Leichtathletik

Ein klares Ziel und ein Traum

Steeple-Läuferin Fabienne Schlumpf von der TG Hütten steigt am Samstag mit gutem Gefühl ins Rennen, das schon lange in ihrem Fokus liegt.

Fabienne Schlumpf (hier an der Leichtathletik EM in Amsterdam) hat am Samstag ihren grossen Auftritt in Rio.

Fabienne Schlumpf (hier an der Leichtathletik EM in Amsterdam) hat am Samstag ihren grossen Auftritt in Rio.

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Ipamena bot an diesem Mittwoch nicht das, was man sich unter dem schönsten von Rios Stadtstränden vorstellt. Dunkle Wolken, das Meer tobte, der Wind durchdrang die Scheiben des Studios, welches die TV-Anstalten der Schweiz und von Österreich auf dem Ausflugsfelsen Pedra do Arpoador aufgestellt haben.

So aufgewühlt wie die Szenerie draussen war die Gemütsverfassung von Fabienne Schlumpf drinnen nicht. In keiner Weise. Sie war ruhig, fokussiert und liess sich auch vom Betrieb am ersten Medientreff der Schweizer Leichtathleten nicht aus der Fassung bringen. Denn ihre ganze Konzentration zielt auf den13. August, den Tag, an dem um 15.05 Uhr Schweizer Zeit der Vorlauf über 3000 m Steeple im Olympiastadion von Rio ansteht.

Schritt nach vorne

Nach den Europameisterschaften Anfang Juli in Amsterdam habe sie sich sehr gut erholt. «Die letzten fünf Wochen Vorbereitung liefen wie gewünscht», berichtet die 25-Jährige, die in Oetwil am See aufwuchs und jetzt in Wetzikon wohnt. «Ich denke, ich konnte nochmals einen Schritt nach vorne machen, und hoffe, dass ich diese Verbesserung am Samstag auch abrufen kann.»

Am Dienstag stand ein letztes intensives Training auf dem Programm. «Die Beine sind gut, das Gefühl stimmt.» Das Vorbereitungsprogramm seither: «Lockere Trainings und die Spannung aufbauen.» Für den Vorlauf am Samstag hat sie sich ein Minimalziel zurechtgelegt: «Meinen Schweizer Rekord verbessern. Wenn mir das gelingt, kann ich schon sehr zufrieden sein.» Momentan liegt er bei 9:37,81 Minuten. Sie hat gleichsam ein «Traumziel» vor Augen: den Final vom Montag. «Ob ich den erreiche, hängt natürlich auch von den anderen Läuferinnen ab», bemerkt Schlumpf. Für die Finalqualifikation brauche es wohl eine Zeit um 9:30. «Ich traue sie mir zu», ergänzt sie zuversichtlich.

Von den Olympischen Spielen hat sie bisher bewusst nicht mehr als das Dorf und das Trainingsstadion gesehen. «Unterwegssein macht müde. Man muss sich vorher gut überlegen, was man machen will», erklärt Michael Rüegg, ihr Trainer und Lebenspartner. «Es ist nicht wie zu Hause, wo man einfach auf dem Velo zum Training fährt», ergänzt Schlumpf.

Wegen der Distanzen liess sie am Mittwoch auch den Abstecher zum Leichtathletikstadion in einem anderen Stadtteil Rios aus. Nur Michael Rüegg war dort, um einen Augenschein zu nehmen. «Von aussen sieht es riesig aus, wie es dort so mitten in den Häusern liegt.» Von innen sei es «eigentlich ganz normal», beschreibt Rüegg, der wie seine Partnerin im olympischen Dorf wohnt. In getrennten Zimmern. «Ordnung muss sein», lacht Fabienne Schlumpf.

Geografie beim Laufen

Ganz zieht der Rummel im Dorf natürlich nicht an ihr vorbei. Das will sie auch nicht. «Olympische Spiele habe ich ja noch nie erlebt. Vor allem an den ersten beiden Tagen hier gabs schon sehr viele Eindrücke. Alles ist riesig, gigantisch und überall sind Leute.» Darunter auch prominente Gesichter. «Es hat schon ein paar hier, die ich kenne, die aber mich nicht kennen . . .», schmunzelt sie.

«Ich versuche, das olympische Fieber in mir zu entfachen», erklärt sie. «Allerdings nicht zu fest, um mich nicht ablenken zu lassen. Ich habe das Gefühl, ich konnte bisher gut damit umgehen. Ich konzentriere mich auf mich.» Und aufs Laufen.

Das kann sie selbst in Rio vor der Haustüre: Im olympischen Dorf ist eine 2,5 Kilometer lange Schlaufe durch die Häuser angelegt. «Man darf entweder in diese Richtung oder in die andere laufen. Manchmal stehen auch Leute im Weg», beschreibt sie mit Augenzwinkern. Und sie rennt an vielen Häusern vorbei. «Bei all den Flaggen, die daran hängen, kann ich gleich noch etwas Geografie lernen.»

Erstellt: 12.08.2016, 09:00 Uhr

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