Ski Alpin

Der Winter der letzten Chance

Während die Slalomspezialisten unter seinen Trainingskollegen im Nationalen Leistungszentrum (NLZ) Ost am Donnerstag auf der Diavolezza in den Winter starten, muss sich Yannik Dobler noch eine Woche gedulden.

Die Basis für einen erfolgreichen Winter legte der Männedörfler Yannik Dobler­ im Sypoba House in Jona unter Robin Städler.

Die Basis für einen erfolgreichen Winter legte der Männedörfler Yannik Dobler­ im Sypoba House in Jona unter Robin Städler. Bild: Nicole Baumgartner

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Der untersten Kaderstufe des Schweizer Skiverbandes hätte Dobler eigentlich bereits in diesem Winter angehören wollen. Dann wäre ein Teil seiner Unkosten von Swiss-Ski gedeckt worden. Dazu waren seine Leistungen in der vergangenen Saison aber nicht gut genug. Die Summe seiner Rangpunkte in der FIS-Rangliste hätte im Riesenslalom und einer Speeddisziplin zusammen maximal 450 betragen dürfen. In der Basisliste belegte der Männedörfler jedoch im Riesenslalom Rang 361, im Super-G 312 und in der Abfahrt 536.

Nun nimmt der 21-Jäh­rige, der für den SC Obersaxen lizenziert ist, einen weiteren Anlauf für den Aufstieg; angesichts seines fortgeschrittenen Alters seinen letzten? «Nicht unbedingt», sagt ­Dobler. Rennen fahren könne man auch ohne Kader-Status. «Ob es noch Sinn macht, entscheide ich dann im Frühling.» Druck mache er sich jedenfalls keinen. Es gäbe genügend Beispiele von Fahrern, die erst spät den Knopf aufgemacht haben. Ohne die massive Unterstützung seiner Eltern und des Kopfsponsors könnte er den Skirennsport ohne­hin nicht in diesem Mass betrei­ben, sagt der Wirtschaftsstudent an einer Fernuniversität.

Höhere Ränge, tiefere Punkte

Einen Teil seiner Saisonvorbereitung absolvierte Dobler erneut Down Under. Zum zweiten Mal schloss er sich im Sommer während eines Monats dem Global Racing Team von Paul Epstein an. Diesmal waren mit Daniele Sette und Nicholas Iliano noch zwei weitere Schweizer dabei. Das machte es für den Männe­dörfler etwas einfacher. «Dass ich die Örtlichkeiten und Abläufe aus dem Vorjahr schon kannte, half ebenfalls.»

Drei Wochen trainierten die Nachwuchsfahrer in Neuseeland. In Coro­net ­Peak bestritten sie zudem je zwei Riesenslaloms und Slaloms – die nationalen Meisterschaften und FIS-Rennen. Dann ging die Reise weiter nach Aus­tra­lien, wo ­Dobler in Mount Hotham drei Rennen des Australian New Zealand Cup, dem Pendant zum Europacup, ­bestritt.

Im abschliessenden Slalom­ belegte der 21-Jäh­rige Platz 17. Sein Rückstand auf Sie­ger­ Steffan Winkelhorst aus Holland hielt sich mit 2,56 Sekunden aber in Grenzen. Weshalb Dobler sich mit 28,10 den besten FIS-Wert in jener Disziplin notieren lassen konnte. «Eigentlich ging ich wegen des Riesenslaloms nach Down Under. Dort lief es aber nicht wie erhofft. Ich konnte meine Punkte nicht verbessern, nur bestätigen.»

Dass ihm nun im Slalom eine Steigerung gelungen sei, nehme er aber auch gerne. Dabei schaffte er im Gegensatz zum Vorjahr keinen einstelligen Rang, erzielte aber bessere Punktewerte. Die Konkurrenz war stärker, bestand auch aus Weltcup-Fahrern – wie den slowakischen Brüdern Adam und Andreas Zampa.

Von Virus gebremst

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trainierte Dobler wieder mit dem NLZ Ost. An den technischen Disziplinen wurde in Saas-Fee gearbeitet. Dazu kam eine Speed­woche in Zermatt. Zuletzt musste der Seebub wegen eines Virus jedoch zwei Wochen pausieren. Erst am vergangenen Mittwoch kehrte er auf die Ski zurück.

Dass Dobler auf den Start beim nationalen Saisonauftakt diese Woche auf der Diavolezza verzichtet, hängt aber nicht primär damit zusammen. «Ich richte mein Rennprogramm primär auf den Riesen und Super-G aus», verrät der 21-Jäh­rige. Im letzten Winter hatte er sogar mehr Slaloms (21) als Riesenslaloms (16) bestritten. «Meist zählte ein Slalom­ zum Swiss Cup, der für die Selektio­nen mitentscheidend war. Dann bestritt ich auch gleich das zweite Rennen, weil ich schon vor Ort war.» Weil Dobler dem Junioren­alter entwachsen ist, muss er auf diese Nachwuchs­wertung heuer keine Rücksicht mehr nehmen.

Premiere am Lauberhorn

Er will vielmehr Woche für Woche nehmen, sicher FIS-Rennen in der Schweiz und im grenz­nahen Ausland bestreiten. Bei entsprechenden Leistungen sind auch Starts im Europacup möglich. Seine Premiere auf dieser Stufe erlebte Dobler Anfang Januar in einem Super-G in Wengen. «Der Unterschied zu den FIS-Rennen war nicht riesig», sagt er. Klar sei die Leistungsdichte höher, genauso wie seine Startnummer. Speziell war für ihn der Mythos Lauberhorn. «Einmal selbst und ohne vorhergehendes Training auf der Strecke über den Hundschopf und durch das ­Brüggli-S zu fahren, war cool.» Ein besseres Resultat als den 56. Platz vergab er in der zweiten, engen Schlüsselstelle.

Neben dem Aufstieg ins C-Kader und weiteren Starts im Europacup hat der Student noch ein drittes Ziel im Visier. Anfang März findet in der russischen Stadt Krasnojarsk die Winter-Universiade statt. Los geht es für Dobler am 22./23. November, wenn in Zinal die ersten beiden FIS-Riesenslaloms der Saison in der Schweiz ausgetragen werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.11.2018, 18:26 Uhr

Konditionstraining

Die physische Vorbereitung auf den Winter absolvierte Yannik Dobler im Sypoba Elite Team. Der von Robin Städler in Jona gelei­teten Trainingsgruppe gehören neben dem Skifahrer aus Männedorf Athletinnen und Athleten verschiedenster Couleur an.

Konditionstrainer Städler betreut etwa den ehemaligen Eishockey-Nationalspieler Timo Helbling von den SCRJ Lakers, alpin Snowboarderin Ladina Jenny oder Badmintonspieler Joel König. (db)

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