Unihockey

«Hatte Glück im Unglück»

Dass Sven Bier noch Unihockey spielt, ist nicht selbstverständlich. Der Verteidiger hatte im vergangenen Mai einen schweren Velounfall, schlug mit dem Gesicht auf – nur wenige Zentimeter neben einem grossen Stein. Er hätte auch tot sein können.

Im Restaurant bestellt Sven Bier – trotz seines Namens – meist ein Coca-Cola.

Im Restaurant bestellt Sven Bier – trotz seines Namens – meist ein Coca-Cola. Bild: Silvano Umberg

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Sie werden sich sicher ein Bier bestellen – bei Ihrem Namen.
Sven Bier: (schmunzelt) Das musste ja kommen. Aber nein, Bier ist nicht so mein Ding. Ich nehme eine Coke – mein klassisches Restaurant-Getränk von klein auf.

Müssen Sie sich oft Sprüche wegen Ihres Namens anhören?
Immer wieder mal. Mehr zu «leiden» hat aber mein Bruder, der Kay heisst.

Zurück zum Kulinarischen:Was essen Sie gerne?
Verschiedenstes. Aber am allerliebsten Pizza.

Coca-Cola, Pizza – gross auf eine gesunde Ernährung zu achten, scheinen Sie nicht?
(schmunzelt) Ich schaue schon, dass es nicht nur bei Pizza und Cola bleibt. Aber grundsätzlich esse ich nach Lust und Laune.

Wie steht es um Ihre Koch­künste?
Ich koche gerne und bin in unserer WG dafür zuständig. Ich probiere immer wieder Neues aus – und meine Mitbewohner (die beiden Teamkollegen Roman Weber und Marco Carigiet; Red.) finden es fast immer gut.

Und was ist die Gegen­leistung Ihrer Mitbewohner für Ihren Kochservice?
Sie räumen danach die Küche auf.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-WM 2002. Aber we­ni­ger wegen des Turniers als vielmehr wegen der Panini-Bildli, die ich da erstmals sammelte.

Wie sind Sie zum Unihockey gekommen?
Mein Bruder und ich spielten früher­ oft draussen. Durch einen Schulkollegen fand ich als Viertklässler den Weg in den Verein. Es hat mich gleich voll gepackt. Nach einigen Saisons bei Pfannen­stiel wechselte ich in den Nachwuchs von GC, bestritt dort zwei Saisons und dann noch ein Jahr in ­Uster. Dann kam allerdings eine ­Phase, in der ich etwas die Motivation verlor. Neben der Lehre wurde es mir etwas zu viel. Statt in der Natio­nalliga A, wie mein Bruder, landete ich dann wieder bei Pfannenstiel.

«In meinem Zimmer herrscht oft Chaos.»Sven Bier

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Der Aufstieg mit Pfannenstiel in die Nationalliga B zum Ende der vergangenen Saison. Die Kulisse im alles entscheidenden fünften Playoff-Spiel war sehr eindrücklich. Man verstand auf dem Feld das eigene Wort nicht mehr.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
(überlegt lange) Schwer zu sagen … ich kann mich eigentlich nur an Gutes erinnern. (schmunzelt) Okay, als Junior verlor ich mit Oetwil einmal 0:40 – und das, obwohl die Partie nur zweimal 15 Minuten dauerte.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie der Doppelrunde vom Wochenende mit der Partie bei Schlusslicht March-Höfe Altendorf und dem Heimspiel gegen Fribourg (5.) entgegen?
Ich traue uns in beiden Par­tien Punkte zu. Die Liga ist sehr aus­geglichen, jeder kann jeden schlagen. Wichtig wird sein, dass wir unser Spiel durchziehen, und zwar über 60 Minuten. Bisher gab es immer wieder mal einen Einbruch, wo wir innert Kürze zwei, drei Gegentore kassierten.

Grundsätzlich liegen Pfannenstiels Probleme aber eher in der Offensive als hinten. Alle elf Gegner haben mehr Tore geschos­sen, aber nur deren fünf weniger kassiert.
Eine solide Defensive muss die Grundlage unseres Spiels sein als Aufsteiger. Unser Erfolgsrezept heisst Teamwork, zudem haben wir gute Goalies. Offensiv besteht sicher noch Steigerungspotenzial, wobei ich manchmal das Gefühl habe, wir seien vom Pech verfolgt, so viele Latten- und Pfostentreffer wie wir verzeichnen.

Aus der 1. Liga waren Sie es sich gewohnt, viel zu gewinnen;nun setzt es meist Niederlagen ab (15 in 18 Partien). Wie gehen Sie damit um?
Niederlage ist nicht gleich Nie­der­lage. Die knappen schmerzen deutlich mehr. Und wenn es eng war, fragt man sich natürlich umso mehr, was man hätte besser machen können. Wir wussten aber auch, dass wir es als Auf­steiger schwer haben würden. Man konnte sich also darauf einstellen­.


Inwiefern mussten Sie Ihr Spiel in der Nationalliga B umstellen?
Das Niveau ist in der NLB durchs Band höher, und einige Teams haben­ extrem gute Ausländer. Fehler werden deshalb viel öfter bestraft. Als Verteidiger muss man sich dies speziell in der Angriffs­auslösung bewusst sein. Spiele ich den Pass in den Rücken des Stürmers, entsteht dar­aus meist eine Überzahl für den Gegner­. Man muss den Ball also präziser und überlegter spielen.

Reicht es Pfannenstiel zum Ligaerhalt?
Die Leistungen seit dem Jahreswechsel (5 Punkte aus 3 Partien nach zuvor 6 aus 15; Red.) stimmen mich zuversichtlich. Die knapp dreiwöchige Pause hat uns gut getan. Es war wichtig, einmal den Kopf frei zu kriegen. Wir müs­sen nun schauen, weiter Selbst­vertrauen aufzubauen im Hinblick auf die Playouts. Und sich noch den Heimvorteil zu sichern­, wäre auch wichtig.

Zurück zu Ihnen: Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit jemand wirklich Berühmtem, um zu sehen, wie es ist, wenn man immer angesprochen und beäugt wird. Ich stelle mir das ziemlich anstrengend vor.

Welche Person bewundern Sie?
Ich habe keine Idole oder so.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Ich habe mit meiner Freundin einen zweiwöchigen Städtetrip geplant. Wir besuchen Wien, Berlin, Kopenhagen und Stockholm.

Ihr Lebensmotto?
Ich bin momentan gerade etwas auf der Suche. Ich hatte im Mai einen schweren Unfall. Das Erlebte­ hat mich stark geprägt und meine Einstellung zum ­Leben verändert.

Was ist passiert?
Ich war mit dem Velo unterwegs, wollte aufs Trottoir «springen». Dabei fiel offenbar das Vorderrad raus. Ich klatschte voll aufs Gesicht, brach mir dabei den Kiefer doppelt, beide Joch­beine, die Nase sowie den Mittelgesichtsknochen. Es war eine zwölfstündige OP nötig, um alles zu flicken. Ich hatte Glück im Unglück: 30 Zentimeter neben der Aufprallstelle war ein grosser Stein. Wer weiss, was passiert wäre, wenn ich diesen erwischt hätte.

Wie geht es Ihnen heute?
Manchmal spüre ich die Schrauben etwas, und an gewissen Stellen habe ich kein Gefühl. Insgesamt geht es mir aber wieder gut.

Was ist Ihr grösstes Laster?
In meinem Zimmer herrscht oft Chaos. (lacht)

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin sehr zuverlässig.

Was macht Sie glücklich?
Ein schöner, lustiger Abend mit der Freundin und Kollegen.

Was ärgert Sie?
Leute, welche die Fehler stets bei den anderen suchen.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Mir Zeit für die Dinge zu nehmen, die mir wirklich wichtig sind.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Zum Privaten sage ich: Man sieht, wie es kommt. Bezüglich Unihockey haben ich und einige meiner Teamkollegen den Plan, später zusammen noch einige Jahre zum Plausch auf dem Kleinfeld zu spielen.

Erstellt: 19.01.2018, 08:47 Uhr

Zur Person

Sven Bier ist 25-jährig, wuchs in Oetwil auf, wohnt aber seit rund zwei Jahren in Uster. Er hat einen drei Jahre jüngeren Bruder, der ebenfalls Unihockey spielt, auch als Verteidiger, aktuell bei GC in der NLA. Das Eigengewächs des UHC Pfannenstiel arbeitet seit der Lehrzeit (er liess sich zum Logistiker ausbilden) im operativen Einkauf bei der Migros-Tochter Midor in Meilen, dem Schweizer Marktführer im Bereich Back- und Eiswaren.(su)

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