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«Ich kann über mich selbst lachen»

Seit einem Monat wohnt der Uetiker Raphael Baltensperger unter der Woche in Biel in einer eigenen Wohnung. Eine Trainingswoche mit Roger Federer hat den 19-Jährigen beeindruckt. Von Schokolade kann er die Finger nicht lassen.

Zu Hause in Uetikon ist Raphael Baltensperger nur am Wochenende. Seinen Cappuccino trinkt er während des Interviews im Restaurant Sonnenhof.
Zu Hause in Uetikon ist Raphael Baltensperger nur am Wochenende. Seinen Cappuccino trinkt er während des Interviews im Restaurant Sonnenhof.
David Baer

Sie haben einen Cappuccino bestellt. Was mögen Sie daran?Raphael Baltensperger: Den Geschmack. Am Morgen ist er für mich ein Muntermacher. Im Gegensatz etwa zu Stan Wawrinka trinke ich aber vor einem Match keinen Kaffee, sonst wird mir auf dem Platz schlecht.

Ist Cappuccino auch Ihr Lieblingsgetränk?Nein, noch lieber habe ich Süssgetränke, zum Beispiel Fanta.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?Pizza und Spaghetti carbonara. Weil das als Sportler aber nicht ideal ist, versuche ich, mich gesünder zu ernähren, auf Zucker und Kohlenhydrate möglichst zu verzichten.

Was bereiten Sie selbst zu?Seit Anfang Jahr habe ich in Biel eine eigene Wohnung und deshalb angefangen, selber einfache Gerichte zu kochen. Vorher im Leistungszentrum von Swiss Tennis wurden wir mit Vollpension schon etwas verwöhnt.

Und weil Ihnen das zu bequem wurde, sind Sie ausgezogen?Die Situation in Biel hat sich im Herbst grundlegend verändert. Nachdem mein bisheriger Trainer Antony Dupuis Swiss Tennis verliess, erhielt ich mit Sven Swinnen, der Henri Laaksonen in die Top 200 gebracht hat, einen neuen. Da Johan Nikles mit Dupuis nach Genf ging und Marko Osmakcic kürzertritt, bin ich der Einzige in meinem Alter im Leistungszentrum.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?Meine KV-Ausbildung an der United School of Sports habe ich auf Eis gelegt. Sponsoren wie Fromm sind für mich extrem wichtig. Die Interclub-Einsätze mit GC in der NLA und Zug in der NLB bringen einen willkommenen Zustupf. An den Future-Turnieren wurde auf dieses Jahr die Mindestdotation von 10 000 auf 15 000 Dollar angehoben, das hilft auch etwas. Weil Swiss Tennis für meinen Trainer Sven Swin­nen aufkommt, entstehen mir diesbezüglich keine Unkosten. Im Ausland sind die Auslagen zudem tiefer – eine Hotelübernachtung in Rumänien etwa kostete bloss 10 Franken. Auf die ­Seite legen kann ich aber nichts.

Welchen sportlichen Gross­anlass haben Sie als Ersten bewusst wahrgenommen?Den Final in Wimbledon 2008 zwischen Federer und Nadal. Nach dem knappen Sieg des Spaniers kurz vor dem Eindunkeln war ich richtig traurig.

Wie sind Sie zum Tennis gekommen?Ich bin praktisch neben den ­Plät­zen des TC Ueti­kon aufgewachsen. Dort besuchte ich einen Sommerkurs. An meinem ersten Turnier in Oetwil am See gewann ich eine Trainingslektion. Damals kickte ich auch noch im FC Männedorf. Irgendwann stellte meine Mutter mich vor die Wahl. Ich entschied mich fürs Tennis.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?Als ich im letzten Herbst eine ­Woche lang mit Roger Federer trainieren konnte und auch seine Familie kennen lernte.

Dann haben Sie wohl am Sonntag beim Final des Australian Open mit ihm mitgefiebert?Ich war von einer anstrengenden Trainingswoche müde und habe nicht das ganze Spiel gesehen. Die letzten beiden Sätze habe ich aber mitverfolgt. Es ist der Hammer, wie Roger sich nach der Verletzungs­pause zurückgekämpft hat.

Welches war bisher die grösste Enttäuschung Ihrer Karriere?An meiner ersten Junioren-SM war ich so nervös, dass ich in einem Spiel sieben Matchbälle vergab und verlor.

«Ich habe so viele Bälle geschlagen, bis ich Blasen hatte.»

Raphael Baltensperger

Mit welchen Erwartungen ­nehmen Sie das Future-Turnier in Oberentfelden in Angriff?Dank einer Wildcard stehe ich ­direkt im sehr stark besetzten Hauptfeld. Nach einer längeren Pause (das letzte Turnier bestritt Baltensperger im November auf Zypern; Red.) freue ich mich, wieder spielen zu können. Im Januar habe ich im Training enorm viele Bälle geschlagen, bis ich nach fünf Stunden Blasen an Händen und Füssen hatte. Jetzt bin ich bereit und hoffe, die Schwankungen aus der Vergangenheit eliminieren zu können. Da bremste mich nach einem Sieg in zwei ­Sätzen über einen Top-300-Spieler eine unnötige Niederlage.

Wie lange brauchen Sie ­morgens vor dem Spiegel?Am Morgen vor einem Training nur kurz – am Abend vor dem Ausgang hingegen länger. (schmunzelt)

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?Mit Lionel Messi, am Tag eines Champions-League-Finals. Es muss genial sein, wenn ein ganzes Stadion dir zujubelt.

Welche Person bewundern Sie?Meine Mutter. Es ist unglaublich, was sie alles leistet. Früher fuhr sie mich täglich mehrmals in die Trainings.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?Am Samstag schlafe ich zu Hause aus, gehe eine Stunde joggen, ­spiele zwei Stunden Tennis. Am Abend gehe ich nach Zürich in den Ausgang. Am Sonntag schlafe ich viel, bespanne vielleicht ein paar Schläger neu und lerne Englisch.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?Keine Ahnung. Wenn ich für ein Turnier in eine Touristendes­tination wie Antalya fliege, sind das keine Ferien. Viel mehr als den Flughafen, das Hotel und die Tennisplätze sehe ich in einer solchen Woche nicht.

Ihr Lieblingssong?Der Police-Remix von «Sending Out an S.O.S.».

Ihr Lieblingsfilm?«The Girl Next Door» – wegen der hübschen Frauen. (lacht)

Ihr Lieblingsbuch?«Open». Das Selbstporträt von Andre Agassi.

Ihr Lebensmotto?Never give up.

Was ist Ihr grösstes Laster?Schokolade.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?Ich kann über mich selbst lachen.

Was macht Sie glücklich?Zeit zu Hause bei meiner Familie verbringen zu können und alte Kollegen zu treffen.

Was ärgert Sie?Wenn jemand aus Neid Gerüchte und Lügen verbreitet.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?Gesundheit, meine Familie und dass ich Spass habe an dem, was ich tue.

Was machen Sie in zehn Jahren?Es ist alles möglich. Hoffentlich habe ich dann im Tennis den Durchbruch geschafft. Andernfalls würde ich wohl das Prak­tikum, den zweiten Teil meiner KV-Ausbildung, abgeschlossen haben.

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