Rapperswil-Jona

«Habe noch nichts zu verlieren»

Als Jüngster von drei Schweizer Mountainbikern kann Lars Forster beim olympischen Cross-Country-Rennen starten. Der 22-jährige Joner will in Rio ein Diplom holen, setzt sich aber nicht zu stark unter Druck.

Mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust will Lars Forster im olympischen Cross-Country-Rennen weit besser abschneiden als hier mit lädiertem Oberschenkel an der WM in Tschechien.

Mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust will Lars Forster im olympischen Cross-Country-Rennen weit besser abschneiden als hier mit lädiertem Oberschenkel an der WM in Tschechien. Bild: Lynn Sigel

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Olympia ist ganz klein im Hinterkopf», hatte Lars Forster im April vor dem Auftakt der Weltcupserie in Cairns (AUS) gesagt. In seinem ersten Jahr als Profi – BMC hat ihn bis 2018 unter Vertrag genommen ­– wollte er sich «an die Grossen herantasten». Doch der achtfache Nachwuchs-Schweizer-Meister (drei Cross-Country- und fünf Quer-Titel) überraschte in den ersten zwei Elite-Weltcuprennen mit Topresultaten. Der Joner fuhr in Australien auf Rang 6 und erfüllte dann in Albstadt mit dem 5. Platz gar das Kriterium von Swiss Olympic (mindestens eine Top-5-Klassierung im Weltcup).

Damit übertraf der 22-Jährige seine eigenen Erwartungen und sicherte sich neben dem (inzwischen) fünffachen Weltmeister Nino Schurter (30) aus Chur sowie dem Oberaargauer Mathias Flückiger (27) ein Startticket für Rio. «Ich rechnete ein wenig damit», verrät Forster, der seit 2000 dem VC Eschenbach angehört. Florian Vogel aus Jona blieb hingegen bei der Selektion auf der Strecke. Der 34-Jährige hatte zwar im Weltcup 2015 mehrmals die Top 5 erreicht und die Serie als zweitbester Schweizer beendet. Doch Swiss Olympic zog die Jugend der Rou­tine vor – Vogel war schon zweimal an Olympia (2010 in London und 2006 in Peking) dabei.

Bubentraum wird wahr

Den 6. Juni wird Forster nie mehr vergessen. An jenem Montag informierte ihn Thomas Peter, Chef Leistungssport bei Swiss Cycling, telefonisch über das Aufgebot. «Ich brauchte einen Moment, um das zu realisieren», gibt der Neoprofi offen zu. Danach habe dasTelefon nonstop geklingelt. Verwandte und Bekannte riefen an, um ihm zu gratulieren. «Alle in meinem Umfeld sind sehr stolz.» Allen ­voran Vater Sepp, der früher Moun-tainbike-Mara­thons bestritt und den Junior stets als Mechaniker unterstützte. Das Familienoberhaupt wird nach Rio reisen, um das Rennen seines Sohnes live mitzuverfolgen. Mutter Doris plant für Forster-Fans daheim in Jona ein Public Viewing.

«Ich gehe an den Start, als wäre es ein ganz normales Rennen.»Lars Forster

Mit der Olympiateilnahme geht der Bubentraum des Mountainbikers in Erfüllung. «Früher als geplant», lacht er. Schon als Teenager war «der Gewinn einer Olympiamedaille» Forsters grosses Ziel. Als Sechsjähriger hatte er in Küblis sein erstes Bikerennen absolviert und damals sogleich mit einem Podestplatz geglänzt. Seither stand der Joner an unzähligen Wettkämpfen auf dem Treppchen – meist zuoberst.

«Meine erste Chance»

In Rio rechnet er indes noch weniger mit einer Medaille. «Nach den bisherigen Weltcuprennen in diesem Jahr sowie EM und WM sind Nino Schurter, Jaroslav Kulhavy und Julien Absalon als Podestanwärter gesetzt», meint Forster. Dahinter sei von Rang 4 bis 10 alles möglich. Ein olympisches Diplom ist sein Ziel. «Ich setze mich aber nicht zu stark unter Druck», betont er. Der Joner versucht mit der Einstellung «als wäre es ein ganz normales Rennen» an den Start zu gehen. Ihm ist bewusst: «Von den Favoriten wird Edelmetall erwartet. Ich hingegen habe noch nichts zu verlieren, es ist meine erste Chance.» Denn in seiner noch jungen Karriere dürften weitere Olympiarennen folgen.

Forster hat sein Training voll auf die Strecke in Rio angepasst. «Es ist ein schneller und breiter Parcours, der im Gegensatz zu jenen im Weltcup viele Überholmöglichkeiten bietet.» Vergleichbar mit der Olympiastrecke von 2010 in London, weshalb die Schweizer Fahrer am 31. Juli dort noch ein Rennen bestreiten. Des Weiteren dient die Schweizer Meisterschaft von morgen Sonntag in Echallens der Olympiavorbereitung. «Den Weltcup in Mont-Sainte-Anne (7. August in Kanada, Red.) lasse ich aus», verrät der Olympionike.

Medaillen an EM und WM

Als Elite-Fahrer verhalf Forster der Schweizer Staffel (mit Jolanda Neff) Anfang Mai an der EM in Schweden zu Gold und zwei Monate später an der WM in Tschechien (mit Sina Frei, Uetikon) zu Bronze. In den beiden Einzelrennen kam er aber nicht in Fahrt (31. wegen Sturz und Platten an der EM und Rang 28 an der WM). «Ein dummer Sturz» (Zitat Forster) beim Einfahren an der WM führte zu einem Bluterguss im Oberschenkel und entzündetem Schleimbeutel.

Darum musste Fors­ter letzten Sonntag auf den Heimweltcup in Lenzerheide verzichten. «Das fuxte mich sehr, da dieses Rennen ursprünglich mein Saisonhighlight war.» Nun folgt am 21. August ein viel grösseres – und immerhin gefährdete das Malheur in Nove Mes­to dieses nicht.

Erstellt: 18.07.2016, 10:58 Uhr

Als Nachwuchsfahrer gewann Lars Forster schon viele Medaillen. Als Neoprofi holte er jüngst WM-Bronze (in der Hand) im Team-Relay. (Bild: Dominic Duss)

OláRio

«Freue mich auf tropische Früchte»

Als Maskottchen nach Rio begleitet mich?...
…mein Vater, der dann mit einem Kollegen das Rennen verfolgt.

Im Athletendorf treffen möchte ich?...
…Roger Federer. Er wird allerdings eine separate Unterkunft abseits des Athletendorfs haben. Aber vielleicht schaut er mal vorbei, und ich sehe ihn dann doch noch.

Auf Portugiesisch beherrsche ich?...
…nur Ja (sim) und Nein (não). ­Alles andere müsste ich mit dem Freund meiner Schwester – er ist Portugiese – noch lernen, doch dazu reicht die Zeit nicht mehr.

Samba tanzen kann ich?...
…wenn ich eine Medaille einfahre, sonst eher weniger. (lacht)

Von Rio unbedingt sehen möchte ich?...
…so viel wie möglich. Die Zeit dazu wird zwar begrenzt sein, aber wir sind schliesslich nicht für eine Stadtbesichtigung, sondern das Rennen dort.

Auf keinen Fall verpassen will ich?...
…natürlich den Start meines Rennens am 21. August.

Probieren möchte ich in Brasilien die kulinarische Spezialität?...
…vor allem all die tropischen Früchte, welche bestimmt frisch sind und deshalb besonders gut schmecken. Darauf freue ich mich.

Vor meinem Wettkampf esse ich?...
…einen Teller Pasta, wie ich das immer mache. (ddu)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!