Rad

Einen Schritt näher an der Tour

Diabetiker Oliver Behringer aus Stäfa steht in seiner zweiten Saison im Developement Team Novo Nordisk und strebt den Aufstieg in die ProContinental-Equipe an.

Das angepeilte Topergebnis ist Oliver Behringer in der ersten Saisonhälfte nicht gelungen.

Das angepeilte Topergebnis ist Oliver Behringer in der ersten Saisonhälfte nicht gelungen. Bild: PD / TeamNovoNordisk

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Mit zwei Trainingskollegen vom VC Meilen wohnte Behringer am Donnerstag in Gommiswald der Ankunft der 6. Etappe der Tour de Suisse bei. «Die letzten Kilometer sind wir selbst mit dem Velo hochgefahren und waren überrascht, wie steil sie waren», sagt der 22-Jährige, der von einem spannenden Finale sprach. Leider hätte von den Schweizern nur gerade Mathias Frank vorne mithalten können. Selbst wieder wettkampfmässig in die Pedalen treten wird Behringer am Sonntag in zwei Wochen an den Schweizer Meisterschaften auf der Strasse in Schneisingen. «Dort werde ich den einen oder anderen Fahrer wieder sehen, dem ich am Donnerstag zugeschaut habe», sagt der Seebub. Messen wird er sich mit Küng und Co. allerdings nur indirekt. Im Rennen über 206 km werden nämlich zwei Medaillensätze verteilt, einer für die Elite international und einer für die Elite national, in welcher Behringer antritt.

Ein Rennen im Rennen

In diesem Rennen im Rennen wird der Stäfner, der sich als Einzelfahrer wird behaupte müssen, eher abwartend agieren. Er rechnet auf dem hügeligen Parcours mit einer frühen ersten Selektion. «Es wird spannend zu sehen sein, ob ich dann mithalten kann», sagt Behringer, dessen Ziel es ist, das Rennen bis zum Schluss fertig zu fahren.

Nach einigen erholsamen Tagen wird der 22-Jährige am 10. Juli nach Atlanta zurückfliegen. Im US-Bundesstaat Georgia hat seine Equipe ihren Trainingsstützpunkt. Dort wird sich Behringer zusammen mit den zehn weiteren Fahrer des Developement Teams auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten. «Zuerst werden wir einige lokale Rennen bestreiten, dann dürften wir für weitere UCI-Rennen nach Europa zurückkehren. Der Rennkalender steht aber noch nicht», erklärt Behringer.

EntspanntereVorbereitung

Die Vorbereitung auf seine zweite Saison im Dienste von Novo Nordisk hatte der Stäfner viel entspannter angehen können als die erste. «Ich kannte meine Ansprechpartner schon, wusste, was von mir erwartet wurde.» Bereits im Februar konnte er ein sechstägiges Rennen in der Dominikanischen Republik bestreiten. Das hügelige Profil kam dem Leichtgewicht, das für den VC Meilen lizenziert ist, entgegen. In der U-23-Wertung schloss Behringer die Rundfahrt auf Platz 3 ab, flankiert von zwei Teamkollegen.

Es folgte im April das Joe Martin Stage Race im US-Bundesstaat North Carolina. Weil das Zeitfahren im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr am ersten Tag stattfand, sei es viel härter und taktisch völlig anders gewesen, berichtet der 22-Jährige, der in der Nachwuchswertung Rang 26 belegte. Ende Mai startete er zum Gemenc Grand Prix in Ungarn, wo für ihn ein 24. Gesamtrang resultierte. Anfang Juni folgte die Tour of Bihor in Rumänien, die er im Vorjahr erkrankt hatte aufgeben müssen. «Nun konnte ich problemlos mithalten, das angestrebte Topergebnis gelang mir allerdings nicht», sagt der 13. im U-23-Klassement. Trotzdem sei ihm im Vergleich zu seiner Premierensaison ein grosser Schritt gelungen. «Ich kann in den Rennen jetzt ganz anders fahren.»

Das Feedback, das er von der Teamleitung erhielt, falle positiv aus. Einzig ein einstelliger Etappenrang fehle noch. Das führt Behringer auch auf seine mangelnde Erfahrung zurück. «In der Bergetappe in Rumänien wären die Top 20 möglich gewesen. Ich nahm im Schlussanstieg zu früh raus, statt voll vorne reinzuhalten.» Das Risiko, dass es einem verblase, müsse man einfach eingehen, um etwas gewinnen zu können. «Das ist bei den Topcracks nicht anders.» Um diese Erfahrungen zu machen, fahre er schliesslich noch im Devo-Team.

Aufstieg «nicht unrealistisch»

Sein Ziel ist aber ganz klar der Aufstieg ins Profiteam von Novo Nordisk, das der zweithöchsten Stufe ProContinental angehört. Die Chancen dafür bezeichnet Behringer als «nicht unrealistisch». Speziell unter Druck fühlt er sich deswegen nicht. Ob er den Sprung schaffe, hänge nicht bloss von seinen Resultaten und Leistungen ab. «Es kommt auch darauf an, welches Fahrerprofil gesucht ist.»

Die ausschliesslich aus Typ-1-Diabetikern gebildete Equipe hat bereits an nahmhaften Rennen wie Mailand-San Remo, dem Tirreno Adriatico oder der Polen-Rundfahrt teilgenommen. Behringer ist überzeugt, dass dereinst ein Start auf der Grand Tour möglich ist. Das grosse Ziel des Hauptsponsors ist die Teilnahme an der Tour de France 2021 zum 100-Jahr-Jubiläum von Insulin. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.06.2018, 13:46 Uhr

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