Rieden

Für Bohli fällt der Startschuss in Dubai

Sein Profi-Debüt wird Tom Bohli am 3. Februar am persischen Golf geben. Er startet in Dubai und Katar. Während seiner ersten Saison im BMC Racing Team will der 22-Jährige auch schulisch einen Meilenstein erreichen.

Vom BMC Racing Team wurde Tom Bohli im November unter Vertrag genommen und im Dezember bereits in ein spezielles Licht gerückt.

Vom BMC Racing Team wurde Tom Bohli im November unter Vertrag genommen und im Dezember bereits in ein spezielles Licht gerückt. Bild: Tim De Waele

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Seinen 22. Geburtstag feierte Tom Bohli am vergangenen Sonntag im Kreis der Familie in Rieden. Die tiefverschneite Landschaft am Ricken sei zwar schön anzuschauen, für das Training eines Radrennfahrers allerdings nicht ideal, sagt der Neoprofi. Während einer Ausfahrt bildeten sich an seinem Getränkebidon sogar Eiszapfen. Zum Beweis postete der St. Galler ein Bild davon in den sozialen Medien.

Den winterlichen Verhältnissen kann Bohli heute Donnerstag entfliehen. Er reist zum dritten Mal seit seiner Vertragsunterzeichung Ende November für ein zehntägiges Trainingslager nach Denia. An der spanischen Costa Blanca unterhält das BMC Racing Team in einem Hotel seinen Winter-Stützpunkt. Dort kam die ganze BMC-Familie – darunter auch Triathlet Ronnie Schildknecht (Samstagern) und Mountainbiker Lars Forster (Jona) – im Dezember zu einem Teamevent

zusammen. «Bei BMC geht es sehr familiär zu und her», sagt Tom Bohli, der die letzten drei Jahre beim BMC Development Team unter Vertrag stand. In dieser Zeit und ab August als Stagiaire bei den Profis vermochte der exzellente Roller mit erfolgreicher Vergangenheit auf der Bahn die Verantwortlichen der amerikanisch-schweizerischen Equipe von seinen Qualitäten zu überzeugen. «Tom hat 2015 Leistungen auf hohem Niveau gezeigt – speziell in den Einzelzeitfahren», lobt General Manager Jim Ochowicz. Bohli werde in seiner Rookie-Saison vor die passenden Herausforderungen gestellt. Die erste bildet die Dubai-Rundfahrt vom 3. bis 6. Februar.

Sechs Stunden im Sattel

Um darauf vorbereitet zu sein, wird der 22-Jährige bis Ende Monat im Südosten Spaniens täglich mindestens 150 km abspulen. «Ich werde vier bis sechs Stunden im Sattel sitzen», weiss Bohli. Neben Massage und Essen bleibe ihm aber genügend Zeit, um für die Schule zu lernen. «Die Kopfarbeit ist ein guter Ausgleich neben den körperlich anstrengenden Einheiten», sagt der Gymnasiast, der vergangene Woche wieder einmal zwei Tag in Biel die Schulbank drückte. «Ich war eigentlich nur dort, um Prüfungen zu schreiben. Den Stoff erarbeite ich fast ausschliesslich im Selbststudium.»

Der Radprofi absolviert das Sport-Kultur-Studium und gehört drei verschiedenen Klassen an. Das bedingt klare Strukturen und viel Selbstdisziplin – alles Dinge, die ihm auch im Sport zu Gute kommen. «Ich bin in diesen eineinhalb Jahren in Biel reifer geworden», urteilt der Riedner, der während der Schulzeit in Magglingen wohnt. Im Sommer steht der erste Teil der Maturaprüfungen an. Bohli ist überzeugt, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. «Ich muss einfach im Flugzeug oder im Hotelzimmer lernen.» Bei BMC ist er damit nicht allein. Manuel Quinziato, ein 36-jähriger Teamkollege aus Italien, erlangt gerade den Master in Rechtswissenschaften.

Tipps von Marco Pinotti

Der Fokus in den kommenden Tagen liegt jedoch auf der Saisonvorbereitung. «In Denia haben wir bisher immer in sechs- bis achtköpfigen Gruppen trainiert», erklärt Bohli. Die Aufgliederung entsprach den drei Equipen, welche den Saisonstart in drei verschiedenen Rennen begehen. Diese Woche wird in Australien die Tour Down Under ausgetragen. Am 3. Februar beginnt die Dubai-Rundfahrt, für welche Bohli kurzfristig anstelle des Belgiers Dylan Teuns ins Aufgebot rückte. Ursprünglich hätte der Neuling sein Debüt erst vom 8. bis 12. Februar in Katar geben sollen.

Für die Trainingspläne ist nicht mehr sein Vater Mike zuständig sondern Marco Pinotti. Der italienische Ex-Profi ist von BMC angestellt und gibt seine Erfahrungen aus 15 Rennsaisons an die nächste Generation weiter. «Ich habe mehr erreicht, als Leute, die talentierter waren als ich», sagte der 39-Jährige, der vier Etappen des Giro d’Italia gewann, am Ende seiner Aktivkarriere 2013. «Mit harter Arbeit und Disziplin habe ich mich Schritt für Schritt verbessert.»

Von Tour de Suisse träumen

Bohli hat das Credo des sechsfachen italienischen Meisters im Einzelzeitfahren bereits verinnerlicht: «Ich werde mich in meinem ersten Profijahr zuerst in kleineren Rundfahrten beweisen müssen.» Dort wolle er mannschaftsdienlich fahren und nach Möglichkeit auch einmal seine eigene Chance packen. «Hammergeil», fände Bohli ein Aufgebot für die Tour de Suisse, deren 6. Etappe am 16. Juni durch sein angestammtes Trainingsgebiet von Weesen nach Amden hinauf führt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.01.2016, 14:56 Uhr

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