Hombrechtikon

«Die Zeiten haben sich geändert»

Andri Frischknecht aus Feldbach eifert als Profi seinem Vater Thomas nach, der einst Mountainbike-Geschichte schrieb. Der 23-Jährige fährt auch auf motorisierte Zwei­räder ab. Nur beim Essen muss er sich manchmal bremsen.

Daheim in Feldbach lädt die stilvolle Kaffeemaschine in der Garage Andri Frischknecht geradezu dazu ein, sich einen Cappuccino einzuschenken.

Daheim in Feldbach lädt die stilvolle Kaffeemaschine in der Garage Andri Frischknecht geradezu dazu ein, sich einen Cappuccino einzuschenken. Bild: Dominic Duss

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben einen Cappuccino rausgelassen. Was mögen Sie daran?
Andri Frischknecht: Da ich Kaffee allgemein gern habe, trinke ich oft einen. Mein Vater ist wie ich auch ein rechter «Kafi-Fanatiker».

Ist das auch Ihr Lieblings­getränk?
Nein, das ist Apfelschorle.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gern?
Pizza, die landet mindestens einmal pro Woche auf meinem Teller. Bin ich in Italien, sogar noch mehr.

Können Sie einen Pizzateig selber zubereiten?
Ja, das könnte ich. Wir haben sogar einen Holzofen, doch ihn einzuheizen ist aufwendig. Darum bestelle ich entweder Pizza oder hole sie selber ab. Oft gehe ich auch mit Lars Forster und Marcel Guerrini (beide auch VCE-Fahrer; Red.) in einer Pizzeria essen.

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich muss schon schauen, dass ich mich ausgewogen ernähre. Und vor allem die Mengen etwas reduzieren – ich esse eben gern viel. (schmunzelt) Auf Süssigkeiten und Süssgetränke zu verzichten, fällt mir weniger schwer.

Aber zum Geburtstag (heute Freitag; Red.) gönnen Sie sich sicher einen Kuchen?
Ja, ein Stück liegt schon drin. Wenn nicht heute, dann wird es bestimmt am Sonntag einen Kuchen geben, da meine Schwester Carmen dann auch gleich noch Geburtstag feiert – sie wird 20.

Was wünschen Sie sich für Ihr 24. Lebensjahr?
Dass ich verletzungsfrei bleibe. Das reicht mir schon.

Kommen Sie als Mountainbike-Profi finanziell über die Runden?
Da ich immer noch daheim ­wohne schon. Als Gegenleistung – und auch Ausgleich zum Sport – packe ich mit an, wenn es am oder ums Haus etwas zu werken gibt. Allein mit dem Preisgeld der Rennen käme ich aber momentan nicht durch, darum bin ich schon auf mein Team (Scott Sram, geleitet von seinem Vater Thomas; Red.) angewiesen. Und im letzten Winter verdiente ich mir mit Nebenjobs noch etwas dazu.

Welchen sportlichen Gross­an­lass haben Sie als ersten bewusst­ wahrgenommen?
Das waren die vielen Bike- und Quer-Rennen, an die mich mein Vater jeweils mitgenommen hat. Die haben mich natürlich geprägt. Da ich von Anfang an dabei war, lernte ich jeden in der Szene kennen. Zudem wurde ich mit den Abläufen vor und nach den Rennen vertraut, so hatte ich schon früh viel Routine.

Wie sind Sie konkret in die Fussstapfen Ihres Vaters getreten?
Genau erinnere ich mich nicht, da ich noch zu klein war. Jedenfalls wollte ich schon als Knirps so wie Papi fahren. Zuerst hatte ich ein Dreirad mit Direktantrieb, danach erhielt ich schrittweise Velos mit mehr Funktionen – nach der Rücktrittbremse eines mit richtigen Bremsen, als Nächstes mit Federung bis zum richtigen Profi-Bike. Ich hatte schon einige Bikes. (schmunzelt)

Haben Sie sich schon überlegt, was Sie beruflich machen würden, wenn Ihr Vater Thomas nicht Bike-Profi gewesen wäre?
Dann hätte ich jetzt wohl einen handwerklichen Beruf. Ich bin nicht so der Büro-Typ, sondern muss etwas werken und habe deshalb Zimmermann gelernt.

Wann kann es mühsam sein, den Vater als Chef zu haben?
Wir sind praktisch das ganze Jahr beisammen, ob unterwegs oder zu Hause. Da wir ein eingespieltes Team sind, funktioniert das gut. Er will immer nur das Beste für mich, ich will allerdings selber entscheiden können. Klar kann das manchmal zu Differenzen führen, die wir aber schnell klären. Generationsbedingt sieht er gewisse Dinge halt anders als ich. Zwar kann ich ihm blind vertrauen, dennoch muss ich das eine oder andere auch hinterfragen.

«Ich weiss gut, was ich kann und was nicht.»Andri Frischknecht

Und wie ist es, immer wieder mit ihm verglichen zu werden?
Ich kriege das gar nicht so mit. Ein Vergleich ist sowieso schwierig, da sich die Zeiten so geändert haben. Die Leistungsdichte ist enorm gewach­sen, besonders im letzten Jahrzehnt. Als er noch Weltcup fuhr, lagen die ersten fünf Fahrer bis zu drei Minuten auseinander. Heute beträgt der Zeitabstand in den Top 10 oft nur wenige Sekunden. Auch das Material ist komplett anders. Etwas ist aber gleich geblieben: die extreme Leistung, welche alle Fahrer erbringen.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Als ich im März mit Teamkollege Michiel Van der Heijden in Süd­afrika die Schlussetappe am Cape Epic (8 Tage, 691 km und 15 400 Hm; Red.) gewann. Das war für uns eine grosse Genugtuung, da wir zusammen harte Arbeit geleistet und viel gelitten hatten.

Und welches war die grösste Enttäuschung?
Als ich vor zwei Jahren nach meinem geheilten Handgelenkbruch das Training wieder aufnahm und plötzlich Knieprobleme bekam. Das schlug sehr auf die Motivation. Vor allem, weil ich nicht wusste, wann ich das Knie wieder voll belasten kann. Ich musste drei Monate lang aussetzen und hatte danach für den Rest der Saison Mühe, richtig in Fahrt zu kommen.

Wie sind Sie mit Ihrer ersten Elite-Saison bisher zufrieden?
Sehr, bis auf das Weltcuprennen am letzten Sonntag in Andorra (Rang 54, zuvor 20. in Albstadt und 22. in Nove Mesto; Red.), wo es mir nicht lief. Ich bin aberzuversichtlich, dass sich die Höhen­trainings der Vorwochen nun positiv auswirken werden. Dem zweiwöchigen Trainings­lager mit dem Nationalteam in St. Moritz hängte ich noch einige Tage bei einem Kollegen im Engadin an.

Mit welchen Erwartungennehmen Sie am Sonntag das Weltcup-Heimrennen in Lenzerheide in Angriff?
Resultatmässig habe ich mir kein fixes Ziel gesetzt. Wichtig ist, dass ich die Leistung vonAnfang Saison abrufen und mein ganzes Potenzial ausschöpfen kann.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
30 Sekunden bis eine Minute. Tagsüber trage ich meistens entweder einen Helm oder ein Cap.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Mit Motocrossfahrer Eli Tomac. Mal ein Rennen auf einer solchen Monster-Strecke und vor all den Fans zu fahren wäre cool.

Welche Person bewundern Sie?
(überlegt) «Scho min Papi.» Was er zu seiner Zeit erreicht hat und welche Entscheidungen er damals – trotz allem Risiko, dessen er sich bewusst war – traf, ist bewundernswert und einmalig.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Im Oktober – nach der Saison – mache ich mit Kollegen Motocross-Ferien in Italien.

Ihr Lieblingssong?
Aktuell «Rebel Yell» von Billy Idol. Ausser Ländler und Oper höre ich eigentlich alles.

Ihr Lieblingsfilm?
«Death Grip» (ein Bike-Film, erst seit Mai erhältlich; Red.) von Brendan Fairclough.

Ihr Lieblingsbuch?
Seit «Harry Potter» vor zehn Jahren habe ich keines mehr gelesen. Ich sitze lieber auf dem Bike als im Lesestuhl.

Ihr Lebensmotto?
Pin it to win it.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Mein Hang, manchmal etwas zu viel zu essen. Und ich kann rasch einmal ungeduldig werden.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Meine Selbsteinschätzung. Ich weiss gut, was ich kann und was nicht.

Apropos: Welche gute Eigenschaft wurde Ihnen von der Mutter in die Wiege gelegt?
«Ihri grossi Schnorre.» (lacht) Aber genauso gut wie lafern kann sie auch liefern.

Was macht Sie glücklich?
Biken, Rennen gewinnen und Motocross fahren – mein grösstes Hobby.

Was ärgert Sie?
Zu langsame Autofahrer, Stau und Leute, die über den Mittag ihren Grosseinkauf machen.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Hoffentlich immer noch biken. Und vielleicht habe ich dann Kinder. (schmunzelt)

Erstellt: 06.07.2017, 16:14 Uhr

Worum gehts?

In Lenzerheide findet am Sonntag das vierte Cross-Country- Rennen der Weltcup-Serie 2017 statt. Neben Andri Frischknecht startet auch Klubkollege Marcel Guerrini (Neuhaus) erstmals in der Elite-Kategorie. In dieser sind mit dem Joner Lars Forster, dem Riedner Fabian Giger (beide ebenfalls VC Eschenbach) sowie Florian Vogel aus Jona drei weitere Fahrer aus der ZSZ-Region dabei. Sina Frei aus Ueti­kon am See (VC Meilen) zählt im U23- Rennen der Frauen zu den Goldanwärterinnen, die Schmerknerin Nicole Koller (VCE) zum erweiterten Favoritenkreis. (ddu)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben