Mountainbike

«Ein Diplom ist für mich machbar»

Die künst­liche ­Olympiapiste in Rio passt Lars Forster. Der 23-jährige ­Joner hat auf ihr einen Platz in den Top 8 im Visier.

Lars Forster?strahlt vor dem Rennen am Sonntag viel Zuversicht aus.

Lars Forster?strahlt vor dem Rennen am Sonntag viel Zuversicht aus. Bild: zvg

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Lars Forster hofft, dass mit dem Juli auch seine Pechsträhne zu Ende gegangen ist. Denn der letzte Monat hatte es in sich: An der WM in Tschechien stürzte er beim Einfahren und verletzte sich am Oberschenkel, an der SM in Echallens gab er nach der ersten Runde wegen Kniebeschwerden auf, und zuletzt am UCI-HC-Rennen im Londoner Hadleigh Park, auf der Olympiastrecke von 2012, fing er «wegen irgendetwas, das in der Wiese lag» nach 200 Metern einen Platten ein und ging vom letzten Platz aus ins Rennen. Immerhin stiess er in dieser Rio-Hauptprobe noch auf den 15. Platz vor.

Jetzt ist August. Der Monat, der mit seinem 23. Geburtstag ­begann, hat sich bisher bestens angelassen: der Flug nach Brasilien, dann das einwöchige Trainingslager «in den Bergen» bei Petro­polis, auf 800 m Höhe und rund eineinhalb Autostunden von Rio entfernt. «Wir haben uns gut akklimatisiert und perfekt trainiert», erklärt der Joner, der in seinem ersten Profijahr gleich zum Olympiadebüt kommt. «Die Woche hat uns als Team nähergebracht.»

Renntaktik besprochen

Forster selbst fühlt sich fit. Man habe «in Ruhe trainieren und diskutieren» können, ergänzt Nationaltrainer Bruno Diethelm. Was dabei sicher zur Sprache kam, war die Team­taktik. «Wir sind ­alle möglichen Szenarien durchgegangen», beschreibt Forster. «Vielleicht trifft im Rennen ­da­von etwas ein. Dann ist es gut, dass wir darüber gesprochen haben.»

Mit einer Renntaktik wie an einem Strassenrennen seien die Vorhaben jedoch nicht zu ver­gleichen, findet er: «Die Schnellen sind vorne.» Zu denen müsste Nino Schurter gehören: Der Bündner strebt nach Bronze 2008 und Silber 2012 die ulti­mative Steigerung an.

Am Dienstag zogen die Schweizer Biker ins olympische Dorf um. «Ziemlich eindrücklich», sagt Forster, dem wie vielen anderen Sportlern besonders «der riesige Esssaal» eingefahren ist. Ein Vergnügen macht er sich dar­aus, die Athletinnen und Athleten, denen er begegnet, anhand ihres Äus­se­ren und ihrer Muskeln einer Sportart einzuordnen.

Die Strecke liegt ihm

Am Mittwoch konnten die Biker zum ersten Mal auf die Olympiapiste im Mountainbike-Center von Deodoro. «Es gibt ein paar Stellen, an denen man sich konzen­trieren muss und keine Fehler machen darf», beschreibt der Neo­profi vom Obersee. ­«Jeder Fehler kann gravierend sein, denn er rächt sich auf dieser schnellen Strecke.» Im Gegen­satz zu Schurter, der am Test­event dabei war, kannte er die Piste vorher nicht.

Deodoro ist vergleichbar mit dem Hadleigh Park 2012: Eine künstlich angelegte Strecke, ­welche die Biker von Weltcuprennen her nicht gewohnt sind. «Mir passt sie», meint Forster. «Sie ist schnell, man kann gut auf Zug fahren. Das liegt mir von den Querrennen her.»

Bis Sonntag fit bleiben

Vom Wetter am Sonntag lässt er sich überraschen; derzeit sind für den Olympia-Schlusstag kühlere Temperaturen und Regen ange­sagt. «Damit könnte ich umge­hen. Lieber so als am Mittwoch beim ersten Training auf der Piste. Da war es über 35 Grad und mir zu heiss …», meint der Joner.

«Die Strecke kennen lernen und fit bleiben», sind seine Vorhaben in den Tagen vor seiner Olympiapremiere am Sonntag. Zufrieden mit sich sei er dann, «wenn ich durchs Ziel fahre und sagen kann, dass ich alles gege­ben habe». Über den Rang, der dabei herausschauen sollte, sagt er: «Ein Diplom ist für mich sicher machbar. Schön wäre auch eine gute Teamleistung.» Zur möglichen Ausbeute von ­Nino Schurter, dem Teamkollegen und Favoriten auf die Goldmedaille, meint er nur: «Der ­Nino wird das richten …» Wenn ­alles aufgeht, werden die Schweizer Biker ein paar Stunden später an der Schlussfeier gebührend zelebrieren können.

Spätestens dort im Mara­canã käme es wohl auch zur angekündigten Samba-Einlage von Lars Forster, falls gar er selbst eine Medaille holen würde. Anwärter aufs Podest sind allerdings andere wie Schurter, Titelverteidiger Jaroslav Kulhavy (CZE) oder Julien Absalon (FRA). Das ist auch dem Joner klar. Aber vielleicht verleitet ihn ja auch ein Olympiadiplom für einen Platz in den Top 8 zum Samba. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.08.2016, 09:24 Uhr

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