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Es soll sich anfühlen wie ein Sieg

Am Samstag bestreiten die Schweizerinnen das erste von zwei Barragespielen um ein EM-Ticket. Für die Horgnerin Carina Carballo werden die Partien gegen Frankreich zum Treffen mit Freudinnen.

Die Horgnerin Carina Carballo ist eine der Leistungsträgerinnen im Schweizer Nationalteam.
Die Horgnerin Carina Carballo ist eine der Leistungsträgerinnen im Schweizer Nationalteam.
André Springer

«Ich kenne sie alle», sagt Carina Carballo. Die Saison 2015/16 bestritt die Wasserballerin aus dem Schwimmclub Horgen für Bordeaux. Am 24. Februar und 3. März kämpft sie mit der Schweiz in zwei Barragesspielen um ein Ticket an der Europameisterschaft, die im Juli in Barcelona ausgetragen wird – gegen Frankreich. «Ich bin nervös, weil ich die Freundinnen wiedersehe», erzählt Carballo. Im französischen Kader stehen sechs Spielerinnen, mit denen sie im gleichen Team war.

Seit März 2017 ist die 26-Jährige in der Schweiz zu Hause. Es ist das Land ihrer Ahnen. Die Grossmutter war einst aus Bremgarten ausgewandert. In Mexiko City, wo sie aufwuchs, sah Carina Carballo keine Zukunft. «Ich war anders. Ich war Sportlerin, und in Mexiko gelte ich als blond», berichtet die Brunette. Die Ausbildung an High School und Uni absolvierte sie in den Vereinigten Staaten.

Eine Entwicklungshelferin

Nach Aufenthalten in Basel (wo sie von Mai bis Juli 2016 bei der Paul-Sacher-Stiftung arbeitete) und in Genf (im Juli und August 2016 für eine Weiterbildung in ihrem Studienfach «International Security») zog Carina Carballo nach Zürich. Hier lebt sie in einer Wasserball-WG mit ihrem Bruder Pablo und Stefan Velikov, die für Kreuzlingen und Horgen spielen. «Heimweh nach Mexiko habe ich nicht. Mein Bruder ist da, ich habe hier viele Freunde aus Mexiko, und ich arbeite in einem mexikanischen Restaurant.»

«Ich war anders. Ich war Sportlerin, und in Mexiko gelte ich als blond.»

Carina Carballo

Das Training hat sie mit dem Umzug in die Schweiz stark reduziert. «Das ist besser für meinen Körper», schmunzelt sie. Der sei «ein bisschen kaputt». Eine Operation an der Hüfte hat sie schon hinter sich, und auch die Schulter bereitet Probleme. Im Schweizer Nationalteam ist Carballo dennoch Leistungsträgerin. «Sie hat viel internationale Erfahrung», erklärt Nationalcoach Janos Halapi. «Sie ist balltechnisch gut und bringt viel Spielverständnis mit. Taktische Anweisungen kann sie sofort umsetzen. Und sie ist Centerback und organisiert die Verteidigung.»

Mit Mexiko qualifizierte sich Carina Carballo sogar für die WM. «Aber wir gingen nicht hin, weil das Geld fehlte.» Mit der Schweiz ist vieles anders. «Wir haben ein sehr gutes Team und werden jedes Mal besser», sagt Carballo zwar. Aber als sie im Juni 2016 am EU Nations Cup in Prag erstmals die Badekappe für die Schweiz überstreifte und ein 13:5 gegen Irland glückte, «da sagten mir die Spielerinnen, das sei das erste internationale Spiel, das sie gewonnen hätte – ich konnte es nicht glauben.»

Keine Angst vor Frankreich

Inzwischen sei «nicht mehr die Frage, ob wir gewinnen können oder nicht – wir können gegen alle gewinnen», sagt Carina Carballo. Ausser gegen Frankreich. Dort sei ein ehrgeiziges Projekt angelaufen im Hinblick auf die Olympischen Spiele von 2024 in. «In der Liga sind alle Teams mit Ausländerinnen aus den USA, Italien oder Holland verstärkt», weiss Carballo. «Und die Französinnen spielen schon zehn Jahre zusammen. Wir haben uns seit Oktober nur vier Mal gesehen.»

Setzt es also in der EM-Barrage hohe Niederlagen ab? Carina Carballo ist nicht beunruhigt. «Ich weiss wie es ist, mit 20 Toren zu verlieren.» Mit Mexiko traf sie oft auf die USA und Kanada. «Die USA ist die Nummer 1 der Welt, weit vor allen anderen.» In der College-Liga spielte sie gegen Stars wie Rachel Fattal oder Maggie Steffens. «Das ist wie wenn ein Tennisspieler gegen Roger Federer antritt.» Sie und ihr Team hätten gegen Frankreich aber nichts zu verlieren. «Und manchmal, wenn du verloren hast, aber sehr gut gespielt, fühlt es sich an wie ein Sieg.»

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