Squash

Ein unglücklicher Sommer

«Blendend» gehe es ihm, erklärt Nicolas Müller. Doch die EM-Teilnahme ist gefährdet. Denn die Zwischensaison der Nummer 18 der Welt vom Hirzel ist anders verlaufen als geplant.

Verlorene Wochen: Nicolas Müller musste mit dem Training aussetzen. Ob er sich an der Einzel-EM nach dem Ball streckt, ist noch unklar.

Verlorene Wochen: Nicolas Müller musste mit dem Training aussetzen. Ob er sich an der Einzel-EM nach dem Ball streckt, ist noch unklar. Bild: Stefan Kleiser

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«Höchstwahrscheinlich wird das kein Bombenstart in die Saison», schwant Nicolas Müller wenig Gutes. Dabei war alles angerichtet für EM-Gold. Der 28-Jährige vom Hirzel, bester Schweizer Squasher aller Zeiten, führt an den europäischen Titelkämpfen, die ab Mittwoch in Graz ausgetragen werden, die Setzliste an. Doch Müller konnte zuletzt kaum trainieren. «Ich hatte einen unglücklichen Sommer», berichtet der zwölffache Schweizer Meister.

Es begann mit einer Erkältung bei einem Public Viewing während der Fussball-Weltmeisterschaft im Juli. Nicolas Müller war drei Stunden auf dem Velo gefahren und hatte sich anschliessend am Abend noch eines der Spiele angesehen. Danach habe er zwei Wochen lang gehustet. Er trainierte weiter. «Ich dachte, alles wäre normal.» Als er dann aber doch den Arzt aufsuchte, um den Husten abzuklären, diagnostizierte dieser eine Bronchitis.

Bronchitis und Rippenbruch

Nicolas Müller hustete weiter, begab sich in den Notfall, weil er keine Luft mehr bekam («nach einer krassen Hustenattacke»). Er reagierte allergisch gegen ein Antibiotikum («ich bekam einen Ausschlag»). Eine angebrochene Rippe wurde auch noch entdeckt. Zuerst war von einem Muskelkater vom Husten die Rede. «Aber es tat immer weh. Und es tut immer noch weh.» Seit viereinhalb Wochen habe er keinen Schläger mehr in der Hand gehabt, klagt der Squasher.

Zwei Wochen durfte Müller sogar überhaupt keinen Sport machen. So war Zeit zum Nachdenken. Denn schon die vergangenen Saisons waren durch Verletzungen beeinträchtigt gewesen, mit Ausnahme der letzten, in welcher sich der Hirzler in die Top 20 der Weltrangliste zurückgearbeitet hatte. «Das Ganze war heavy. Da merkst du, dass die Gesundheit das Wichtigste ist.» Als ihm gesagt worden sei, es sei die Lunge, die Probleme habe, «da habe ich schon gestockt», gesteht er.

Von den Reserven zehren

Inzwischen sitzt Nicolas Müller wieder auf dem Velo. Krafttraining sei seit letzter Woche auch wieder möglich, hat er festgestellt. «Es geht mir blendend, das Leben macht wieder Spass.» Und der Spitzenspieler aus dem SC Sihltal berichtet, wie er erstmals wieder «zwei T-Shirts an einem Tag verschwitzt» habe. Die verlorenen Wochen, die der 28-Jährige sich «mit Youtube und 50 Kafi pro Tag» vertrieb, sind aber nicht mehr aufzuholen.

Die EM wird für die Nummer 18 der Welt zum Kaltstart. Wenn er überhaupt teilnimmt. Im Moment stünden die Chancen 30:70, sagt Müller. Auch der Turnierherbst, in den er eine Woche später in Shanghai startet, wird zum Wagnis. «Zu einem neuen Aufbau ist keine Zeit mehr. Ich muss von dem Reserven zehren.» Das sei ärgerlich. «Ich fühlte mich recht gut und hatte im Sommer Gas gegeben.» Wie schon 2016 und 2017 hatte Müller in Paderborn mit den deutschen Spitzenspielern Simon Rösner und Raphael Kandra trainiert. Nun muss er auf seine spielerischen Qualitäten vertrauen. «Wie es herauskommt, werde ich sehen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.08.2018, 10:13 Uhr

Ohne Steinmann

Während Nicolas Müller an der EM in Graz an Position 1 gesetzt ist, lässt Dimitri Steinmann, der zweite Sihltaler Berufssquasher, das Event aus. Stattdesssen sammelt er in Australien Punkte für das World Ranking. Er ist kein Einzelfall. Weil es an der EM nur um die Ehre geht, starten viele Stars nicht. Auch Müller sagt vielleicht ab. «Das ist der Worst Case», meint er aber. Denn er kann sich mit einem Topergebnis Unterstützungsgelder sichern – und dem Verband helfen, eine gute Einstufung bei Swiss Olympic zu bekommen.

Nach den gesundheitlichen Problemen gilt Müllers Fokus jedoch dem Saisonstart auf der Profi-Tour. Im Feld in Shanghai, wo 120 000 Dollars Preisgeld ausgeschüttet werden, ist er die Nummer 8. «Eine so gute Chance, gegen einen schlechter platzierten Gegner 410 Weltranglistenpunkte zu gewinnen, kommt so schnell nicht wieder.»

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