Orientierungslauf

«Ich kann mich gut fokussieren»

Beruflich und sportlich trat Paula Gross in die Fussstapfen von Vater und Schwester. Bezüglich Schokoladekonsum ist die bald 22-Jährige aus Richterswil familienintern aber einsame Spitze.

Zeit für ein erfrischendes Getränk in einem Café in der Europaallee hat Studentin Paula Gross zwischen den  Vorlesungen an der Pädagogischen Hochschule und dem Training nur selten.

Zeit für ein erfrischendes Getränk in einem Café in der Europaallee hat Studentin Paula Gross zwischen den Vorlesungen an der Pädagogischen Hochschule und dem Training nur selten. Bild: Sabine Rock

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Sie haben eine Apfelschorle mit Holunderblüte bestellt. Was mögen Sie daran?
Paula Gross: Ich trinke gerne selbst gemachten Holunderblütensirup. Schorle mag ich auch. Die Kombination kannte ich bisher nicht, das hat mich gluschtig gemacht.

Welches ist Ihr Lieblingsgetränk?
Als Süssgetränk wähle ich sonst oft Eistee. Das ist zwar nicht so gesund, aber manchmal brauche ich das.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Mit Pasta bin ich glücklich. Ich bin nicht so heikel, was vor allem in den Trainingslagern praktisch ist. Dort bin ich sehr hungrig und esse alles, was auf den Tisch kommt – ausser Ziegenkäse.

Was kommt in die Pfanne,wenn Sie selbst den Kochlöffel schwingen?
Pasta mit einer Rahmsauce. Aber ich habe auch schon selbst Tortellini gemacht. Wenn ich Zeit und Musse habe, koche ich gerne – aber nicht für mich allein.

Inwiefern achten Sie als Sport­lerin auf die Ernährung?
Ich habe nicht so viele Reserven, und als Ausdauersportlerin muss ich sowieso schauen, dass ich genügend esse, vor allem Kohlenhydrate. Mindestens einmal am Tag muss bei mir etwas Warmes auf den Tisch. Komme ich am Mit­tag nicht dazu, dann zum Znacht zu Hause.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Als Studentin wohne und esse ich noch bei den Eltern. Zudem werde­ ich seit drei Jahren von der Sporthilfe unterstützt, ebenso vom Fanclub. Und in den Semesterferien verdiene ich mir als Vikarin mit Stellvertretungen in der Schule etwas dazu.

Welche Rolle spielt die Gruppe «Fan für Gross»?
Es ist cool, dass sich auch andere Leute über unsere Leistungen freuen. Den Ursprung hatte das Ganze im OL Zimmerberg. Im Januar hatten wir nun bereits unseren dritten Fan-Event. Wir wollen ja auch etwas zurückgeben.

Besuchen Sie die Pädagogische Hochschule auf Anraten Ihrer fünf Jahre ältere Schwester ­Julia, die Primarlehrerin ist, oder Ihres Vaters Martin, der als Reallehrer­ auf der Oberstufe als Schulleiter arbeitet?
Weder noch. Ich wollte eigentlich bewusst etwas anderes machen als Julia, nachdem ich schon das gleiche Gymi besucht hatte und den gleichen Sport gewählt habe. Aber der Lehrerberuf lässt sich einfach optimal mit dem Spitzensport kombinieren.

«In ein paar Jahren ist Julia vielleicht die grosse Schwester von mir.»
Paula Gross

Bei der Fächerwahl wäre für Sie Geografie mit dem Teilgebiet Kartografie prädestiniert gewesen.
(lacht) Nein, nein. Ich habe Englisch, Mathematik, Musik und Hauswirtschaft gewählt. Die Musik­ ist neben dem OL meine zweite Leidenschaft. Am Gymi habe ich Klavier gespielt, jetzt an der PH habe ich als Begleitinstrument Gitarre gewählt.

Zum Orientierungslauf sind Sie durch die Schwestern oder die Eltern gekommen?
Sagen wir wegen der Familie. Ich bin da einfach so reingerutscht.

Für Julia war die WM 2003 in Rapperswil-Jona prägend.Für Sie auch?
Da war ich sieben und habe lieber noch mit Playmobil gespielt. Faszi­niert haben mich als Kind Biathlon und Fussball. Zuerst musste ich für mich aber herausfinden, ob ich ein Mensch bin, der Spitzensport betreiben will.

Ist OL für Sie ein Einzel- oder ein Mannschaftssport?
Eher ein Einzelsport. Aber ich muss mich im Kader wohlfühlen. Und Teamevents wie die 10 mila am vergangenen Wochenende in Schweden sind schon toll. Seit diesem Jahr laufe ich für IFK Mora­ OK, wir sind eine inter­nationale Truppe und haben es sehr gut zusammen.

Was macht für Sie OL aus?
Sich in der Natur bewegen zu können. Und dass man nie weiss, was einen erwartet. Auch die Topfavoriten können straucheln.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Von den Erfolgen her die Goldmedaille mit der Staffel an der Junio­ren-WM 2016 im Engadin. Wobei wir als Favoritinnen gestar­tet waren und es deshalb keine Überraschung war.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Dass ich es an vier Junioren-Weltmeisterschaften im Einzel nie aufs Podest geschafft habe. Meine erste Teilnahme buchte ich noch als Erfahrung ab. Bei der zweiten lag ich auf Medaillenkurs und holte als Sechste mein erstes Diplom. Beim dritten Anlauf wurde ich zweimal Siebte. Und im Engadin vor zwei Jahren Fünfte und Siebte. Das ist sehr gut, einzig der Ausreisser nach oben fehlt. Eine Einzelmedaille war immer mein Traum gewesen. Deshalb die Enttäuschung.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie die Heim-EM im Tessin in Angriff?
Ich habe mich in der Elite gut einge­lebt. Die Qualifikationen im Sprint und auf der Mitteldistanz liegen mir aber auf dem Magen. Ich weiss nicht, was es braucht für den Finalvorstoss. In der Staffel­ zählt es von Anfang an, da will ich einfach einen kons­tanten Lauf abliefern.

Zufrieden auf Ihre EM-Premiere zurückblicken können Sie, wenn ...
… ich es fünfmal geschafft habe, vor dem Lauf ruhig zu sein – dann kommt es gut.

Ist Julia für Sie eher ein Vorbild oder schon eine Konkurrentin?
Früher war sie ein Vorbild, wobei ich nicht dachte, sie jemals erreichen zu können. Inzwischen habe ich sie auch schon geschlagen. Wir sind also Konkurrentinnen, aber nicht im negativen Sinn.

Stört es Sie, als kleine Schwester von Julia bezeichnet zu werden?
Jetzt bin ich die kleine Schwester von ihr. In ein paar Jahren ist sie vielleicht die grosse Schwes­ter von mir … (schmunzelt) Dank ihr gingen für mich auch schon Türen auf.

Gibt es auch etwas, das nur Sie machen? Beruf und Sport ­haben Sie ja bei Ihren Eltern und Geschwis­tern abgeschaut.
So viel Schokolade wie ich isst in unserer Familie sonst niemand. (lacht) Und früher habe ich gerne Party gemacht. Jetzt bin ich dafür aber zu müde.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Nicht mehr so lange. Ich brauche viel Schlaf. Deshalb, Linsen rein, die Haare gekämmt und los gehts.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit einem Mann, der richtig schnell rennen kann. Die laufen 3000 Meter auf dem Vorfuss; ich schaffe nicht mal 400.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Im Sommer werde ich wohl wieder­ mit Kollegen den Spass-OLs nachreisen. Ferien mit meinem Freund zu verbringen, ist schwierig. Wenn ich Zeit habe, hat er an der ETH Prüfungen.

Ihr Lieblingssong?
Kollegen an der PH haben eine Band, das finde ich cool. Sie heisst At Baron Lane. Am besten gefällt mir «Always Late».

Ihr Lieblingsfilm?
Ich sagte lange «Shutter Island». Vor kurzem habe ich den Psychothriller von Martin Scorsese mit meinem Freund wieder geschaut – und bin ob der gruseligen Szenen fast etwas erschrocken. Ich muss mir dringend einen neuen Lieblingsfilm zulegen.

Ihr Lieblingsbuch?
Die Zusammenfassungen für meine Prüfungen an der PH.

Ihr Lebensmotto?
Effizienz, die ist für mich mega wichtig.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Dass ich so viel Schlaf brauche für ein gutes Befinden.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Dass ich effizient bin. Ich kann mich gut auf das Wichtige fokussieren.

Was macht Sie glücklich?
Ich bin ein sehr sozialer Mensch, also mein Freund, meine Familie – aber auch Schokolade und Sport.

Was ärgert Sie?
Wenig. Am ehesten Personen, die mich nerven.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Dann habe ich wohl Kinder. Ob ich dann noch Spitzensport treibe­, weiss ich nicht. Mit dem OL wäre ich aber als Trainerin sicher­ verbunden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.05.2018, 14:10 Uhr

Worum gehts?

Ihre Premiere an Titelkämpfen der Elite erlebt Paula Gross an den OL-Europameisterschaften vom 6. bis 13. Mai im Tessin. Da Martina Ruch aufgrund einer Stressreaktion im Fuss auf eine Teilnahme verzichten muss, kommt Paula Gross wie ihre Schwester Julia bereits im Sprint vom Sonntag zum Einsatz. Das Duo geht zudem in der Mitteldistanz (Qualifikation am Dienstag, Final am Mittwoch) sowie in der Staffel am Samstag an den Start. Für die abschliessende Langdistanz am Sonntag ist nur Julia Gross gemeldet.

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