Faustball

«Frühstücke wie ein Kaiser»

Seit 25 Jahren spielt Cornelius Jäger im TSV Jona Faustball. Eine Verletzung zwang den heute 33-jährigen Familienvater zu einem Positionstausch mit seinem Bruder Cyril, der es zum Nationalspieler brachte.

Im Café Galerie in Jona gönnt sich Cornelius Jäger praktisch vor der Haustür im Sommer gerne einen Eiskaffee. Während der Fussball-WM trinkt er aber auch gerne ein kühles Bier vor dem Fernseher.

Im Café Galerie in Jona gönnt sich Cornelius Jäger praktisch vor der Haustür im Sommer gerne einen Eiskaffee. Während der Fussball-WM trinkt er aber auch gerne ein kühles Bier vor dem Fernseher. Bild: Patrick Gutenberg

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Sie haben einen Eiskaffee bestellt. Was mögen Sie daran?
Cornelius Jäger: Bei diesen Temperaturen sind kalte Getränke immer angenehm.

Ist das auch Ihr Lieblingsgetränk?
Ich mag sonst auch Eistee oder jetzt während der Fussball-WM am Feierabend ein kühles Bier vor dem Fernseher.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Ich esse eigentlich alles, besonders mag ich deftiges und bodenständiges Essen. Wobei das im Sommer nicht gerade sinnvoll ist. Deshalb nehme ich zum Zmittag in der Mensa lieber etwas Leichtes, einen Salat mit einem Stück Fleisch oder so.

Wie steht es um Ihre Kochkünste?
Risotto gelingt mir sehr gut. Wenn ich etwas Neues ausprobiere, brauche ich einfach entsprechend mehr Vorbereitungszeit.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich schaue, dass ich vor einem Training nicht zu viel esse, weil mich das sonst träge macht. Allgemein halte ich mich an den Leitspruch: Frühstücke wie ein Kaiser, esse am Tag wie ein König und am Abend wie ein Bettler.

Haben Sie vor einem Wettkampf ein ernährungstechnisches Ritual?
Früher sind wir jeweils als Team zusammen essen gegangen. Heute wäre das wegen der vielen jungen Mitspieler, die sich nicht gerade sinnvoll ernähren, eigentlich wieder angezeigt. Ich achte einfach darauf, genügend Kohlenhydrate zu bunkern.

«Interessant wäre ein Tausch mit meiner Frau.»
Cornelius Jäger

Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?
Ich habe an der Hochschule Rapperswil Elektrotechnik studiert und bin nun Projektleiter am Institut für Energietechnik an der HSR. In diesem Jahr habe ich mein Pensum auf 80 Prozent reduziert.

Weshalb?
Am 1. Januar ist unsere Tochter Elena zur Welt gekommen. Seit der Mutterschaftsurlaub meiner Frau Linid zu Ende ist, arbeitet sie wieder an einem Tag, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich kümmere mich dann um unsere Tochter, was manchmal ganz schön anstrengend ist.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Die Fussball-WM 1994. Ich weiss noch, wie Brasilien den Titel holte, weil Roberto Baggio im Final für Italien den letzten Penalty verschoss. Im Faustball waren es das Obersee-Turnier in Jona und ein Turnier in Bozen, an das wir mit der Familie reisten, weil mein Vater Ruedi dort spielte.

Dann sind Sie durch ihn zum Faustball gekommen?
Ja, mein Bruder Cyril und ich ­waren genetisch vorbelastet.

Ihr ein Jahr jüngerer Bruder brachte es sogar bis in die Nationalmannschaft.
Er war wesentlich besser als ich, gewann an den World Games, dem Grossanlass der nicht olympischen Sportarten, die Silbermedaille. Er trat vor zwei Jahren zurück und spielt noch zum Plausch im Jona 4.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Jeder Sieg ist schön. 2012 wurden wir Cupsieger. Ich gehörte zwar zum Kader, kam im Final aber nicht zum Einsatz. Der Titel fühlte sich für mich deshalb nicht ganz so toll an. Zweimal reichte es auch zum Vizemeistertitel. Ich bin froh, dass wir als Team so weit kamen.

Was gefällt Ihnen am Faustball speziell?
Der familiäre Zusammenhalt. Alle kennen sich von klein auf. Wer nicht selbst spielt, ist trotzdem irgend­wie involviert.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Ich war immer als Vordermann auf der Schlagposition. An einem Turnier mit der U-18-Nati in Elgg verspürte ich grosse Schmerzen im Schlagarm. Es wurde ein Golferellbogen diagnostiziert, der mich zwei Jahre lang so behinderte, dass ich in die Abwehr wechseln musste. Ich tauschte quasi den Platz mit meinem Bruder. Ich bedauere einfach, dass ich nie erfahren werde, wie weit ich es auf meiner angestammten Position gebracht hätte.

«Ideal ist für mich, wenn es draussen nass und kalt ist.»
Cornelius Jäger

Mit welchen Erwartungen ­nehmen Sie die Heimrundeam Samstag in Angriff?
Wir kämpfen im Fernduell mit Oberentfelden und Elgg um einen Platz am Final Four. Gegen Widnau wird es schwierig, Olten müssen wir einfach schlagen.

Dann ist die Ausgangslage ähnlich wie am letzten Wochen­ende, als Jona Leader Diepoldsau unterlag und Walzenhausen bezwang?
Ja. Wie jedes Jahr haben wir eine Baisse, aus der wir so rasch wie möglich rauskommen müssen. Oft stehen wir uns selbst im Weg.

Würde da ein Mentaltrainer ­helfen?
Vor zwei Jahren hatten wir mal einen, der uns half, den Abstiegzu verhindern. Wir standen vor der letzten Runde enorm unter Druck, hielten diesem aber stand. So musste mein Bruder Cyril nicht als Absteiger abtreten.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Nicht lange, nur um das Gesicht zu waschen und die Zähne zu ­putzen.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Ich bin völlig zufrieden, so wie es ist. Interessant wäre ein Tausch mit meiner Frau Linda, sie hat immer so viele Dinge im Kopf, die sie umsetzen möchte.

Wie sieht für Sie ein perfektes Wochenende aus?
Ich bin ein Stubenhocker. Ideal ist für mich, wenn es draussen nass und kalt ist, dann kann man es sich zu Hause vor dem Fern­seher gemütlich machen. Wobei, jetzt als Familienvater ist das nicht mehr so oft möglich. (lacht)

Dann verbringen Sie Ihre ­nächsten Ferien wohl auch mit der Familie. Aber wo?
Wir sind recht spontan. Vor kurzem waren wir für zwei Tage in Solothurn. Ein grösseres Projekt wäre Japan, wohin wir unsere Hochzeitsreise unternahmen. Aber dafür müssten unsere Kinder – es bleibt hoffentlich nicht bei einem – aber schon etwas grösser sein.

Ihr Lieblingssong?
Ich mag Heavy Metal sowie Iron Maiden und Rammstein.

Ihr Lieblingsfilm?
Grundsätzlich Science-Fiction- und Fantasyfilme, zum Beispiel die Alien-Reihe oder «Herr der Ringe». Actionfilme schaue ich auch gern. Und in «Forrest Gump» zappe ich immer mal wieder rein.

Ihr Lieblingsbuch?
Früher las ich viele Fantasyromane. Besonders gefesselt hat mich «Battle Royale» des Japaners K?shun Takami. Es handelt von einer Schulklasse, die auf eine Insel gebracht wird, wo ein «Spiel» ausgetragen wird, das nur einer überlebt.

Ihr Lebensmotto?
Solange ich gut aufstehe, wird auch der Tag gut.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Snusen, aber dafür habe ich mit Rauchen aufgehört.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Ich bin offen gegenüber anderen Menschen, verurteile Leute nicht gleich nach dem ersten Eindruck. Und meine Frau sagt, ich sei lustig.

Was macht Sie glücklich?
Wenn die Menschen um mich her­um glücklich sind.

Was ärgert Sie?
Unpünktlichkeit und Unordnung. Mit einem Kollegen, der immer zu spät kam, habe ich deswegen jeweils eine Viertelstunde früher abgemacht.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Die Reise nach Japan. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.06.2018, 14:16 Uhr

Worum Gehts?

In der zweiten NLA-Heimrunde in dieser Saison empfängt der TSV Jona am Samstag ab 16 Uhr den Tabellendritten Widnau und Schlusslicht Olten. Im ersten Aufeinandertreffen – ebenfalls im Grünfeld – hatten die sechstplatzierten Joner die Equipe aus dem Rheintal überraschend 3:2 besiegt. Gegen die noch punktlosen Solothurner waren die St. Galler ohne Satzverlust geblieben. Cornelius Jäger zeigte sich ob des starken Saisonstarts nach durchzogenen Vorbereitungsturnieren überrascht. Zuletzt seien sie aber in die schon fast traditionelle Baisse geraten. Jonas Chancen auf die Teilnahme am Final Four sind aber intakt. Der Rückstand auf das viertplatzierte Elgg beträgt bei noch acht ausstehenden Partien bloss zwei Punkte.

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