Triathlon

«Ganz fair ist es eh nie»

Seinen ersten Triathlon beendete Ronnie Schildknecht als Zweitletzter. Auch dank Indoortraining kann sich der 38-Jährige, der neu in Langnau wohnt, elffacher Ironman-Sieger nennen.

Vor dem Schwimmtraining im Horgner Käpfnach trinkt Ronnie Schildknecht einen Kaffee und ein Mineralwasser.

Vor dem Schwimmtraining im Horgner Käpfnach trinkt Ronnie Schildknecht einen Kaffee und ein Mineralwasser. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben einen Kaffee und ein Mineral mit Kohlensäure bestellt. Weshalb?
Ronnie Schildknecht: Wasser und Kaffee gehören bei mir vor und/oder nach einem Schwimmtraining einfach dazu. Den Kaffee brauche ich am Morgen, um in die Gänge zu kommen. Vorher kann man mit mir kein gescheites Gespräch führen. Und Wasser ist der perfekte Durstlöscher.

Sind das auch Ihre Lieblingsgetränke?
Kaffee ganz klar – nicht nur wegen des Koffeins. Wenn ich im Training mal einen Push brauche, gönne ich mir auch ein Cola oder ein Red Bull. Den Zucker verbrenne ich dann ja gleich wieder.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Es gibt nichts schöneres als einen gemütlichen Brunch mit Zopf, Honig, Butter, Käse. Manchmal absolviere ich davor ein Nüchterntraining.

Und was kommt auf den Tisch, wenn Sie selbst kochen?
Meistens kocht meine Frau. Ich bereite für mich eher kalte Speisen zu – ein Plättli oder ein Stück Wähe. Wenn ich koche, dann richtig nach Kochbuch.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Die Fokussierung darauf geriet im Lauf meiner Karriere immer mehr in den Hintergrund. Ich spüre, was ich brauche, lasse den gesunden Menschenverstand walten, versuche den Zucker einzudämmen. Ich habe fast alles gern. Ganz wichtig ist mir dabei die Qualität. Für Bio-Produkte zahle ich gerne etwas mehr. Auf Fleisch kann ich wegen des Eisens nicht verzichten, es muss einfach aus artgerechter Tierhaltung stammen. Zum Zmorge gibts meist Brot und Halbfettquark, so komme ich zu Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten.

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Das Fixum, welches ich vom BMC-Vifit Sport Pro Triathlon Team powered by Uplace und meinen Sponsoren beziehe, ist die Basis. Es macht etwa 80 Prozent meiner Einkünfte aus. Dazu kommen Prämienkomponenten von den Sponsoren und Preisgelder. Ich verdiene nicht wie Roger Federer, kann aber gut vom Sport leben.

«Ich betreibe Triathlon freiwillig und nicht zur Belustigung anderer.»
Ronnie Schildknecht

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Das waren die Rennen von Skifahrer Pirmin Zurbriggen an den Olympischen Spielen 1988 in Calgary. Und die Fussball-WM zwei Jahre davor in Mexiko mit Diego Maradona. Da habe ich als Siebenjähriger erstmals Panini-Bildchen gesammelt.

Und an welchem haben Sie erstmals selbst teilgenommen?
Mit den F1-Elilte-Junioren des FC Thalwil stand ich im Cupfinal gegen Turicum. Wir verloren. Und im Tennis wurde ich Junioren-Meister im Bezirk Horgen.

Wie sind Sie zum Triathlon gekommen?
Ein Kollege von mir war Velokurrier. 1997 hatten wir die Schnapsidee am Zürich Triathlon zu starten. Ich konnte kaum Schwimmen und wurde im Sprint der Junioren, den Sven Riederer vor Ruedi Wild gewann, Zweitletzter. Ich war frustriert, wollte für drei Jahre mit Triathlon nichts mehr am Hut haben. Aus den anderen Sportarten war ich es mich gewohnt, vorne mitzumischen.

Wie entdeckten Sie die Liebe zum Triathlon doch noch?
2000 ging ich nach San Diego in einen Sprachaufenthalt. Als Zuschauer reisten wir an die WM nach Hawaii. Neben der Schule begann ich am Morgen auf dem Dach eines Hochhauses zu schwimmen. Im Nytro-Laden in Encinitas kaufte ich mir ein Triathlonvelo und ging am Nachmittag mit zwei Brasilianern auf dem Rad trainieren. Wettkampfluft schnupperte ich zuerst im Halbmarathon und Duathlon.

Hat Sie Ihr Grossvater, der Radrennfahrer Fritz Schär gewann fünf Etappen der Tour de Suisse und 1954 WM-Silber, inspiriert?
Indirekt. Er mir nie viel von seiner Karriere erzählt. Erst nach seinem Tod 1997 erfuhr ich mehr.

Dass man ihn als «Pillenfritz» bezeichnete, ist für seine Aktivzeit in den 40er- und 50er-Jahren bezeichnend. Wie sehen Sie das aus heutiger Perspektive?
Damals nahmen viele leistungssteigernde Mittel, auch Kübler und Koblet. Mein Grossvater machte es wohl zu offensichtlich, weshalb dieser Übername an ihm haften blieb, was eigentlich schade ist. Er machte damals ja nichts Verbotenes. Heute gibt es eine Dopingliste, auf der genau steht, was erlaubt und was verboten ist.

Reizen Sie das aus?
Viele gehen an die Grenze, welche ja zugleich auch als Schutz für uns Athleten dient. Vitamine sind erlaubt, die nehme ich phasenweise. Genauso die zwei Hübe Ventolin gegen meine Atemprobleme aufgrund der Pollenallergie. Alles in Absprache mit dem Verbandsarzt. Erst wer die Regeln bricht, betrügt andere.

Und wenn mehr erlaubt wäre, würden Sie auch mehr nehmen?
Die Dopingliste verändert sich ja stetig und wird nach oben oder unten angepasst. Koffein war ja auch mal mit Mengenbegrenzung auf der Liste und ist es jetzt nicht mehr. Ganz fair ist es eh nie, denn die körperlichen Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Ein Sebastian Kienle oder Lionel Sanders etwa haben von Geburt her einen Vorteil. Damit muss man als Spitzensportler klarkommen. Beim Ausdauersport kann man aber mit Fleiss und intelligentem Training viel erreichen. Gewinnen kann aber immer nur einer.

Sind die heutigen Sportler wie moderne Gladiatoren?
Nein, ich betreibe Triathlon ja freiwillig und nicht zur Belustigung anderer. MMA-Kämpfer sind schon eher in dieser Rolle.

Auch American Footballer setzen ihre Gesundheit aufs Spiel.
Alles hat seinen Preis. Für die einen sind zehn Millionen Dollar das Risiko wert. Aber auch in der Wirtschaft riskieren Topverdiener ein Burnout.

Jetzt haben wir viel über die Schattenseiten des Sports gesprochen. Welches sind für Sie die schönen Momente?
Trainingsfahrten in der Natur mit Kollegen. Der Sport als Beruf und Lifestyle ist genial. Ich kann mit meinem Körper arbeiten. Es braucht zwar Erfolge, die Welt dreht sich aber auch ohne weiter. Niederlagen und der Umgang damit gehören dazu.

Vor kurzem sind Sie nach Langnau gezogen und haben sich dort im Keller eine Pain Cave eingerichtet. Sind Sie doch nicht so gerne draussen?
Wenn man täglich acht bis zehn Stunden trainiert, geht es auch um Optimierung. Auf der Rolle kann ich mit Zwift sehr zielorientiert arbeiten – und das bei jedem Wetter. Und auf den Schwimmergometer Vasa kann ich auch am Abend um 22 Uhr noch. Das ist doch super, so konnte ich diese Woche dafür an einem Morgen mit meiner Tochter in den Kinderzoo.

Mit welchen Erwartungen nehmen Sie am Sonntag den Ironman 70.3 Switzerland in Rapperswil-Jona in Angriff?
Diesem Rennen gilt nicht mein Hauptfokus. Aber wenn ich eine Startnummer trage, ist mein Ehrgeiz geweckt. Das Ziel ist ein Podestplatz, der Favorit ist allerdings Ruedi Wild.

Das dürfte am Ironman Switzerland Ende Juli in Zürich anders aussehen.
Absolut. Zürich ist mein Saisonhöhepunkt. Der zehnte Sieg kitzelt mich extrem.

Seit 2008 und Ihrem 4. Rang auf Hawaii haben Sie an der WM stets einen Podestplatz anvisiert, aber nie erreicht. Waren Sie zu verbissen?
Natürlich habe ich mich immer daran gemessen. Da ich kein Topschwimmer bin, ist es extrem schwierig. Mit dem Erreichten, bin ich trotzdem mega zufrieden.

Sind Sie seit der Geburt Ihrer Tochter Mila lockerer geworden?
Das hängt weniger damit zusammen, als dass ich so viel probiert habe und es nie geklappt hat. Mein Selbstvertrauen für Hawaii ist nicht riesig, ich werde einfach hingehen und mein bestes geben. Mark Aellen kam auf Kona sechsmal nicht ins Ziel und gewann nachher sechsmal.

Das innere Feuer brennt also noch?
Ja, ich werde zwar nicht mehr zwei Wochen sondern nur noch zwei Tage vor einem Wettkampf nervös, aber das ist ein gutes Zeichen.

In zehn Jahren werden Sie aber nicht mehr an der Spitze mitmischen. Was machen Sie dann?
Beruflich irgend etwas das mit Sport verbunden ist. In der Freizeit werde ich sicher meiner Passion Tennis wieder vermehrt nachgehen und vielleicht Ultra Bergläufe bestreiten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2018, 16:52 Uhr

Worum Gehts?

Am Sonntag gelangt in Rapperswil-Jona zum zwölften Mal der Ironman 70.3 Switzerland zur Austragung. Bei den Profis sind die Titelverteidiger Daniela Ryf und der Samstagerer Ruedi Wild die Topfavoriten. Gerade im Feld der Männer ist die Konkurrenz aus dem Ausland heuer gross. Die heissesten Kandidaten auf einen Spitzenplatz sind der Australier Josh Amberger, der Deutsche Boris Stein und der Südafrikaner Matt Trautman.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.