Rad

Diabetes als Türöffner

Im Pro-Continental-Team Novo Nordisk hat der Stäfner Oliver Behringer seinen ersten Profivertrag unterschrieben.

Der Stäfner Oliver Behringer hat bei Novo Nordisk seinen ersten Vertrag  als Veloprofi unterschrieben. Hier schreibt er sich für eine Etappe der Tour of Taihu Lake in China ein.

Der Stäfner Oliver Behringer hat bei Novo Nordisk seinen ersten Vertrag als Veloprofi unterschrieben. Hier schreibt er sich für eine Etappe der Tour of Taihu Lake in China ein. Bild: Anne Wu (7Cycling)

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Im Sommer 2016 hatte Behringer ein Talent-ID-Camp von Novo Nordisk absolviert. Für die Saison 2017 fand der Seebub mit Diabetes Typ 1 Aufnahme im Developement-Team des Insulinherstellers. Für zwei Jahre verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Atlanta. Am Trainingsstützpunkt seiner Equipe im Bundesstaat Georgia bewohnte er mit Teamkollegen ein Haus. «Wir erhielten ein kleines Sackgeld und mussten nur die Verpflegung selbst bezahlen», sagt Behringer.

Rennen absolvierten die Devo-Fahrer mehrheitlich auf nationaler Ebene in den USA. Dazu kamen einzelne UCI-Events der untersten Stufe 2.2 in Rumänien, Ungarn oder der Ukraine. Hatte Behringer im ersten Jahr noch zu beissen, gehörte er in dieser Saison – seiner erst fünften als «richtiger Rennfahrer» – zu den Teamleadern.

Missglückte Premiere

Im August 2018 wurde Oliver Behringer als Stagiaire ins ProContinental-Team von Novo Nordisk berufen. Die Premiere an der Ruanda-Rundfahrt verlief nicht nach Wunsch. Wegen einer Magen-Darm-Geschichte musste der 22-Jährige bereits am zweiten Tag aufgeben. Besser ging es in der ersten Oktoberhälfte an der Tour of Taihu Lake, seinem ersten Rennen der Kategorie 2.1 in China. Auf den sieben Etappen im Grossraum Shanghai sei richtig die Post abgegangen. «Es waren fast nur Pro-Conti-Fahrer am Start. Im Prolog hatte ich auch gegen die Teamkollegen, die sich an dieses Niveau gewöhnt sind, keinen Stich», schildert der Stäfner. Auf dem 5,5 km langen Parcours büsste er auf den Sieger über eine Minute ein und belegte unter 121 Fahrern Platz 114. Die achttägige Rundfahrt beendete er auf Platz 89.

Die Teamverantwortlichen glauben trotzdem an ihn und statteten Behringer und drei weitere Devo-Fahrer mit einem Profivertrag aus. Da der einzige Schweizer in der Organisation unter 25 ist, läuft dieser automatisch zwei Jahre lang. «Vier Fahrer ins Profiteam befördern zu können, ist ein Zeichen für unsere gute Arbeit mit dem Developement-Team», lässt sich Novo- Nordisk-Generalmanager Vassili Davidenko zitieren.

25 300 Euro Mindestlohn

«Es ist ein grosser Schritt für mich – aber einer mit Entwicklungspotenzial», sagt Oliver Behringer, der damit das Continental-Level überspringt. Er könne nun zwei Jahre lang in Ruhe arbeiten. «In der ersten Saison geht es darum, mich Schritt für Schritt an das höhere Niveau zu gewöhnen, einen Resultatdruck wird es nicht geben», ist der Neoprofi überzeugt.

Veränderungen bringt der Kontrakt für den ausgebildeten dipl. Pflegefachmann HF einige. Erstmals erhält er für das professionelle Ausüben seiner Leidenschaft einen Lohn. Dieser liegt leicht über dem vom Rad-Weltverband UCI festgelegten Mindestlohn von 25 300 Euro pro Jahr. «Damit kann man in der Schweiz zwar keine grossen Sprünge machen, wenn man die Unkosten tief hält, reicht es aber», sagt Behringer, der seine Zelte wieder bei den Eltern in Stäfa aufgeschlagen hat.

Wieder zu Hause

Novo Nordisk unterhält für die Profifahrer nämlich keinen Trainingsstützpunkt. «Ich werde viel mehr auf mich alleine gestellt sein», weiss Behringer. Anfang Dezember wird er unter Anleitung von Federico Fontana den Trainingsumfang wieder hochfahren. Kontakt hatte er mit seinem neuen Coach erst schriftlich. «Er tauscht sich aber mit dem Devo-Coach aus und kann auch auf meine bisherigen Leistungsdaten zurückgreifen», relativiert der 22-Jährige. Täglich wird er über das Tool Training Peaks mit Fontana verbunden sein. Ein Trainingslager mit dem Team ist für den Januar in Spanien geplant. Sonst wird sich der Stäfner mehrheitlich in der Heimat vorbereiten. Oder er trifft sich mit den europäischen Teamkollegen auf eigene Faust auf Mallorca.

Vor dem selbstverantwortlichen Trainieren ist ihm nicht bange. «Das habe ich vor den beiden Jahren in Atlanta auch schon so gemacht.» Die Trainingspläne schrieb ihm damals der Horgner Roland Schätti.

Zwei Missionen

Vermehrt wird Oliver Behringer auch als Botschafter von Novo Nordisk im Einsatz stehen – zum Beispiel am 14. November am Weltdiabetestag in Zürich. «Die Krankheit gibt mir jetzt einmal eine Chance und die will ich packen», sagt der Typ-1-Diabetiker. Neben dem Erreichen von sportlichen Zielen hat das Team Novo Nordisk, das sich ausschliesslich aus Zuckerkranken zusammensetzt, eine zweite Mission. «Wir wollen zeigen, dass heute dank der medizinischen Fortschritte ein praktisch normales Leben möglich ist», erklärt Behringer.

Erstellt: 25.10.2018, 09:25 Uhr

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