Snowboard

«Ich bin schon etwas ein Freak»

Mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille im Slopestyle in der Sierra Nevada hat sich Nicolas Huber auf einen Schlag ins Rampenlicht katapultiert – ein Ort, an dem sich der 22-jährige Lebemann aus Männedorf nicht unwohl fühlt.

Nicolas Huber küsst seine WM-Medaille.

Nicolas Huber küsst seine WM-Medaille. Bild: EQ Images

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Sich auf Sozialen Medien wie Instagram oder Facebook zu inszenieren, entspricht dem Zeitgeist. Nicht jedermann tut dies aber so exzessiv wie Nicolas Huber. Mal filmt er sich beim Rasieren vor dem Ausgang, mal posiert er nackt im Freien. Das jüngste «Projekt»: Zusammen mit Teamkollege Jonas Boesiger nimmt er in einem Kurzfilm die «besten» Kommentare, welche «20 Minuten»-Leser zur der Berichterstattung über seinen sensationellen Erfolg, verfasst haben, auf die Schippe.

Nicolas Huber nimmt den Hype um seine Person gelassen – was diese «Eigenproduktion» auf seiner Facebookseite zeigt. Quelle: Facebook

Das Theaterspiel ist schon lange eine Passion des Männedörflers, der von sich selbst sagt, er sei schon etwas ein Freak. Und es war mit ein Grund, weshalb er sich entschied, statt ein «normales» Gymnasium die Atelierschule, sprich die Mittelschule der Rudolf Steiner Schulen Sihlau, Winterthur und Zürich zu besuchen. 2014 absolvierte er die Matur.

Danach jobbte er etwas, ging Reisen und Kitesurfen, um dann im Winter als Parkshaper (Unterhalter des Snowboard-Parks) am Corvatsch zu arbeiten. Die Arbeit gefiel ihm, nicht zuletzt, da er auch selber of Gelegenheit zum Trainieren bekam und zudem Teil der Freestyle-Szene wurde. Im Sommer war Saas-Fee der «Place to be», im Winter neu Laax. Entsprechend hat Huber auch keinen wirklich fixen Wohnsitz, wobei er Männedorf, wo er aufgewachsen ist und seine Eltern wohnen, doch als seine Heimat bezeichnet.

Hat sich Ihre Heimatgemeinde schon bei Ihnen gemeldet zwecks Empfang?
Nicolas Huber: Tatsächlich, ja. Ich weiss aber nicht, ob es schon bald klappt. Ich reise zwar am Samstag heim, schon tags darauf geht es jedoch weiter zu einem Wettkampf in Österreich.

Was gab es sonst für Reaktionen aus der Heimat?
Unglaublich viele. Ich kann es kaum fassen.

Gleiches sagten Sie kurz nach dem Gewinn der Silbermedaille. Wie sieht es unterdessen aus?
Langsam realisieren ich schon, was ich da geschafft habe. Am meisten freut mich, dass ich nun ins Kader von Swiss Snowboard aufgenommen werde und künftig noch mehr und auch professioneller snowboarden kann.

Mit dieser Visitenkarte werden Sie bei den Veranstaltern nun sicher gute Karten haben.
Ich hoffe doch, ja. Ich glaube, es könnte sogar Olympia 2018 zum Thema werden. Um dort dabei zu sein benötige ich aber sicher noch ein Topresultat im Weltcup im kommenden Winter.

«Am meisten freut mich, noch mehr snowboarden zu können.»Nicolas Huber

Bisher bestritten Sie kaum Wettkämpfe, nur einen im Weltcup (27. Rang in Laax) und vier im Europacup (Plätze 2, 2, 5 und 6). Wieso eigentlich?
Lange war das für mich gar kein Thema. Erst als sich in den Resorts arbeitete, so öfter auf dem Brett stehen konnte, erreichte ich das Niveau dazu. Als ich dann an die Wettkämpfe wollte, brach ich mir zweimal das Schlüsselbein.

Und nun, kein Jahr später, haben Sie eine WM-Silbermedaille um den Hals hängen.
Verrückt, nicht wahr. Damit hatte ich selbst nie und nimmer gerechnet.

Wobei: Sie kannten ja die Konkurrenz und die eigenen Fähigkeiten...
Klar. Den Einzug in den Final traute ich mir zu, ebenfalls, dort eine gute Leistung abzurufen. Dass es aber gerade zu Silber reicht, hätte ich nicht gedacht.

Was zeichnete Ihren Lauf aus?
Die Bedingungen waren schwierig, die Unterlage variierte ständig. Ich konzentrierte mich deshalb darauf, sehr sauber zu fahren. Dies wurde von der Jury belohnt.

Im 2. Run konnten Sie sich dann nicht mehr steigern und wurden schliesslich noch vom Belgier Seppe Smits abgefangen.
Ich versuchte, noch eine Schippe draufzulegen, wollte speziell im unteren Teil auf den Rails ein paar technische Schwierigkeiten draufpacken. Leider misslang mir aber schon der erste Sprung – ich musste beim Grab zweimal nachfassen. Da wusste ich gleich, dass keine Verbesserung mehr drin liegt.

Letztlich dürfte die Freude aber klar überwogen haben.
Absolut. Entsprechend ausgiebig wurde gefeiert. Die Halfpipe-Fahrer gewannen ja auch noch Silber und Bronze. Wir zogen von Bar zu Bar, Club zu Club. Ich glaube, ich war circa um 7 Uhr in der Früh im Bett.

«Plötzlich wollen alle etwas von diesem ausgeflippten Typen.»Nicolas Huber

Mit dem Big Air steht für Sie ja bei dieser WM, Ihrer ersten überhaupt, noch ein zweiter Wettkampf an (Qualifikation heute Donnerstag, Final morgen Freitag). Was trauen Sie sich da zu?
Ich erwarte von mir, den Final (Top 10) zu erreichen. Dies sollte möglich sein, wenn ich den geplanten Backside Triple Cork 1440 in einem der zwei Versuche sicher stehe. Im Final müssen dann zwei von drei Sprüngen gelingen. Da sind Prognosen schwierig. Klar ist, dass ich gut drauf bin und sicher alles versuchen werde.

Wie nutzten Sie die Zeit zwischen den beiden Wettkämpfen?
Viel davon für Medienanfragen. SRF, Tele Züri, Schweizer Illustrierte – alle wollen plötzlich etwas von diesem skandalösen, ausgeflippten Typen (lacht), dem «Nudisten der Snowboard-Szene» (so titelte 20 Minuten online in einem Artikel; Red.). Am Montag besuchte ich kurz Granada, kaufte einige Souvenirs, ging zum Coiffeur (da er sich nicht wirklich habe verständigen können, sei es ein ziemlich braver Schnitt geworden – was seine Eltern sicher freuen werde, ergänzt Huber). Am Dienstag wäre dann eigentlich Big-Air-Training angesagt gewesen. Allerdings schlug das Wetter brutal um. Vergangene Woche konnte ich noch in Shorts und T-Shirt rumlaufen, sogar so zur Siegerehrung. Nun ist es wieder tiefster Winter und vor allem windig oben auf Höhe der Snowboard-Parks. Das Alternativprogramm hiess Fitness, Fussball etc.

Zum Schluss: Was hat es eigentlich mit diesem pinken Pulli auf sich, der auf Ihren Bildern in den Sozialen Medien immer wieder auftaucht und den Sie auch bei der WM tragen?
Der war ein Geschenk meines Sponsors Funky Snowboard. Er gefiel mir auf Anhieb und ist nun eine Art Glücksbringer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2017, 18:47 Uhr

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