Helm und Skibrille braucht Laura von Gunten in Paris nicht. Bild: Sabine Rock

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Wenn der Schweizer Skinachwuchs am Donnerstag auf der Diavolezza den Winter mit einem Fis-Slalom einläutet, fehlt Laura von Gunten. Die Wädenswilerin weilt seit Sonntag für drei Wochen in Paris. Statt über die Piste zu kurven, wohnt sie in der Stadt an der Seine bei einer Gastfamilie und lernt Französisch.

«Das war nicht mein Plan», gesteht die Bronzemedaillegewinnerin an der U21-Schweizermeisterschaft im Slalom. «Ich versuche jetzt einfach das beste aus der Situation zu machen und abzuschalten.» Zur Fussgängerin und Sprachschülerin degradiert wurde die 21-Jährige, weil sie bereits zum dritten Mal in ihrer Karriere einen Kreuzbandriss erlitten hat.

29. März 2014

Die Daten hat sie im Kopf wie andere jene ihrer Hochzeit oder der Geburt ihrer Kinder. Am 29. März 2014 erlitt Laura von Gunten ihre erste schwere Verletzung. Kurz vor den Schweizer Meisterschaften absolvierte sie nach einer strengen Woche in Davos noch ein Slalom-Training – es war das eine zu viel. «Ich hatte müde Beine, geriet in Rücklage und wurde ausgehebelt», erinnert sie sich. Die niederschmetternde Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes und des Innenbandes im rechten Knie. Auch beide Menisken und Knorpel wurden in Mitleidenschaft gezogen.

«Mein oberstes Ziel ist, wieder ganz gesund zu werden.»Laura von Gunten

Besonders bitter war für von Gunten, dass sie die Kriterien für zur Aufnahme ins C-Kader von Swiss-Ski erfüllt gehabt hätte. Im Fis-Ranking belegte sie die Ränge 211 (Slalom) und 333 (Riesenslalom). Wegen der Verletzung blieb die damalige Sportgymnasiastin in Davos jedoch im Nationalen Leistungszentrum (NLZ) Ost, wo sie auf ihr erstes Comeback hinarbeitete. «Das ging damals recht gut, schnell fand ich auf den Ski wieder Vertrauen», erinnert sich die Wädenswilerin.

5. Januar 2016

Das zweite Datum, das sich ihr eingebrannt hat, ist der 5. Januar 2016. In Zinal durfte Laura von Gunten erstmals im Europacup antreten. Im Wallis lag viel Neuschnee, als sie im 2. Lauf des zweiten Riesenslaloms mit der Startnummer 83 in einer Kompression in Rücklage geriet. Die Konsequenz: Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie. Erneut liess sie sich in der Klinik Gut in St. Moritz operieren.

Der Weg zurück auf die Ski war steiniger. «Es kostete mich mental viel Energie», sagt die Skifahrerin, die dem SC Flumserberg, weil ihre Eltern dort eine Ferienwohnung besitzen. Sie habe viel trainiert – wohl noch mehr als andere. Von Gunten ist überzeugt, «dass die Verletzungen mir etwas sagen wollten». Sie musste lernen, geduldig zu sein, sich kleinere Ziele zu setzen. Ende Dezember 2016 gab die Wädenswilerin mit einem 7. Platz im Fis-Slalom auf der Lenzerheide ihr zweites Comeback. Nur ein einziges Mal vermochte sie im vergangenen Winter einen Fis-Wert von unter 30 Punkten zu erzielen.

8. August 2017

Der dritte Unfall geschah am 8. August 2017 im Riesenslalomtraining auf dem Gletscher ob Saas Fee. «Ich hängte mit der Hand an einem Tor ein, weshalb es mich verdrehte.» Trotz Karbonschienen, die sich hatte anfertigen lassen, riss das vordere Kreuzband im linken Knie. Im Juni hatte sie an der Sportschule Davos die Matura abgelegt, die Saisonvorbereitung in einem Privatteam mit Lara Zürcher unter der Anleitung von Lino Stüttler absolviert.

«Ich war im Kopf bereit und überzeugt, den Sprung ins C-Kader schaffen zu können», sagt der Pechvogel, der sich nun fragt, ob Skifahren vielleicht doch nicht ihre Bestimmung sei. In der Rehaklinik in Bellikon machte sich die 21-Jährige neben den Physiotherapie-Sitzungen so ihre Gedanken. Später schnupperte sie an Universitäten und Fachhochschulen. «Lehrerin oder Kindergärtnerin könnte ich mir vorstellen, auch ein Studium in Medien und Kommunikation würde mich interessieren», sagt Laura von Gunten.

März 2018

Nach ihrer Rückkehr aus Paris wird sie das Aufbautraining fortführen und in der Wintersaison in den Flumserbergen im Service arbeiten. «So bin ich meinem Element, dem Schnee, nahe.» Mit Langlaufen oder Schneeschuh-Touren will die Frohnatur ihrem Bewegungsdrang nachgeben. Ende März wird von Gunten für drei Monate nach Hawaii fliegen. Auf der Vulkaninsel im Pazifik will sie Englisch lernen und sich über ihre Zukunft klar werden.

Eine Rückkehr in den Skizirkus schliesst sie nicht aus, ist sich aber bewusst: «In meinem Alter sind die Kriterien für die Aufnahme in ein Kader von Swiss-Ski viel strenger.» Vor allem müsse sie im Kopf bereit sein, auf der Piste nochmals alles zu riskieren. «Sport wird in meinemm Leben immer eine wichtige Rolle spielen. Deshalb ist mein oberstes Ziel, wieder ganz gesund zu werden.» Denn abseits der Skipisten gebe es noch viele andere tolle Sachen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.11.2017, 17:36 Uhr

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